Hitparaden-Affäre Brandes gibt gezielte Plattenkäufe zu

Der Musikproduzent David Brandes hat in der ZDF-Show "Johannes B. Kerner" zugegeben, gezielt 2000 Platten gekauft zu haben, um Gracias Single "Run & Hide" in die Charts zu befördern. "Ich find's moralisch okay", sagte er in der Sendung.


Produzent Brandes: "Ich weiß, dass viele in der Branche das machen"
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Produzent Brandes: "Ich weiß, dass viele in der Branche das machen"

"Hamburg - "Wir haben das in aller Regel nur in den ersten drei Wochen gemacht", erläuterte Brandes. "Dieses Thema ist so alt wie die Charts selbst". Die Vorfälle der letzten Wochen, die dazu führten, dass erstmals in der Geschichte der deutschen Hitparaden mehrere Titel aus den Charts verbannt wurden, würden zurzeit absolut überbewertet, meinte der 36-Jährige in der ZDF-Sendung "Johannes B. Kerner" (gestern, 22.45 Uhr). "Würden wir so etwas nicht tun, hätten unsere Künstler Wettbewerbsnachteile, weil ich weiß, dass viele in der Branche das machen."

Der Manager und Produzent, der neben der Grand-Prix-Kandidatin Gracia auch die erfolgreiche Popband Vanilla Ninja betreut, räumte ein, in den ersten drei Wochen nach Erscheinen der Single gezielt 2000 Platten gekauft zu haben, um Gracias Song "Run & Hide" in die Charts zu befördern. "Ich find's moralisch okay", verteidigte er das Vorgehen.

Die Geschäftsführerin von Media Control, Ulrike Altig, hielt in der Talkshow dagegen: "Das, was hier passiert ist, übersteigt das Normale." Es gebe immer wieder Manipulationsverdächtigungen, jede Woche beginne der "Tanz ums goldene Kalb" neu. Allerdings habe sie noch nie solche "Hamsterkäufe" erlebt. "In so einer Form war das noch nie da, das zeigt enormes Insiderwissen", meinte Altig. "Wir wissen um unsere Verantwortung und haben deshalb auch ganz genau recherchiert."

Sängerin Gracia: "Ich habe es vorher nicht gewusst"
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Sängerin Gracia: "Ich habe es vorher nicht gewusst"

Trotz der Manipulationsvorwürfe gegen Brandes und massiver Kollegenschelte will Gracia weiterhin am 21. Mai in Kiew für Deutschland singen. "Ich bin bei der Vorentscheidung genau wie alle anderen Künstler auf die Bühne gegangen, habe meine Show gemacht und bin von Deutschland gewählt worden", sagte die Sängerin Von künstlichen Plattenaufkäufen zur Chartmanipulation habe sie nichts gewusst. "Ich habe es vorher nicht gewusst und weiß nicht, wie ich reagiert hätte", sagte sie.

Die 22-jährige Münchnerin, die sich in den vergangenen Tagen immer wieder vor ihren Produzenten gestellt hat, findet die Vorgänge insgesamt "nicht so verwerflich." Zudem beteuerte sie, keine Manipulationsvorwürfe gegen Kollegin Jeanette Biedermann gerichtet zu haben. Die "Bild"-Zeitung hatte die Sängerin in der vergangenen Woche mit den Worten zitiert: "Jeanette hat das auch schon gemacht". "Ich würde nie wagen, so etwas zu behaupten", sagte Gracia nun bei Kerner. Im Moment fühle sie sich sehr schlecht und sei gelegentlich "kurz vorm Verzweifeln, weil ich nicht weiß, wie ich mich wehren soll".

Mit Brandes will Gracia auch künftig zusammenarbeiten. Ob die Sängerin und der Produzent auch privat ein Paar seien, wie die Zeitschrift "Young" gemutmaßt hatte, wollten sie nicht bestätigen. Gracia: "Ich habe mich in den letzten Monaten nicht zu meinem Privatleben geäußert und möchte das auch heute nicht tun." Brandes schloss sich ihr an.

Gegen den Musikproduzenten ermittelt inzwischen auch die Staatsanwaltschaft Lörrach in einem Ermittlungsverfahren wegen Untreue und Betrugs, das von früheren Geschäftspartnern eingeleitet wurde.

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