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Woody Allen: Jazz muss es sein!

Foto: Elke Selzle/ Getty Images

Jazz-Fan Woody Allen Da steppt der Neurotiker

Saufen mit Hemingway, Partys mit F. Scott Fitzgerald - und dann ist da noch eine bezaubernde Picasso-Muse: Woody Allens neuer Film "Midnight in Paris" spielt zum Teil in den Zwanzigern, selbstverständlich läuft Jazz. Nun widmet sich eine CD der Lieblingsmusik des Regisseurs.

Jazzfreunde werden das wie eine Schalmei klingende Sopransaxofon sofort erkennen, selbst wenn hinter ihnen jemand mit Popcorn raschelt: Das muss Sidney Bechet sein, der schwarze Musiker aus New Orleans. Bechet, der in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts in Europa seine verdiente Anerkennung fand und in Paris lebte, ist im neuen Woody-Allen-Film "Midnight in Paris" zu hören. Akustisch dabei ist auch eine Afroamerikanerin, die sich ebenfalls in Frankreich niedergelassen hatte: Josephine Baker singt, begleitet von einem Salonorchester, "La Conga Blicoti".

Die Musik passt wunderbar zu der Filmstory: Ein amerikanischer Tourist in Paris wird nachts per Zeitmaschine in die zwanziger und dreißiger Jahre zurückversetzt und trifft seine Idole - Ernest Hemingway, Pablo Picasso und andere, die damals an der Seine ihr Glück suchten. Paris war immer eine Stadt der Sehnsucht!

Rechtzeitig zum neuen Film ist ein Album mit Musik erschienen, die Woody Allen in 20 seiner Filme von "Manhattan" (1979) bis eben "Midnight in Paris" (2011) einsetzte. Es sind Aufnahmen von Benny Goodman, Django Reinhardt, Errol Garner, Billie Holiday, Duke Ellington, Stan Getz und vielen anderen.

Der Regisseur Allen ist seit Kindertagen ein begeisterter Jazzfan. Er lernte als Elfjähriger Saxofon, stieg aber bald auf die Klarinette um, die er bis heute in seiner Freizeit spielt. Weil der inzwischen 76-Jährige stets mit traditionellen Bands musiziert, halten ihn die meisten für einen Old-Time-Fan. Doch Allen betont, auch Thelonius Monk und John Coltrane zu verehren. "Wenn ich mehr Talent hätte", hat er mehrfach erklärt, "wäre ich wahrscheinlich Musiker geworden und nicht Regisseur."

Respekt nur vor Django

Allen, der betont, dass er alle Stile mag, weiß, dass er mit seiner besonderen Vorliebe für die archaischen Klänge aus der Geburtsstadt des Jazz einer skurrilen Minderheit angehört: "Jazzfreunde, die den New-Orleans-Sound lieben, sind im Grunde das Gleiche wie Klassikfans, die auf gregorianische Choräle stehen", hat er mal in einem Interview mit der "Sächsischen Zeitung" gesagt. Für die Klang-Untermalung seiner Filme findet er diesen Stil aber nicht geeignet. "Der New-Orleans-Sound ist zu aufdringlich, er würde nur ablenken." Besser ins Kino passten modernere Klänge, zum Beispiel Swing, meint Allen. Diesem lassen sich denn auch die meisten der 36 Titel auf dem neuen Album zuordnen.

Um Swing geht es auch in Allens Film "Sweet and Lowdown" von 1999. Protagonist ist ein Gitarrist, der säuft und seine Mitmenschen schamlos ausnutzt. Respekt hat er offenbar nur vor Django Reinhardt. Tatsächlich spielt der Rüpel sein Instrument fast so gut wie sein Idol, das er angeblich gut kennt. Doch als ihm jemand bei einem Gig mitteilt, Reinhardt sitze im Publikum, flüchtet der Hochstapler in Panik von der Bühne. Sean Penn verkörpert wunderbar den Macho-Musiker; der Jazz-Gitarrist Howard Alden spielt Stücke, die der Swing-Pianist Dick Hyman für den Film komponiert hat. Eingebettet in die tragisch-komische Story sind Interviews mit Zeitzeugen aus der Swing-Ära.

Als Originalmusik aus jener Zeit verwendete Allen in "Sweet and Lowdown" Aufnahmen des Trompeters Bunny Berigan. Ein Titel - "Caravan" - findet sich auf der Doppel-CD mit den Filmmusiken.

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