Herbert Grönemeyer Comeback als Mensch und Musiker

"Ich hatte Angst, auch noch meinen zweiten Schatz zu verlieren - die Fähigkeit, Musik zu machen," sagte der Sänger Herbert Grönemeyer bei einer Pressekonferenz in Berlin. Die Angst war unberechtigt. Am Montag erscheint sein neues Album "Mensch".

Als vor vier Jahren zunächst seine Frau Anna und kurz darauf sein Bruder an Krebs starben, dachte Herbert Grönemeyer lange Zeit, er könne nicht mehr als Musiker arbeiten. "Das Album war sicherlich einer der schwersten Berge, die ich zu erklimmen hatte", sagte er in Berlin bei der Vorstellung seiner neuen Platte. "Anfangs passierte nicht viel, alles war grau und bleiern. Dann habe ich irgendwann Sauerstoff gespürt."

Das Ergebnis der Luftzufuhr wird mit Spannung erwartet. Schließlich sind fast fünf Jahre seit Grönemeyers letztem Album "Bleibt alles anders" vergangen. Die erste neue Auskopplung "Mensch" ist schon jetzt seine bisher erfolgreichste Single. Der Song steht seit zwei Wochen an der Spitze der deutschen Charts und hat sich bisher über 300.000 Mal verkauft. Vom gleichnamigen Album erhofft sich Grönemeyers Plattenfirma EMI binnen kürzester Zeit Verkäufe von über einer Million. Der Musiker selbst gab sich in Berlin zufrieden mit seinem neuen Werk: "Das Album ist ein Schnappschuss, so sehe ich heute innerlich aus." Mit seinem Comeback verbindet der in Göttingen geborene Musiker auch selbst hohe Erwartungen. "Wenn ‚Mensch' nicht auf Platz eins landet, würde ich schon ein paar Tage blöd gucken", so der 46-Jährige.

Nach seinen schweren Schicksalsschlägen war Grönemeyer nach London gezogen. Jetzt will er vielleicht nach Berlin zurückkehren. "Dann kaufe ich mir eine Kiste Mohrenköpfe, Vollkornbrot und Fleischwurst und das Leben fängt wieder an", so der Musiker. Er liebe die Luft und den Himmel über Berlin, zudem bekomme er dort einen Schnellkurs in der deutschen Sprache um die Ohren gehauen, die er in England so vermisse. "Wenn man an eine Zukunft glaubt, muss man im 21. Jahrhundert nach Berlin", zitierte er einen englischen Journalisten. Auch die etwas raue Art der Berliner störe ihn nicht. "So sind wir im Kohlenpott auch. Ich gelte auch nicht als besonders diplomatisch."

Das gilt wohl auch für seinen Kollegen Marius Müller-Westernhagen. Mit dem Musiker liegt Grönemeyer nach einem Bericht der "Hamburger Morgenpost" seit zwölf Jahren im Clinch. In einem Interview mit dem "Stern" sagte Grönemeyer, er habe Westernhagen geholfen, als seine Platten sich nicht mehr so gut verkauften. Durch seine Mithilfe sei der Sänger-Kollege innerhalb weniger Jahre wieder sehr erfolgreich gewesen. Daraufhin habe Westernhagen eine Kampagne gefahren, er sei "der größte und erfolgreichste deutsche Künstler". "Mein Gefühl war: Ich habe für den Erfolg von Marius mitgesorgt, jetzt wird auf meinem Rücken diese Kampagne gefahren", äußerte sich Grönemeyer zu dem Streit. "Diese Unanständigkeit hat mir wehgetan. Das war für mich ein unheimlich brutaler Tritt."

Wenig gnädige Worte hatte Grönemeyer auch für die Kanzlerkandidaten Stoiber und Schröder übrig. Wer von den beiden Kanzler werde, sei fast egal. Keiner von beiden habe irgendeine Vision für die neuen Länder. Allerdings halte er Stoiber allein für gefährlich. "Man weiß ja nicht, ob er nach rechts ausschert, wenn er erst mal an der Macht ist", so Grönemeyer. Allerdings sei der Bayer vielleicht etwas pragmatischer als der amtierende Bundeskanzler. Daher halte er eine große Koalition für die beste Lösung. "Zusammen, könnte ich mir vorstellen, da könnte das was werden", sagte der Sänger. Allerdings habe und wolle er da als Musiker keinen großen Einfluss auf die Politik. "Wir können keine Dinge verändern, aber wir können Leute, die versuchen, Dinge zu verändern, motivieren, das zu tun."