Sechs Meter hoch Weltgrößtes Klavier in Lettland enthüllt

Auf der Suche nach dem bestmöglichen Klang baut der Deutsch-Lette David Klavins immer größere Klaviere. Sein neustes Werk: ein sechs Meter hohes Instrument, das vertikal statt horizontal konstruiert ist.

David Klavins auf seinem Klaviermodell 470i
Ilmars Znotins/ AFP

David Klavins auf seinem Klaviermodell 470i


In einem Konzerthaus in der lettischen Hafenstadt Ventspils, auf Deutsch Windau, hat der deutsch-lettische Klavierbauer David Klavins ein sechs Meter hohes Piano installiert. Es dürfte das weltweit größte Instrument seiner Art sein. Zwar haben die Prüfer vom Guinnessbuch der Rekorde das Klavier noch nicht vermessen, doch übertraf der in Deutschland geborene Klavierbauer mit seinem neuen Modell 470i sich selbst.

1987 hatte Klavins das 3,70 Meter hohe Model 370 gebaut, das lange als eines der weltweit größten Pianos galt und heute im Funkhaus Nalepastraße in Berlin steht. Auf ihm spielte Nils Frahm zwei Alben ein, der Hamburger Pianist und Komponist war vom Klang, vor allem vom Bass und der Klangreinheit, begeistert.

Frahm inspirierte Klavins zu dem noch größeren Konzertpiano 450i. Das 4,50 Meter hohe Instrument mit bis zu 3,90 Meter langen Saiten stellte er im Dezember 2017 vor. Das nun enthüllte Nachfolgemodell 470i ist sogar noch ein Stück höher.

Das an der Wand des neuen Konzerthauses in Ventspils montierte Klavier bietet mit seinem sechs Meter hohen blauen Stahlrahmen einen imposanten Anblick. Der Pianist muss eine steile Treppe hinaufsteigen, um dann auf einer Art Balkon über den Köpfen der Zuhörer Platz zu nehmen.

Klavins: Größe ist kein Selbstzweck

"Die passendste Musik für dieses Instrument sind sehr expressive Stücke, zum Beispiel von Rachmaninow oder Skrjabin, aber auch Beethovens Sonaten würden vollkommen anders klingen auf diesem Instrument", sagte Klavins der Nachrichtenagentur AFP.

David Klavins an seinem Vertikalklavier
Ilmars ZNOTINS / AFP

David Klavins an seinem Vertikalklavier

Der 65-Jährige hat fast sein gesamtes Leben dem Bau von Klavieren gewidmet. Seit seiner Lehre als Klavierrestaurator habe er versucht, die traditionelle Bauweise der Instrumente weiterzuentwickeln, sagte Klavins.

Sein erstes vertikales Klavier baute er 1985. Heute arbeitet er in seiner Werkstatt nördlich der ungarischen Hauptstadt Budapest an neuen Ideen. Die Größe seiner Instrumente sei kein Selbstzweck, betont der Klavierbauer. "Die Idee dahinter ist es, den bestmöglichen Klang für alle Musiker und Zuhörer in dieser einen Konzerthalle zu schaffen."

Das Riesenklavier stoße bereits auf große Resonanz, sagte der künstlerische Leiter des Konzerthauses in Ventspils, Miks Magone. Komponisten und Musiker aus aller Welt seien daran interessiert, das neue Modell 470i auszuprobieren. Der kanadische Pianist Lubomyr Melnyk werde in der kommenden Woche in Ventspils erwartet. Das neue Klavier werde auch zu hören sein, wenn sechs Pianisten aus Deutschland das Stück "Six Pianos" von Steve Reich aufführen.

Bürgermeister Aivars Lembergs setzt darauf, dass Klavins Klavier auch den Tourismus in Ventspils beflügelt. Er hoffe auf Besuche von "Musikliebhabern aus aller Welt".

abl/AFP



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