Mit 88 Jahren Bossa-Nova-Legende João Gilberto ist tot

Er war einer der einflussreichsten Vertreter lateinamerikanischer Musik. "The Girl from Ipanema" - komponiert von Antônio Carlos Jobim und interpretiert von seiner früheren Ehefrau Astrud - wurde zum Welthit. Jetzt ist der Gitarrist João Gilberto gestorben.

João Gilberto
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João Gilberto


Die brasilianische Bossa-Nova-Legende João Gilberto ist gestorben. Dies teilte sein in den USA lebender Sohn João Marcelo Gilberto bei Facebook mit. "Mein Vater ist gestorben. Sein Kampf war edel. Er hat versucht, seine Würde zu bewahren, während er seine Eigenständigkeit immer weiter verlor", schrieb der Sohn des berühmten Gitarristen.

Nach Angaben des Nachrichtenportals G1 starb Gilberto am Samstag im Alter von 88 Jahren in seinem Haus in Rio de Janeiro. Der Musiker galt als einer der Väter des Bossa Nova. Zuletzt soll er vereinsamt und hoch verschuldet gewesen sein.

Der 1931 geborene Gilberto musizierte unter anderem mit dem Saxofonisten Stan Getz und dem Sänger und Komponisten Antônio Carlos Jobim. Mit den beiden nahm er mehrere Alben auf - eines der gemeinsamen Stücke ist das weltberühmte "The Girl from Ipanema", bei dem seine damalige Frau Astrud Gilberto sang.

"João Gilberto ist von uns gegangen, das größte Genie der brasilianischen Musik", schrieb die Sängerin Gal Costa auf Instagram. "Er wird sehr vermisst werden. Sein Erbe hat eine große Bedeutung für Brasilien und die Welt."

Gilberto brach mit 16 Jahren die Schule ab und zog nach Salvador, um Musik zu machen. Später ging er nach Rio de Janeiro und schloss sich dort der Gruppe Garotos da Lua an. Zwar nahm er bereits damals einige Singles auf, allerdings war er als Musiker größtenteils erfolglos, bis er den typischen Rhythmus des Bossa Nova erfand. Bei der "Neuen Welle" der brasilianischen Musik handelte es sich um eine moderne Mischung von Samba und Jazz. Für die Arrangements seiner Lieder arbeitete er auch immer wieder mit dem deutsch-amerikanischen Komponisten Claus Ogerman zusammen.

Als erster großer Bossa-Nova-Hit gilt "Chega de Saudade", das von Antônio Carlos Jobim und Vinícius de Moraes geschrieben und von Gilberto interpretiert wurde. Mit seiner Album-Trilogie "Chega de saudade" (1959), "O amor, o Sorriso e a Flor" (1960) und "João Gilberto" (1961) machte er den Bossa Nova auch außerhalb von Brasilien populär.

"Das Mädchen aus Ipanema" beispielsweise wurde zunächst von Gilbertos Frau Astrud auf Portugiesisch eingesungen, später aber ins Englische übersetzt und von zahlreichen Künstlern interpretiert, darunter von Frank Sinatra. Für sein Werk wurde Gilberto mit zwei Grammy-Awards ausgezeichnet, sechsmal war er nominiert.

"Das ist ein monumentaler Verlust, nicht nur für den Bossa Nova, sondern für die gesamte brasilianische Musik", sagte der Journalist und Bossa-Nova-Experte Ruy Castro im Fernsehsender Globo TV. Der Sänger Caetano Veloso sagte: "Für mich war João Gilberto der größte Künstler überhaupt."

Lesen Sie hiereinen Text des Brasilien-Korrespondenten des SPIEGEL, Jens Glüsing, der bei einem seiner letzten Solokonzerte vor elf Jahren dabei war.

jat/tin/dpa/AFP/AP



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