Priscilla Presley über das neue Elvis-Album "Für mich klingt Helene Fischer nicht grauenhaft"

Das könnte Elvis-Fans schockieren: Auf einem neuen Album singt der King mit Helene Fischer. Hier erklärt Priscilla Presley, die das Erbe ihres Ex-Mannes verwaltet, warum sie an dem virtuellen Duett nichts Schlimmes finden kann.
Zur Person
Foto: REUTERS

Priscilla Presley, 71, war sechs Jahre mit Elvis Presley verheiratet. Als Vorsitzende der Elvis Presley Enterprises war sie maßgeblich daran beteiligt, Graceland zu musealisieren. In den Achtzigerjahren begann sie eine Schauspielkarriere und spielte unter anderem Jenna Wade in "Dallas".

SPIEGEL ONLINE: Mrs. Presley, vor einem Jahr ließen sie die Stimme ihres Ex-Ehemanns Elvis für das Album "If I Can Dream" mit Streichern aufplustern. Waren Sie überrascht, dass die Platte ein Millionen-Bestseller wurde?

Presley: Dass es so gut laufen würde, hatte tatsächlich keiner erwartet. Deshalb gibt es ja nun auch die Fortsetzung "The Wonder Of You". Die Idee war aber nicht nur, viele Platten zu verkaufen, sondern auch zu zeigen, dass Elvis so viel mehr sein kann als nur Rock'n'Roll, um ein neues Publikum zu erschließen.

SPIEGEL ONLINE: Bedeutet ein neues Publikum, dass wir Elvis' Stimme auch bald zu Techno und Hip-Hop-Beats hören werden?

Presley: Nachgedacht habe ich darüber tatsächlich schon. Aber Techno und Hip-Hop wären vermutlich dann wirklich zu weit weg. Andererseits hat Elvis es geliebt, etwas zu riskieren. Wie weit auch seine Stammhörer für Risiken zu haben sind, wollten wir mit dem letzten Album herausfinden. Allein die Vorstellung einer "neuen" Elvis-Platte begeistert ja immer noch sehr viele Leute. Jetzt ist klar, dass ein großes Publikum auch gut damit leben kann, Elvis' Stimme mit einem Sinfonieorchester zu hören. "If I Can Dream" hat eine Tür geöffnet und uns Möglichkeiten aufgezeigt, was vielleicht eines Tages noch gehen könnte. Wir können auch Dinge ausprobieren, die Elvis immer tun wollte, aber aus vielerlei Gründen nicht hinbekommen hat. Zum Beispiel in Europa auf Tournee zu gehen, in England und auch in Deutschland, das er ja nur als Soldat erlebt hatte. Er wollte als Entertainer zurückkehren. Diese Tour wird es nun geben.

SPIEGEL ONLINE: Nun ja, zumindest virtuell. Was hielt ihn zu Lebzeiten ab?

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Priscilla Presley: "Ein Rebell war Elvis nie"

Foto: Sony BMG

Presley: Sein Manager Colonel Parker hielt eine Europareise für zu gefährlich und redete sie Elvis immer wieder aus. Zumindest seine Stimme wird nun auf Tournee gehen, begleitet von einem 75-köpfigen Orchester. Man wird Elvis auf einer großen Leinwand sehen. Und ich werde auch dabei sein und einige Geschichten über Elvis erzählen und dem Publikum erläutern, wie die Songs ausgewählt wurden und warum wir das alles überhaupt tun.

SPIEGEL ONLINE: Mal ehrlich: Ist es für Sie nicht seltsam, so einer Geistershow beizuwohnen?

Presley: Nein, nicht seltsam, eher euphorisierend! Es überwiegt die Freude, diese Songs in neuem Gewand auf großer Bühne zu neuem Leben zu erwecken. Und seltsam ist ohnehin nichts für mich, was Elvis betrifft; ich habe noch immer täglich mit ihm zu tun. Das ist Routine für mich. Es gibt immer etwas zu entscheiden, was ihn betrifft. Demnächst werden wir sogar ein Elvis-Hotel eröffnen.


Im Video: Seltene Aufnahmen des "King of Rock'n'Roll"

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SPIEGEL ONLINE: Jeden Tag Elvis? Ist das nicht auch belastend?

Presley: Nein, ich kann schon zwischen meinem Beruf und meinem Privatleben trennen. Aber das überlappt sich natürlich manchmal. Einerseits helfe ich, sein Erbe zu verwalten, andererseits höre ich auch nach wie vor gerne seine Musik. Jedes Mal, wenn er im Radio läuft, freue ich mich. Irgendwie ist Elvis immer da.

SPIEGEL ONLINE: Wenn Sie abends mit Freunden in einem Restaurant sitzen und Ihr Ex-Mann dudelt im Hintergrund. Das muss doch bizarr sein.

Presley: Kommt ganz drauf an. Wenn mich in dem Laden keiner erkennt, ist mir das gleichgültig, wenn aber die Leute bemerkt haben, wer ich bin, wird es manchmal ungemütlich. Stellen Sie sich mal vor: Ich sitze privat beim Essen, im Hintergrund singt mein Ex-Mann und der ganze Raum starrt mich an und lauert darauf, wie ich reagiere. Ich weiß nicht, was die Leute in solchen Situationen von mir erwarten, aber das macht keinen Spaß. Ich lausche nur der Musik, so wie jeder andere Mensch auch.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie das letzte Wort bei allem, was mit der Stimme von Elvis angestellt wird?

Presley: Es sind einige beteiligt: Elvis Presley Enterprises mit mir, aber auch die Plattenfirma. Gemeinsam gehen wir alle Ideen durch - und das klappt ziemlich gut. Es wird weniger gestritten, als Sie sich wahrscheinlich vorstellen.

SPIEGEL ONLINE: Wenn ich jetzt als Techno-DJ einen Techno-Remix von einem Elvis-Song machen würde. Wer würde mir die Erlaubnis geben, das Stück zu veröffentlichen?

Presley: Der Weg zu so einer Entscheidung ist natürlich lang: Was für ein DJ sind Sie? Was für einen Song haben Sie bearbeitet? Wie kommt das am Ende rüber? Was ist überhaupt Ihre Intention dabei? Wer ist Ihre Zielgruppe? Das ist Menge Wieso-Weshalb-Warums! Jeder Fall muss einzeln bewertet werden, deshalb können solche Entscheidungen sehr lange dauern. Was mich betrifft, möchte ich das Gefühl haben, dass das entsprechende Produkt die DNA von Elvis in sich trägt.

SPIEGEL ONLINE: Für die deutsche Version des neuen Albums wurde Elvis' Stimme zu einem Duett mit der Schlagersängerin Helene Fischer gemischt. Trägt das Resultat die DNA von Elvis in sich?

Presley: Wieso fragen Sie?

SPIEGEL ONLINE: Einige strenge Fans könnten schockiert sein, Helene Fischer auf einem Elvis-Album zu hören.

Presley: Meinen Sie? Ich finde, sie hat die Sache toll gemacht. Elvis liebte weibliche Stimmen. Ich habe mir das Duett vorab genau angehört und fand es ganz vorzüglich. Sie hat nicht versucht, sich in den Vordergrund zu singen. Sie hat nicht unnatürlich gesungen. Ich kann nichts Schlimmes in diesem Duett hören! Ich habe versucht, es mir aus Elvis-Perspektive anzuhören, und muss sagen, dass sie wirklich singen kann.

SPIEGEL ONLINE: Helene Fischer polarisiert schon sehr stark.

Presley: Oh Mein Gott, wirklich? Aber ich sehe das Problem nicht. Die Stimmen passen gut zusammen und nur darum geht es, wenn Sie mich fragen. Wenn man keine Vorurteile hat und sich einfach nur den Song anhört, wüsste ich nicht, was es daran auszusetzen geben könnte. Leute und Fans, die sich beschweren, hat man immer, man wird es nie allen recht machen können.

SPIEGEL ONLINE: Sie wussten aber schon, dass Helene Fischer eine Schlagersängerin ist, oder?

Presley: Selbstverständlich habe ich mich über sie vorab informiert. Ich habe sie gegoogelt und mir auch ihre Musik angehört. Tiefschürfendes Hintergrundwissen kann man so nicht erlangen, aber ich fand alles in Ordnung. Sie ist doch sehr erfolgreich, hat Millionen Fans, da muss sie wohl irgendetwas richtig machen. Wie gesagt: Nörgler gibt es immer! Für mich klingt Helene Fischer nicht grauenhaft. Ich finde es auch legitim, mit dem Einsatz ihrer Stimme vielleicht ein neues Publikum für Elvis Presley zu erschließen.

SPIEGEL ONLINE: Was, glauben Sie, ist das größte Missverständnis, was Elvis betrifft?

Presley: Dass Elvis immer nur auf den Rock'n'Roll reduziert wird, ist ein Irrtum. Auch deshalb gibt es diese Orchesterplatten. Elvis hatte einen viel weitreichenderen Geschmack, als sich viele Leute vorstellen können. Da wird er unterschätzt. Das Elvis-Klischee geht so: Er war ein wilder Rebell! Er wollte die amerikanischen Teenager auf die Barrikaden rufen! Alles Unsinn! Elvis war ein sensibler Mensch, der daheim gerne Klassik hörte. Ein Rebell war Elvis nie.


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Foto: Sony

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