Jackson-Sichtungen Der König ist tot. Lebt der König?

Kaum waren sie tot, wurden sie rund um den Globus gesichtet: Ereilt Michael Jackson das gleiche Schicksal wie Elvis und Jim Morrison? Das Phänomen ist nicht neu. Schon ein römischer Kaiser tauchte nach seinem Tod an verschiedenen Ecken des Imperiums wieder auf.

Michael Jackson ist tot. Am 25. Juni 2009 um 14:26 Uhr erlag der King of Pop einem Herzstillstand. Noch während der Vorbereitungen für die Trauerfeier im Staples Center, lange vor der Beerdigung seiner sterblichen Überreste, füllte sich das Internet mit wilden Verschwörungstheorien.



Jackson habe sein Ableben nur vorgetäuscht, um den Millionenschulden und Anschuldigungen wegen Kindesmissbrauchs zu entgehen. Um die geplanten Londoner Konzerte nicht geben zu müssen, die er physisch und psychisch nie durchgestanden hätte. Um unter neuem Namen Musik machen zu können, frei von dem Ballast seines alten Lebens. Erste Zeugen wollen ihn schon gesehen haben. Wird künftig "Jacko lebt!" zu einem ähnlichen Running Gag werden wie "Elvis lebt!"?

Die Führung der Diskussion übernahmen schnell zwei Web-Seiten. Auf "michaeljacksonhoaxdeath"  wird alles veröffentlicht, was die These stützt, der King of Pop habe seinen Tod nur vorgetäuscht. Die Seite "michaeljacksonsightings"  hingegen widmet sich den Sichtungen Jacksons rund um den Globus. Diese Website wird von Ian Halperin betrieben - einem Journalisten, der im Dezember 2008 prophezeit hatte, Jackson werde nur noch ein halbes Jahr leben.

Rückenwind bekommen die Verschwörungstheoretiker durch ein Video , das zeigen soll, wie sich der tote Michael Jackson auf dem Helikopterflug vom Krankenhaus in die Leichenhalle von der Bahre aufrichtet. Viel mehr als buntes Gepixel ist darin allerdings nicht zu erkennen.

Es dauerte nicht lange, da meldeten sich bei bei den Internet-Seiten Zeugen, die Jackson lebend gesehen haben wollen. Nur wenige Stunden nach seinem Tod, berichtet michaeljacksonhoaxdeath.com, wurde er dabei beobachtet, wie er die Grenze nach Mexiko überquerte.

Wenig später meldete ein anonymer Schreiber mit dem Kürzel "K.C." auf michaeljacksonsightings.com, Jackson auf dem Flughafen von Manchester gesehen zu haben, wo er in einer Zeitung aufmerksam die Berichte über seinen Tod studierte, während er auf einen Flug nach Dubai wartete.

Etwa um die gleiche Zeit lief er dem Internet-User "F.S." in einer Flughafentoilette in Las Vegas über den Weg. "J.B." berichtet von sogar mehreren Sichtungen auf dem kleinen Flughafen von Queenstown im Süden Neuseelands. Aber vielleicht reist Michael Jackson auch mit dem Boot, wie ein gewisser "D.S." aus einem Internet-Café in Port Saeed in Dubai berichtet, der den King of Pop zusammen mit einer Frau und zwei Bodyguards von einem kleinen Lotsenboot in ein Taxi umsteigen gesehen haben will.

Das Phänomen der Sichtungen toter Stars ist nicht neu. Es begann mit Jim Morrison. 1973, zwei Jahre nach seinem Ableben, spazierte der in eine Bank of America Filiale in San Francisco und hob Geld von seinem Konto ab. Etwa gleichzeitig tanzte er, stets ganz in schwarzes Leder gekleidet, in den Schwulenclubs von Los Angeles. Die Krönung aber war sicherlich die LP "Phantom's Divine Comedy", die 1974 auf den Markt kam - mit einer Stimme, die viele fast 20 Jahre lang für die von Morrison hielten. 1992 hieß es dann, Iggy Pop habe die mysteriösen Aufnahmen eingespielt. Offenbar auch nur ein Fake: ein gewisser Tom Carson soll gesungen haben, unter dem Pseudonym Arthur Pendragon.

1977 starb dann Elvis - oder, wie Verschwörungstheoretiker behaupteten, nahm ihn das FBI in ein Zeugenschutzprogramm auf und täuschte seinen Tod durch eine Überdosis Tabletten vor.

Seit über 30 Jahren behaupten immer wieder Zeitgenossen, ihn danach noch lebendig gesehen zu haben. Kein Wunder, gibt es doch allein in den USA geschätzte 35.000 hauptberufliche Elvis-Imitatoren, die ihr Geld damit verdienen, dem King zum Verwechseln ähnlich zu sehen.

Wie Morrison wurde auch Elvis musikalisch kopiert. Bereits ein Jahr nach seinem Tod erschien die LP "Reborn", auf der ein Sänger namens "Orion" bisher unbekannte Songs sang - mit einer Stimme, die der von Elvis zum Verwechseln ähnlich war.

"Orion" gab sogar Konzerte - auf denen er allerdings stets nur mit Maske auftrat. Erst in der Silvesternacht 1981 riss er sich bei einem Auftritt die Maske vom Gesicht. Orion wollte fortan nicht mehr Orion sein, und auch nicht Elvis, sondern wieder er selbst: Jimmy Ellis aus Alabama.

Und sogar in der römischen Antike gab es schon einen Fall von wiederholten Erscheinungen eines verstorbenen "Stars". Bis zu 20 Jahre nach dem Tod des Kaisers Nero tauchte dieser noch an unterschiedlichen Ecken des Imperiums auf.

Die Geschichtsschreiber Sueton (70 - 130/140 n. Chr.) und Cassius Dio (163 - 229 n. Chr.) berichten, dass zur Regierungszeit des Kaisers Titus ein Mann bei den Parthern erschien und sich als Nero ausgab. Seinen neuen Freunden versprach er das Reich Armenien, wenn diese ihm helfen würden, den Thron zurückzuerobern. Doch die Scharade flog auf. Der Fremde hieß in Wahrheit Terentius Maximus und die Parther machten ihn schnell einen Kopf kürzer.

Auch Tacitus (58 - 116 n. Chr.) berichtet in seinen Historien von einer Nero-Sichtung, und zwar auf der Insel Kythnus. Dem setzte der neue Kaiser Galba allerdings schnell ein Ende. Bemerkenswert aber, so Tacitus, sei die Ähnlichkeit des Betrügers in Augen, Haar und wildem Gesichtsausdruck mit dem "echten" Nero gewesen.

Und Michael Jackson? Nun, er ist eh unsterblich. Dubiose Zeugen zur Verewigung seines Mythos hat er nicht nötig.

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