Grand-Prix-Vorentscheid Viva sucht den Superstar

Der Vorentscheid zur deutschen Teilnahme am Grand Prix d'Eurovision wird im kommenden Jahr komplett renoviert. Für das neue Konzept kooperiert der NDR mit dem Popsender Viva: Nur noch erfolgreiche Bands und Künstler sollen bei dem Popsender Videoclips einreichen. Für die Plattenfirmen sei es zu teuer, neue Talente aufzubauen.


Rapperin Setlur: Aus der "Popstars"-Jury zum Grand Prix
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Rapperin Setlur: Aus der "Popstars"-Jury zum Grand Prix

Hamburg - Das Show-Konzept des alljährlich im März ausgetragenen Vorentscheids für den europäischen Songwettbewerb wurde von Grund auf renoviert. Wer mitmachen will, muss jetzt schon im Vorfeld einen Videoclip zum Lied produzieren. Vor dem Entscheid läuft der Film dann regelmäßig auf dem Musiksender Viva, wie der NDR, traditionell Ausrichter der Veranstaltung, am Dienstag in Hamburg mitteilte.

Vor der Show soll möglichst kräftig getrommelt werden: Schon ab dem 12. Januar will Viva jede Woche einen der acht teilnehmenden Künstler promoten. Jeweils eine Woche lang soll es kein Entrinnen vor den Kandidaten geben: Auftritte in der täglichen Show "Interaktiv", bei den "News" und ein ausführliches Special über die Künstler will Viva aufbieten. Im Gegensatz zu den gewohnten Vorentscheiden gehen somit diesmal nicht hauptsächlich unbekannte Newcomer ins Rennen, sondern etablierte Popstars, die dank der Viva-Unterstützung auch schon zum Zeitpunkt ihres Auftritts mit dem jeweiligen Song in den Charts rangieren könnten. Angemeldet sind bisher Sabrina Setlur, Scooter, Laith Al-Deen, die "Popstars"-Gewinnerband Overground, Wonderwall und die Beginner.

"Vor 1998 hat sich keiner für diese Sendung interessiert", erklärte der verantwortliche NDR-Redakteur für den Grand Prix, Jürgen Meier-Beer, das neue Konzept und die Kooperation mit dem Musiksender. "Dann haben wir dafür gesorgt, dass die Plattenfirmen die Bewerbungen einreichen und damit für Professionalität gesorgt wird." Doch dieses Verfahren sei inzwischen überholt, weil es sich die Musikkonzerne angesichts sinkender Umsätze nicht mehr leisten könnten, Unbekannte vergeblich als Stars aufzubauen.

Ein weiteres Problem seien die neuen Unterhaltungsformate. "Früher war der Grand Prix eine Bühne für alle. Jetzt stehen wir im Schatten der Casting-Shows", sagte Meier-Beer. "Deshalb hat sich uns die Frage gestellt: Wie definieren wir die Show neu?" Also beschloss man, auf ohnehin bekannte Musiker zu setzen. Als ein Videoclip Voraussetzung wurde, meldete sich der Musiksender Viva mit dem Angebot, die Stücke häufig zu spielen. "Die Künstler sollen national erfolgreich sein", erklärt Meier-Beer. Die internationale Ausscheidung könne dann das Sprungbrett für einen Erfolg über die Landesgrenzen hinweg sein. Für Anfänger und unbekannte Künstler, die den Grand Prix bisher als Sprungbrett nutzen konnten, gibt es nun allerdings keine Chance mehr.

"Germany 12 Points!" wird die neue Sendung heißen, in der die Fernsehzuschauer am 19. März aus bis zu 12 Kandidaten einen Vertreter Deutschlands wählen sollen. Der Eurovision Song Contest 2004 findet am 19. Mai in Istanbul statt.



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