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Jan Delay und Heino: Styler gegen Styler

Foto: Axel Heimken/ dpa

Jan Delays Weltsicht Hammerhart

Heino, ein Nazi? Der Volksmusiker ist nicht der Erste, über den Jan Delay herzieht. Auch Westernhagen, Campino oder Smudo bekamen ihr Fett ab. Joschka Fischer erst recht. Nachsicht übt der HipHopper mit den Kämpfern der RAF.

"Alle sagten plötzlich: Ist doch lustig, ist doch Heino. Nee, das ist ein Nazi", diese Bemerkung, die der Hamburger Rapper und Popstar Jan Delay in einem Interview mit der österreichischen Zeitung "Die Presse" machte, wird nun Anwälte und Gerichte beschäftigen. Anlass war Heinos erfolgreiches Album mit Coverversionen deutscher Indierock-Klassiker, unter anderem von Delays ehemaliger Band Absolute Beginner. Mal ganz abgesehen von der Frage, ob Delay mit seiner Aussage recht hat oder nicht, den Nazi-Vergleich macht man in Deutschland nicht, das gehört sich nicht, das löst nachvollziehbare juristische Reflexe aus.

Der heute 38-jährige Delay, bürgerlich Jan Phillip Eißfeldt, der im linken Milieu der Hansestadt groß geworden ist und sich als Anarchist versteht, haut ganz gerne mal einen raus, so wie es im HipHop- und Rap-Genre eben üblich ist. Da wird "gedisst" und beleidigt, um sich selbst möglichst profilscharf zu geben. Seinen Kollegen Westernhagen beschrieb er 2007 in einem Interview mit der Zeitschrift "Galore" als Heuchler. Jeder würde zugeben, dass es Leute in ihrem Publikum gebe, die ihnen unangenehm seien, nur nicht der Rocker, "der lügt sowieso, wenn er das Maul aufmacht". Ganz wichtig war es Delay damals, nicht so zu werden wie Campino oder Smudo, die es nötig hätten, in jede Talkshow zu gehen.

Für den seitdem zum erfolgreichen Popstar mutierten Rapper ist alles eine Frage des Stils: "Wenn ich zum Beispiel morgens vor die Tür gehe und einen Fleck auf dem Schuh habe, dann fühle ich mich schon scheiße", sagte er "Galore".

Den Grünen Jürgen Trittin lobte er 2006 im Interview mit dem SPIEGEL für sein Rückgrat in der Dosenpfand-Debatte: "ein ganz großer Styler". Joschka Fischer indes, sagte Delay 2001 der Zeitung "Die Woche" im Zusammenhang mit der angeblichen Steineschmeißer-Vergangenheit des Grünen-Chefs, sei "einer von denen gewesen, die immer nur geredet, aber nie etwas getan haben".

Andreas Baader trug "gute Klamotten"

Im Gegensatz zur RAF, die Delay einst in seinem Song "Söhne Stammheims" glorifizierte und sich daraufhin in Interviews, auf die Opfer der Terroristen angesprochen, um Kopf und Kragen redete, zum Beispiel 2007 in der "taz": "Damals gab es Menschen, die haben tausendmal mehr Haltung an den Tag gelegt als heute irgendjemand. Das fand ich einfach krass und bewundernswert." Und außerdem reime sich Benzin so schön auf Ensslin, und Andreas Baader hätte "gute Klamotten" getragen. Wenn man, so Delay, "einen Dreiminutensong schreibt, kann man nicht differenziert über ein Thema reden. Da machst du dir eher Gedanken über Entertainment und gute Reime, um den Grundgedanken rüberzubringen".

Nichts anderes tut Heino selbstverständlich auch, und zwar mit einem konsequenten Style, den der stets mit dunklen Augengläsern auftretende Delay eigentlich bewundern und respektieren müsste: blonder Beton-Schopf und schwarze Sonnenbrille, puristisch seit mehr als 50 Jahren. Ebenso lange pflegt der ins Schwarzbraune vernarrte 75-Jährige seine Haltung, die er wahrscheinlich, wie unlängst seine Fitness, als "hart wie Kruppstahl" bezeichnen würde.

"Es ist schrecklich, wenn so jemand einen Song von dir singt", sagte Delay der "Presse" über Heinos "Liebes Lied"-Cover. Mit seinen umstrittenen Rock-Interpretationen gelangte der Schlagerstar im vergangenen Jahr auf Platz eins der Charts. Und was macht der HipHopper Jan Delay gerade? Brüstet sich damit, jetzt Rock super zu finden, zitiert auf seinem neuen Album Led Zeppelin, Blur und Lenny Kravitz (die noch keiner gefragt hat, wie sie das finden, denen das aber vermutlich auch sehr egal ist) - und landete damit diese Woche auf dem Spitzenplatz der Charts. Wie Heino erfindet sich Delay also mit dem frech annoncierten Ausflug in ein fremdes Genre erfolgreich neu. Wer ist denn nun eigentlich der größere "Styler" (höchste Lobesbezeichnung in Delay-Lingo) von beiden?

Schade, dass Heino kein HipHopper ist, dann würde er statt zu klagen verbal zurückschlagen. Es wäre ein sicher sehr spannender Battle zweier sehr deutscher Entertainer.

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