"James Bond"-Komponist John Barry gestorben

Er gewann fünf Oscars und vier Grammys - doch vor allem das Arrangement des "James Bond"-Themas und seine Soundtracks zu elf Filmen der Agentenfilmreihe machten John Barry zu einem der größten Filmmusik-Komponisten aller Zeiten. Im Alter von 77 Jahren ist Barry nun in New York gestorben.

John Barry im Jahre 1967: "Ohne ihn wäre James Bond weit weniger cool gewesen"
Getty Images

John Barry im Jahre 1967: "Ohne ihn wäre James Bond weit weniger cool gewesen"


London/Hamburg - Als Tom Jones 1965 den Titelsong zum James-Bond-Film "Feuerball" einsingen sollte, fragte er den Komponisten John Barry: "Worum zum Teufel geht es in dem Lied?" Barry antwortete dem walisischen Sänger: "Tom, frag nicht. Mach es wie Shirley, geh ins Studio, sing wie der Teufel und geh." So erzählte es John Barry einmal dem amerikanischen Radiosender NPR.

Mit Shirley war selbstverständlich Shirley Bassey gemeint, die John Barrys wohl berühmtesten James-Bond-Song "Goldfinger" mit großer Emphase sang, ohne sich größere Gedanken zu machen - ganz nach Barrys Geschmack. Denn schließlich war dessen Erfolgsrezept, wie er der amerikanischen Zeitschrift "Vanity Fair" einmal erzählte: "Wenn es passt, sagt man: 'Oh, Jesus, das ist es!' Und wenn jemand um Erklärungen bittet, sage ich: 'Es funktioniert, oder? Darum geht es doch'."

1933 als John Barry Prendergast im englischen York geboren, lernte der zukünftige Soundtrack-Komponist schon als Kind, wie Filme funktionieren. Barrys Vater besaß eine Kinokette, und jeden Samstagnachmittag sah der kleine John Filme und machte sich Notizen über die Szenen, die ihn zum Lachen oder zum Weinen brachten. Der Einfluss der Musik dabei entging ihm nicht.

1959 komponierte er erstmals Filmmusik für ein Karrierevehikel des britischen Rock'n'Roll-Stars Adam Faith namens "Beat Girl". Drei Jahre später baten ihn die Produzenten einer neuen Agentenfilmreihe um ein neues Arrangement für das Titelthema, das der Songwriter Monty Norman geschrieben hatte. John Barry erfand den Kontrast zwischen der lässigen Gitarrenmelodie und den dramatischen Bläsersätzen, der das "James Bond Theme" prägt und es zu einer immer wieder zitierten Filmmelodie macht - eine der wohl berühmtesten der Kinogeschichte.

Dass er sie nicht selbst komponiert hatte, wurmte Barry noch lange. "Irgendwas muss ich richtig damit gemacht haben, sonst hätten sie mich nicht für all die weiteren Filme engagiert", war seine Standardantwort auf Fragen danach. Tatsächlich arbeitete John Barry an insgesamt elf James-Bond-Soundtracks mit und schrieb dafür unvergessliche Songs wie "Goldfinger", "You Only Live Twice" (gesungen von Nancy Sinatra) oder "We Have All The Time In The World" aus "Im Geheimdienst Ihrer Majestät", das Louis Armstrong sang.

Barrys letzter Bond-Beitrag war 1987 zu "Der Hauch des Todes", wo er sich über "die Milchbärte von a-ha" erregte, die den Titelsong "The Living Daylights" sangen: "Die waren viel jünger als ich, aber sie hatten keinen Respekt", klagte er später in einem Interview mit der "Welt am Sonntag". Einer seiner Nachfolger als Bond-Komponist, David Arnold, sagte der BBC am Dienstag: "Ich glaube, James Bond wäre weit weniger cool gewesen, wenn ihm John Barry nicht die Hand gehalten hätte."

Kurioserweise gewann John Barry keine seiner angesehensten Auszeichnungen für sein James-Bond-Werk. Oscars gewann er für die beste Filmmusik und den besten Song in "Born Free" (deutscher Titel: "Frei geboren - Die Königin der Wildnis") sowie für die Musik zu "The Lion In Winter" ("Der Löwe im Winter"), "Out Of Africa" ("Jenseits von Afrika") und "Dances With Wolves" ("Der mit dem Wolf tanzt"). Einen seiner insgesamt vier Grammys erhielt Barry für das melancholische Mundharmonika-Thema zu "Midnight Cowboy" ("Asphalt-Cowboy").

In den sechziger Jahren genoss Barry das "Swinging London", wie sein damaliger Freund Michael Caine gegenüber "Vanity Fair" erzählte: Barry sei ein Ladies' Man gewesen und äußerst stilbewusst, aber nicht allzu auffallend gekleidet: "Wenn man schreiben konnte wie er, brauchte man keinen roten Anzug." 1980 ließ sich John Barry mit seiner vierten Ehefrau Laurie in Long Island nieder (seine zweite Ehefrau war Jane Birkin). Er starb am Montag in New York, wie seine Familie über die Bond-Produktionsfirma EON Productions mitteilte. John Barry hinterlässt vier Kinder und fünf Enkelkinder.

feb/Reuters/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.