US-Opernlegende Jessye Norman ist tot

Sie galt als eine der größten Sängerinnen ihrer Generation, war Opern-Star, grandiose Lieder-Interpretin und mehrfache Grammy-Gewinnerin: Nun ist Jessye Norman im Alter von 74 Jahren gestorben.

Jessye Norman 2010 beim Montreux Jazz Festival: "Die ganze Frau ein einziger Klangkörper..."
Dominic Favre/ AP

Jessye Norman 2010 beim Montreux Jazz Festival: "Die ganze Frau ein einziger Klangkörper..."


Die amerikanische Opernlegende Jessye Norman ist tot. Die weltweit gefeierte Sopransängerin starb im Alter von 74 Jahren, wie ihre Familie am Montag mitteilte. Norman sei gegen 8 Uhr morgens in einem Krankenhaus in New York gestorben, zitiert die Nachrichtenagentur AP aus dem Schreiben der Familie. Sie sei umgeben von ihren Lieben gewesen.

Auch die Metropolitan Opera New York (Met) bestätigte den Tod der Sängerin. Ursache dafür waren ein septischer Schock und Multiorganversagen infolge von Komplikationen nach einer Rückenmarksverletzung, die sie 2015 erlitten hatte.

In einer Erklärung ihrer beiden Geschwister James Norman und Elaine Sturkey hieß es, sie seien stolz auf die musikalischen Leistungen Jessye Normans. "Wir sind ebenso stolz auf ihr humanitäres Engagement im Kampf gegen Hunger, Obdachlosigkeit, für Ausbildung der Jugend sowie Kunst- und Kulturbildung."

Geboren wurde Norman am 15. September 1945 in Augusta im US-Bundesstaat Georgia. Schon als Vierjährige begann sie, Gospel zu singen. Sie studierte an der für Schwarze gegründeten Howard Universität in Washington, später am Peabody-Konservatorium und an der Universität von Michigan.

Ihr Operndebüt gab Norman 1969 in Berlin. Sie war vor allem als Interpretin von Opern Richard Wagners bekannt. Zu ihrem großen Repertoire gehörten aber auch Werke unter anderem von Francis Poulenc, Leos Janácek, Béla Bartók, Giuseppe Verdi, Richard Strauss oder Arnold Schönberg. Sie galt als eine der weltweit bekanntesten Opernstars, wurde aber auch als Jazz-Interpretin geschätzt.

Im Laufe ihrer Karriere gewann Norman zahlreiche renommierte Preise, darunter die Ehrenmedaille National Medal of Arts und einen Grammy für ihr Lebenswerk. Der SPIEGEL schrieb 1988 über Norman: "Sie tritt in Erscheinung, rauscht herein in einer Brandung aus Samt und (meist handbemalter) Seide und füllt gleich auf den ersten Anblick jeden Saal - die ganze Frau ein einziger Klangkörper von wahrhaft kolossalen Proportionen."

"Eine der großen Sopranistinnen des vergangenen halben Jahrhunderts"

Norman sang bei den Amtseinführungen von zwei US-Präsidenten, bei der Eröffnung der Olympischen Sommerspiele 1996 in Atlanta und bei den Feierlichkeiten zum 200-jährigen Jubiläum der Französischen Revolution 1989. In den vergangenen Jahren trat sie nur noch selten auf.

Die Met, an der sie in rund 80 Aufführungen mitwirkte, teilte mit, man trauere um Norman, "eine der großen Sopranistinnen des vergangenen halben Jahrhunderts". Generaldirektor Peter Gelb sagte: "Jessye Norman war eine der größten Künstlerinnen, die je auf unserer Bühne gesungen haben." Ihr Vermächtnis werde für immer weiterleben. Norman habe das Publikum mit ihrem schönen Ton, ihrer außergewöhnlichen Kraft und ihrem musikalischen Feingefühl begeistert.

aar/AFP/dpa



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