Interview mit Kelly Osbourne "Viele Leute haben Angst vor mir"

In der MTV-Soap "The Osbournes" feiert Kelly Osbourne Erfolge als TV-Star. Ihr erster Versuch, als Sängerin Karriere zu machen, scheiterte jedoch kläglich. Mit SPIEGEL ONLINE sprach die 19-Jährige über ihren Neustart bei einer kleinen Plattenfirma, das Leben unter Kamerabeobachtung und ihr Image als Kratzbürste.


Sängerin Osbourne: "Ich kann tun und lassen, was ich will"
AP

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SPIEGEL ONLINE:

Miss Osbourne, wieso gibt es eine Neuveröffentlichung Ihres Debüt-Albums bei einem Independent-Label?

Kelly Osbourne: Als ich das Album Anfang des Jahres bei einem Major veröffentlichte, bekam es keine Chance. Zum Beispiel wurde meine dritte Single "Dig Me Out" nur in Deutschland veröffentlicht. Das war zu einem Zeitpunkt, als Epic mich bereits fallen gelassen hatte, dann aber einsah, dass ich Platten verkaufte und die Leute mich mochten. Mit "Changes" bin ich viel zufriedener als mit "Shut Up". Ich hatte mehr Kontrolle über das fertige Produkt. Und ich habe mehr Freiheiten: Ich kann tun und lassen, was ich will.

SPIEGEL ONLINE: Es gibt das Gerücht, dass "Shut Up" ein kolossaler Flop war - deswegen der Rausschmiss...

Osbourne: Es war fast so, als ob die Verantwortlichen alles dafür getan hätten, dass die Scheibe in den Läden liegen bleibt. Es wurde nicht wirklich für sie geworben. Die Plattenfirma schien davon auszugehen, dass "Shut Up" sich von alleine verkauft. Das Marketing ist aber Aufgabe des Verlegers. Wenn das versagt, steckst Du als Künstler fest. Epic wusste nicht, in welche Schublade sie mich stecken sollten, das war wohl das größte Problem.

SPIEGEL ONLINE: Mit welchen Erwartungen wurden Sie konfrontiert?

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Osbourne: Sie wollten aus mir die nächste Avril Lavigne machen. Das bin ich aber nicht, und das wollte ich auch nie sein.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie sich eigentlich schon vor dem Erfolg von "The Osbournes" mit dem Gedanken an eine Musikkarriere getragen?

Osbourne: Nicht wirklich, das resultierte aus der TV-Show. Ich wurde gefragt, zu dem begleitenden "Osbourne Family Album" einen Song beizusteuern, und der kam gut an. So nahm alles seinen Lauf.

SPIEGEL ONLINE: Für jemanden, der noch nie zuvor gesungen hat, hätte das Resultat noch viel schlimmer sein können...

Osbourne: Ich weiß! Niemand hätte erwartet, dass ich singen kann, ich war ja selbst überrascht davon. Für mich war das ein viel größerer Schock als für alle anderen. Am Anfang fühlte ich mich auch sehr unwohl bei den Aufnahmen, das hat sich dann aber gegeben. Irgendwann war es dann so weit, dass ich feststellte, dass ich das wirklich gerne mache. Der anfänglichen Nervosität bin ich mittlerweile entwachsen.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie so etwas wie einen musikalischen Ehrgeiz entwickelt?

Osbourne: Die Leute denken, ich mache das mit der Musik nur zum Spaß, aber natürlich bin ich auch ehrgeizig: Ich möchte, dass die Leute meine Musik hören! Ich habe kürzlich einen Song mit dem Produzententeam The Matrix aufgenommen, und mit ein paar Freunden arbeite ich auch schon an Material für eine zweite Platte.

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SPIEGEL ONLINE: Wie hat man Sie, die singende TV-Berühmtheit und Tochter von Ozzy Osbourne, in Musikerkreisen empfangen?

Osbourne: Bislang hat mir noch keiner direkt vorgeworfen, nur wegen meiner Berühmtheit einen Plattenvertrag bekommen zu haben. Natürlich denken die Leute das, aber das ist mir egal. Die meisten Musiker, die sich für total cool halten, schreiben ja nicht mal ihre eigenen Songs. Sogar viele Punkbands bekommen vorgeschrieben, dieses zu tun, jenes zu lassen - die sind nichts weiter als Massenware. Also sollten sie ja wohl kaum ein Problem mit mir haben.

SPIEGEL ONLINE: Wie steht denn Ihr Vater zu Ihrer Musik?

Osbourne: Er liebt das Album! Manchmal habe ich fast den Eindruck, dass er es mehr mag als ich selbst - das ist süß! Er hört es sich immer wieder an und zählt mir dann all das auf, was ihm daran gefällt. Ich finde es nicht ganz einfach, mit meinem eigenen Vater, der schließlich Ozzy Osbourne ist, über meine Musik zu sprechen.

SPIEGEL ONLINE: "The Osbournes" ist nicht nur die populärste MTV-Show aller Zeiten, sondern hat auch diverse Fernsehpreise erhalten. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Osbourne: Ich wünschte, dass ich eine hätte. Das alles ist sehr verwirrend für mich, ich habe keine Ahnung.

SPIEGEL ONLINE: Es wird bereits die vierte Serienstaffel gedreht. Leidet man nicht unter Verfolgungswahn, wenn man im eigenen Haus Tag für Tag von Kamerateams begleitet wird?

Osbourne: Nein, es macht Spaß! Es hat ein bisschen gedauert, bis wir uns daran gewöhnt haben, doch irgendwann vergisst man die Kameras. Die Crew gehört mittlerweile fast zur Familie.

SPIEGEL ONLINE: Wie ist es denn, das Alltagsleben seiner eigenen Familie im Fernsehen zu beobachten?

Osbourne: Um ehrlich zu sein: Ich habe mir nur die erste Staffel angesehen, die zweite und dritte habe ich ausgelassen. Mir war nicht ganz wohl dabei. Ich möchte mich nicht mit fremden Augen betrachten. Ich will mich nicht ständig hinterfragen oder mir vornehmen müssen, nie wieder dieses oder jenes Gesicht aufzusetzen oder mich so und so zu verhalten. Ich kann mir das einfach nicht ansehen!

SPIEGEL ONLINE: Gibt es denn etwas an Ihrem Image, das Sie gerne verändern würdest?

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Osbourne: Es ist mir ziemlich egal, wie Leute mich sehen, die mich nicht persönlich kennen. Im Endeffekt zählt doch nur, was ich selbst von mir denke und dass ich, wenn ich mich abends im Bett frage, ob ich ein guter Mensch bin, dieses bejahen kann. Wenn ich mir hingegen ständig darüber Gedanken machen würde, was irgendeine Jessica von mir hält, die meilenweit entfernt wohnt - da würde ich ja verrückt werden!

SPIEGEL ONLINE: Wenn es darum geht, über andere Popstars zu lästern, nehmen Sie selbst vor laufender Kamera kein Blatt vor den Mund. Was macht Sie so wütend auf Kolleginnen wie Christina Aguilera und Natalie Imbruglia?

Osbourne: Ich bin nicht wütend! Bei Christina Aguilera denke ich nur, dass sie sich ihren Fans entsprechend verhalten sollte. Das sind nun einmal Kinder, die sie seit ihren Anfängen beim Disney Channel kennen. Es ist total daneben, ständig halb nackt herumzulaufen und auf super sexy zu machen, wenn die Kids dann denken, sie müssten auch so sein!

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie schon einmal ernsthaften Ärger wegen Ihrer rabiaten Sprüche bekommen?

Osbourne: Oh, das geht mir am Arsch vorbei! Die Sache ist doch, dass alles, was ich jemals gesagt habe, der Wahrheit entspricht. Mit den Reaktionen kann ich leben. Viele Leute haben Angst vor mir. Doch wenn ich darüber nachdenke: Ich weiß nicht wieso. Ich weiß wirklich nicht wieso.

Interview: Katrin Meinke

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