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19. Juli 2015, 09:04 Uhr

Jazz-Initiativen

Hilfe zur Selbsthilfe

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11.500 Euro verdienen deutsche Jazzer durchschnittlich im Jahr - eine erschreckende Zahl. Auch aus diesen finanziellen Gründen schließen sich Musiker in Kollektiven zusammen.

Am letzten August-Wochenende können Amateur-Jazzer in Köln an einem Workshop teilnehmen. Weil der öffentlich gefördert wird, müssen die Hobby-Musiker für Zwei-Tages-Kurse bei namhaften Profis nur 60 Euro berappen.

Angeboten wird das Projekt vom Klaeng Kollektiv Köln, einem Freundeskreis von Absolventen der Kölner Musikhochschule wie dem Schlagzeuger Jonas Burgwinkel und dem Trompeter Frederik Köster. Neben Workshops organisiert Klaeng Konzerte, Tourneen und ein Festival; vor allem aber produziert und vertreibt das Kollektiv Tonträger. "Klaeng Records" hat gerade eine CD von Burgwinkel herausgebracht.

Ähnliche Zusammenschlüsse von Jazzmusikern finden sich in vielen Städten auf der ganzen Welt. In Berlin gibt es zudem einen Vertreter der vielleicht wichtigsten US-amerikanischen Musikerinitiative - des Brooklyn Jazz Underground Collective (BJU). Der Name, erzählt Joshua Ginsburg, sei gewählt worden, weil heute Brooklyn das Zentrum für New Yorks Künstler sei; den früheren Brennpunkt Manhattan haben schon lange Banker und Anwälte übernommen.

Der 38-jährige Bassist zog mit seiner Frau und zwei Kindern von Brooklyn nach Berlin-Neukölln. Von hier aus pflegt Ginsburg Verbindungen zur europäischen Szene. Für das Label BJU-Records hat er Promotionpartner in Deutschland, der Schweiz und Österreich gefunden. Derzeit umfasst der Katalog des Brooklyn Jazz Underground annähernd 50 CDs - vom Mainstream-Album "Extension Deadline" des Trompeters Alex Norris (mit dem Saxofonisten Gary Thomas) bis zu den aktuellsten Strömungen des zeitgenössischen Jazz. "Wir wollen ein breites Publikum ansprechen", sagt Ginsburg.

Das wollen auch die Kölner, die zahlreiche Bands bilden, in denen Musiker in unterschiedlichen Formationen zusammenarbeiten. Das Klaeng Kollektiv setzt sich mit Rock und elektronischer Musik genauso auseinander wie mit traditionellen Spielformen des Jazz.

Immer weniger Jazz-Platten werden verkauft

Die Motive für die Gründung der Kollektive sind in den USA und in Deutschland die gleichen: Während einerseits immer weniger Jazz-Platten verkauft werden, bilden andererseits Hochschulen immer mehr Jazzmusiker aus. Statt voll in ihrem Beruf zu arbeiten, muss sich die Mehrheit der hoch qualifizierten Jungjazzer mit Nebenjobs über Wasser halten.

Ihre Lebenslage wurde als "hoch prekär" beschrieben. Zahlen für Deutschland lieferte bislang die Künstlersozialkasse (KSK): 7500 Jazz-, Pop- und Rockmusiker unter den KSK-Mitgliedern haben ein Jahreseinkommen von rund 11.500 Euro und liegen damit "dramatisch unterhalb des Durchschnittseinkommens der Bevölkerung".

Nun läuft eine Studie des Jazzinstituts Darmstadt und der Union Deutscher Jazzmusiker, die auch die Lage der nicht in der Künstlersozialkasse erfassten Musiker beleuchten will. Derzeit werden 1800 Online-Fragebögen ausgewertet, was einen repräsentativen Überblick darstellt, wenn man von 5000 bis 8000 Berufs-Jazzern ausgeht.

Beim finanziellen Überleben helfen auch Musikerinitiativen. So sucht das "JazzHaus Hamburg" Auftrittsmöglichkeiten für Bands unterschiedlichster Stilausrichtungen. Die "JazzInitiative Berlin" drängte die Parteien des Abgeordnetenhauses, auch dieses Genre finanziell zu fördern. Und die "Jazz-Initative Frankfurt" veranstaltete in Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt und der Hessischen Landesregierung ein deutsch-polnisches Jazz Jamboree.

Weil viele der Selbsthilfe-Vereine - wie das Kölner Klaeng Kollektiv - von Studienkollegen gegründet werden und auf das Netzwerk unter Absolventen setzen, vergleicht sie Arndt Weidler vom Jazzinstitut Darmstadt mit Burschenschaften. Das betrifft natürlich nicht ihren Geist, wohl aber die Arbeitsweise der Jazzmusiker-Initiativen.


Workshop: Jazz-Workshop für Laienmusiker, Köln, 29. und 30. 8.; www.klaengkollektiv.de

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