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Hugh Jackman: Charmantes Clownsgesicht

Foto: Ryan Pierse/ Getty Images

Konzertauftakt in Hamburg Schöner schwitzen mit Hugh Jackman

Nicht jeder Ton sitzt, aber trotzdem zerrinnt einem das Herz zu Schmelzkäse: Hugh Jackman ist Schauspieler, Sänger und Tänzer - bei seinem Konzert in Hamburg zeigte er nun auch große Entertainerqualitäten.

Singen ist keinesfalls das, was Hugh Jackman am besten kann. Manchmal scheppert seine Stimme ein bisschen, manchmal schnarrt sie. Einmal, als er einen Hit aus "Les Misérables" vorträgt, verrutscht sie in sinnfernes Gebrüll. Und beim allerletzten Song, in dem der Hollywoodstar den weit über 10.000 Zuschauern in der Hamburger Barclaycard Arena mit balladenhaftem Schmalz versichert, wie hart es ist, "Goodbye" zu sagen, kräht seine Stimme so schauerlich schief und falsch, dass einem dieser ohrenschmerzende Katerjammer gleich noch ein bisschen mehr das eh schon zu lauem Schmelzkäse zerronnene Herz erweicht.

Denn natürlich ist es ein Triumph, den der Unterhaltungskünstler Jackman am Montagabend beim ersten seiner vier Deutschlandauftritte feiert. "Hugh Jackman. The Man. The Music. The Show." lautet der Titel der Welttournee, die den berühmtesten Australier seit Crocodile Dundee nun nach Europa führt. Und tatsächlich: Die Hauptattraktion dieses Spektakels aus Musical-Evergreens und ein paar eigenen Hits, hitzigen Tanzdarbietungen und wilden Publikumsumarmungen ist der Mann Hugh Jackman. Er ist 50 Jahre alt, trägt das Haar akkurat links gescheitelt, ein festgezurrtes Mikrofon an der Wange und die Ohren vollgestopft mit Plastik und Elektronik. Er verstrahlt ein umwerfendes Lächeln. Das zweieinhalbstündige, durch eine Pause unterbrochene Programm, zu dem er das Publikum einlädt, ist konzipiert als Reise in Hugh Jackmans Welt.

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Hugh Jackman: Charmantes Clownsgesicht

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Der Held im Scheinwerferlicht erzählt also von seiner Kindheit in Australien, in der er Rugby spielte und sich erst spät zum Tanzunterricht traute, weil sein älterer Bruder ihn als Weichei verspottete. Er berichtet von seiner Liebe zur Kunst des australischen Musical-Genies Peter Allen, den er selbst in dem Singspiel "The Boy from Oz" auf der Bühne und auf der Leinwand spielte. Er erinnert sich an einen Auftritt in der New Yorker Carnegie Hall, zu dem sein Vater aus Sydney einflog und im Smoking kam, obwohl alle anderen Zuschauer in lässiger Kleidung unterwegs waren.

Und er zeigt sich ein paar Tanzschritte lang in der Pose des scherenhändigen Mutanten Wolverine, in der Rolle, die ihn durch die Reihe der "X-Men"-Filme wohl den allermeisten Menschen bekannt gemacht hat. Natürlich singt Jackman auch noch allerhand Songs aus dem Film "The Greatest Showman" aus dem Jahr 2017, in dem er den Zirkusunternehmer P. T. Barnum spielte. Mit dem zugehörigen Album "The Greatest Show" gelang ihm und seinen Mitsängerinnen und Mitmusikanten ein großer, für viele überraschender Erfolg auf dem Musikmarkt.

"Tanzen ist Schweißarbeit", lautet ein berühmter Satz von Fred Astaire, für Hugh Jackman scheint er nur bedingt zu gelten. Mal tanzt er in Smokinghose mit Kummerbund und offenem weißen Hemd durch die Arena, mal tigert er in einer glitzernden Paillettenmontur über den Laufsteg, mal strawanzt er in einem seiner offenbar von Tom Ford geschneiderten Sakkos zu einer Mackie-Messer-Einlage über die Breitwandbühne, ohne dass ihm viel Anstrengung anzusehen ist. Erst nach einer Tap-Dance-Nummer erlaubt es sich Jackman, auch mal sichtbar zu schwitzen.

Ein hinreißender Gastgeber

Die Gala, die Jackman präsentiert, ist teurer als die meisten Popkonzerte, die Karten kosten zwischen 80 und 140 Euro, dafür wird praktisch an nichts gespart. Ein knapp 20-köpfiges Orchester, acht Tänzerinnen und Tänzer und zwei Gastsängerinnen sind im Einsatz; und weil Jackman auch von einer lebensverändernden Begegnung mit der Kultur der australischen Ureinwohner berichtet, tragen ein paar Aborigine-Künstler einen Song aus dem Liederschatz ihrer Vorfahren vor. Nur der 50-köpfige Mädchenchor, der offenbar noch kürzlich bei Jackmans Auftritt in Glasgow zum Einsatz kam, ist in Hamburg nicht dabei.

Der Entertainer Jackman beherrscht virtuos das Wechselspiel aus vorgeblicher Bescheidenheit und komischer Unverschämtheit, das den Charme jedes großen Bühnenkünstlers ausmacht. Zu "Singin' in the Rain" schwenkt er einen weißen Regenschirm, beim Klimpern auf dem Klavier stottert er, dass er sich vor jedem Profi schäme wegen seiner ärmlichen Spielerei. Und als er endlich vom Film "The Greatest Showman" redet, seufzt er, dass es neun Jahre harte Arbeit waren, bis das Werk dann endlich gedreht wurde.

Jackman ist ein hinreißender Gastgeber. Wenn er wieder mal in einer neuen Montur ins Rampenlicht tritt, denkt man, dass dieser Heldentyp umstandslos als Gallionsfigur an jeden Schiffsbug gepflanzt werden könnte oder als Cowboy in eine Rodeo-Arena. Er wäre eine Prachtbesetzung als Croupier im Casino oder als Offizier und Gentleman in blutigen Schlachten. Jackman hat aber nun mal die Rolle des Showmans gewählt. Dessen wichtigste Regel hat Frank Sinatra formuliert: "Dare to wear the foolish clown face." Sagen wir es also so: Im Moment besitzt Hugh Jackman das charmanteste Clownsgesicht weit und breit.


Weitere Tourdaten von "The Man. The Music. The Show.": Berlin (14.5.), Köln (16.5.), Mannheim (21.5.)

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