Iranisches Kulturministerium Chris de Burgh ist "kein Problem"

Es wäre der erste große Auftritt eines westlichen Pop-Musikers seit der Islamischen Revolution 1979: Chris de Burgh liebäugelt mit einem großen Konzert in Teheran. Die staatlichen Behörden geben sich erstaunlich tolerant.


Teheran - Das Gerücht hält sich seit Dezember vergangenen Jahres: Damals hatte der Sänger Chris de Burgh gemeinsam mit der Band Arian - der einzigen offiziell genehmigten Pop-Band in Iran, ein gemeinsames Lied aufgenommen. Der Text wurde auf Englisch und in Farsi gesungen.

Sänger Chris de Burgh: "Für Menschen, nicht Regierungen"
REUTERS

Sänger Chris de Burgh: "Für Menschen, nicht Regierungen"

Der Manager der Band, Mohsen Rajabpour, bestätigte daraufhin gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass der Ire ein Konzert in Iran plane. Mehr noch: Ershad, das iranische Ministerium für Kultur und islamische Führung, habe sogar "kein Problem" damit - eine Sensation, denn das hat es seit der islamischen Revolution 1979 noch nie gegeben. Bislang haben iranische Mullahs Pop- und Rockkonzerte als "unislamisch" verboten.

Der Pop-Sänger ("Don't Pay the Ferryman") erklärte der französischen Presseagentur AFP, er wolle das Land in diesem Monat zunächst bereisen und sich dann entscheiden, ob er im Sommer spielen wolle - wenn, dann in einem 12.000 Plätze umfassenden Stadion, unter freiem Himmel, in Teheran. Arian-Manager Rajabpour sprach von geplanten Auftritten im Juni und/oder Juli dieses Jahres.

De Burgh hat in der Vergangenheit mehrfach sein Interesse an der iranischen Kultur bekundet und erfreut sich im ehemaligen Persien einer großen Fangemeinschaft. In einem Interview mit Fox News sagte der 59-Jährige: "Ich freue mich, dass meine Musik in Iran gefällt. Ich singe für die Menschen, nicht für Regierungen."

Sollte es zu dem Auftritt kommen, ist allerdings fraglich, ob Männer und Frauen tatsächlich gemeinsam einem westlichen Popsänger auf der Bühne zuhören dürfen. Bisher erhalten Frauen bei Veranstaltungen einen eigenen Zugangsbereich.

Auch sonst werden Frauen und Männer im öffentlichen Leben weitestgehend getrennt: in der Schule, im Bus, im Schwimmbad.

Wie die Organisatoren das Open-Air-Highlight mit Chris de Burgh in dieser Hinsicht handhaben wollen, ist noch nicht bekannt.

taf



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