Entdecker von Udo Jürgens Medienmanager Hans R. Beierlein ist tot

Er war einer der Strippenzieher im deutschen Unterhaltungsgeschäft: Hans Beierlein machte Udo Jürgens zum Star, brachte Volksmusik ins Fernsehen und handelte mit Fußballrechten. Nun ist er mit 93 Jahren gestorben.
Hans R. Beierlein: »Münchner Mabuse« war nur einer seiner vielen Spitznamen

Hans R. Beierlein: »Münchner Mabuse« war nur einer seiner vielen Spitznamen

Foto: Marc Müller / picture alliance / dpa

Hans R. Beierlein trug viele Beinamen in der Musik- und Medienbranche. Dass der SPIEGEL besonders viele davon kolportierte beim langjährigen Begleiten seines Wirkens, gefiel Beierlein offenbar: Auf der Website seines Unternehmens Montana Musik ließ er sich mit einem Text porträtieren , der gleich mit einer Aufzählung von ihnen einsteigt. »Bayerischer Goldfinger«, »Münchner Mabuse«, »Weißer Hai im Wunderland« – oder auch »Hans R. in allen Gassen« – für Beierlein ein Ehrentitel.

Hans Rudolf Beierlein kam am 19. April 1929 in Nürnberg zur Welt, die dortige Dürer-Oberrealschule verließ er 1948 ohne Abitur. Er wurde Reporter und berichtete für die »Abendzeitung« zunächst über Klatschthemen aus der fränkischen Metropole. Beierlein stieg zum Redaktionsleiter auf, gründete 1958 die Fachzeitschrift »Musikmarkt« und produzierte zusammen mit Josef von Ferenczy den Dokumentarfilm »Der Nürnberger Prozess«, der den Bundesfilmpreis erhielt.

1960 gründete Beierlein in München den Musikverlag Edition Montana, der zum Kern seiner vielfältigen Aktivitäten in Musik und Medien wurde. Sein größter Musikrechte-Coup gelang dem politisch konservativen Hans R. Beierlein, als er 1972 für 12.500 US-Dollar die mitteleuropäischen Rechte am Arbeiterlied »Die Internationale« erstand. Allein von der DDR soll Beierlein in der Folge über eine Million an Tantiemen erhalten haben – Westmark natürlich.

In der breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde Beierlein als der Mann an Udo Jürgens' Seite. Er entdeckte den noch unbekannten österreichischen Sänger und Komponisten 1963 und baute ihn zu einem der größten Stars im deutschen Showgeschäft auf. Den Durchbruch schaffte Jürgens 1966 beim Grand Prix Eurovision mit dem Titel »Merci Chérie«, dessen französische Anklänge Beierlein aus strategischen Gründen empfohlen haben will. Beierlein blieb 14 Jahre lang Udo Jürgens' Manager, bis es 1977 zur Trennung kam. Erst 17 Jahre später sprachen die beiden Männer wieder miteinander.

Anstoßen auf gemeinsame Erfolge: Udo Jürgens (l). und Hans R. Beierlein beim Oktoberfest 1974

Anstoßen auf gemeinsame Erfolge: Udo Jürgens (l). und Hans R. Beierlein beim Oktoberfest 1974

Foto: Peter Bischoff / Getty Images

Weitere Stars, die Hans Beierlein zumindest phasenweise managte, waren Heino, Reinhard Mey oder Michael Schanze. Mit der früh verstorbenen Sängerin Alexandra (»Mein Freund, der Baum«) war Beierlein auch privat verbandelt. Zudem war Beierlein sehr aktiv darin, die großen Namen der französischen Musikszene auch in Deutschland populär zu machen. Hierfür beteiligte er sich an der französischen Schallplattengesellschaft Vogue, brachte Petula Clark sowie Françoise Hardy auf den deutschen Markt und förderte Künstler wie Gilbert Bécaud, Charles Aznavour und Johnny Hallyday.

Über die Musik entstand Beierleins Kontakt zum Deutschen Fußballbund: Zur Fußball-WM 1974 in Deutschland ließ Montana die deutsche Fußball-Nationalmannschaft im Tonstudio antreten. Der Song »Fußball ist unser Leben« wurde ein Riesenerfolg. In den Achtzigerjahren erkannte Beierlein die Chancen, die das Aufkommen des Privatfernsehens dem DFB boten: Im Auftrag des Fußballbundes handelte er mit den Übertragungsrechten, woraufhin ARD und ZDF deutlich mehr als früher für Länderspiele im Programm zahlen mussten.

Im Fernsehen konnte Beierlein immer wieder Sendungen platzieren, in denen von ihm erkannte Trends aufgegriffen wurden. In den Siebzigerjahren waren es noch die Liedermacher im ZDF-»Liedercircus« (wo dann seine Schützlinge Mey oder André Heller auftraten). In den Achtzigerjahren folgten Aerobic (»Enorm in Form«), Musikvideos (»Formel Eins«) oder Kochen (»Essen wie Gott in Deutschland«).

Ehrenpreise wie hier 2010 beim LEA Award der Livemusikbranche, gab es mehrere für Beierlein

Ehrenpreise wie hier 2010 beim LEA Award der Livemusikbranche, gab es mehrere für Beierlein

Foto: Florian Seefried / Getty Images

Seinen nachhaltigsten Erfolg auf dem Feld zwischen Musik und Fernsehen landete Hans R. Beierlein allerdings damit, dass es ihm gelang, die Volksmusik im TV-Programm zu etablieren. Ob beim »Musikantenstadl« oder dem »Grand Prix der Volksmusik« – praktisch überall, wo geschunkelt wurde, war Beierlein mit im Geschäft. Er verlegte »Patrona Bavariae«, managte das als Traumpaar vermarktete Kinderstar-Duo Stefanie Hertel und Stefan Mross, brachte den Sänger Florian Silbereisen als Moderator beim MDR ins Gespräch. Beim MDR wurde Beierlein 2011 in die Affäre um Unterhaltungschef Udo Foht verwickelt.

Hans R. Beierlein ist am 5. August in seiner Münchner Wohnung gestorben, wie Montana Musik vermeldet . In der von seiner langjährigen Mitarbeiterin und Vertrauten Bizzi Niesslein unterzeichneten Todesanzeige wird ein Lied der Sängerin Alexandra zitiert. Über den Tod berichtete zunächst die »Bild«-Zeitung, die sich auf die von Beierleins Chronisten Hubert Bücken kolportierten Todesumstände konzentrierte. Demnach sei auf einen starken Nieser Beierleins ein dumpfer Knall gefolgt und die luftgefederte Spezialmatratze geplatzt. »Mit diesem Finale fortissimo endete stilgerecht das schillernde Leben von Hans Rudolf Beierlein«, so Bücken.

feb
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