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Jazz-Star: Lena Horne ist tot

Foto: GARTH VAUGHAN/ ASSOCIATED PRESS

Jazz-Star Schwarze Hollywood-Pionierin Lena Horne gestorben

Ihre Hautfarbe verhinderte Lena Hornes große Hollywood-Karriere. Als Jazz-Sängerin und Aktivistin hingegen erlangte sie Ruhm, Tony- und Grammy-Award. Jetzt ist die Amerikanerin im Alter von 92 Jahren gestorben.

Los Angeles/New York - Wäre sie nicht 1917, sondern einige Jahrzehnte später zur Welt gekommen, hätte es Lena Horne in Hollywood schnell weitergebracht. Die dunkle Schönheit mit der ausdrucksvollen Stimme, die in den vierziger Jahren als einer der ersten schwarzer Stars von einem großen Hollywoodstudio einen langfristigen Vertrag bekam, schrieb damit zwar Filmgeschichte. Doch ihre Hautfarbe bremste einen steilen Aufstieg, wie er weißen Stars wie Ava Gardner, Rita Hayworth und Ginger Rogers beschert war. Horne starb am Sonntagabend im Alter von 92 Jahren in einem New Yorker Krankenhaus, wie die "New York Times" unter Berufung auf ihren Schwiegersohn Kevin Buckley berichtet.

Bereits mit 16 Jahren stand die gebürtige New Yorkerin im Cotton Club in Harlem auf der Bühne, wo schwarze Sänger damals noch vor einem rein weißen Publikum auftraten. In Hollywood wurde sie durch ihr Engagement bei MGM zur Pionierin. Anfang der Vierziger spielte sie in Musicals wie "Cabin in the Sky" oder "Stormy Weather" mit. Doch als MGM das Südstaaten-Musical "Show Boat" 1951 groß auf die Leinwand brachte, bekam die Hauptrolle nicht Horne, sondern Ava Gardner, die die Lieder nicht einmal selber singen konnte.

In ihren Filmen erhielt Horne sorgfältig konstruierte Rollen: Sie blickte sehnsuchtsvoll und sang, hatte aber wenig Kommunikation mit den anderen Darstellern. Für die Vorführungen im amerikanischen Süden wurden ihre Auftritte aus den Kopien herausgeschnitten. Der große Hollywood-Erfolg mit tragenden Rollen blieb aus. "Sie glaubten, dass das Publikum einfach noch nicht bereit war", sagte Horne 2005 der US-Zeitschrift "People" über die Unwilligkeit der Studios, wichtige Rollen mit Schwarzen zu besetzen. "Sie wussten nicht, was sie mit mir tun sollten. Also taten sie nichts." Sie habe Hollywood in den fünfziger Jahren "bitter" verlassen, gestand Horne.

Größerer Erfolg war ihr auf der Bühne beschieden: Bis in die neunziger Jahre hinein nahm sie Alben auf, gewann 1996 sogar mit "An Evening with Lena Horne" einen Grammy als beste Jazz-Sängerin. Für ihre One-Woman Show "Lena Horne: The Lady and Her Music", mit der sie erst am Broadway und dann in vielen Ländern der Welt auftrat, gab es einen Tony-Award.

Beeinflusst von ihren frustrierenden Erfahrungen in Hollywood und durch ihre Freundschaft mit dem schwarzen Schauspieler und Bürgerrechtsaktivisten Paul Robeson, engagierte sich Lena Horne intensiv gegen Rassismus: Sie gab zusammen mit Harry Belafonte Konzerte für die Bürgerbewegung, forderte in zahllosen Reden die Afroamerikaner zur Beteiligung an Wahlen auf und demonstrierte mit Martin Luther King. In Amerika wurde Horne so zu einer berühmten Vorkämpferin gegen Rassentrennung.

can/dpa/apn
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