Offizielle Playlist zur Vereidigung Biden und Harris machen Hip-Hop zum Soundtrack ihrer Amtszeit

Das Team um Joe Biden und Kamala Harris greift eine Idee der Obamas auf: die präsidiale Playlist. Die Songauswahl soll für Zusammenhalt werben – und gute Laune verbreiten.
Künstlerin Mary J. Blige vor dem Lincoln Memorial in Washington 2009: Auftritt bei Obamas erster Amtseinführungszeremonie

Künstlerin Mary J. Blige vor dem Lincoln Memorial in Washington 2009: Auftritt bei Obamas erster Amtseinführungszeremonie

Foto: Sacramento Bee / Tribune News Service / Getty Images

Keine Zuschauer, keine Paraden, keine offiziellen Bälle: Wenig wird an diesem Mittwoch in Washington an eine normale Amtseinführung eines US-Präsidenten erinnern. Und das liegt nicht nur daran, dass erstmals eine Vizepräsidentin vereidigt wird: Kamala Harris.

Die Pandemie hat Massenveranstaltungen wie diese verändert. Es werden kaum Gäste bei der Vereidigung von Joe Biden sein – und schon gar kein großes Publikum. Zudem gelten nach dem Sturm auf das US-Kapitol durch Anhänger des abgewählten Präsidenten Donald Trump verschärfte Sicherheitsvorkehrungen. Trump weigert sich zudem, der Veranstaltung als Zeichen einer friedlichen Übergabe beizuwohnen.

Und doch – oder gerade deswegen – scheint das Team von Biden und Harris fest entschlossen, aus der Vereidigung eine mehrtägige Party zu machen. Und zwar mit ganz viel Pop statt Pathos. So werde Lady Gaga die US-Nationalhymne »Star Spangled Banner« singen. Das teilte das für die Zeremonie zuständige Komitee mit. Auch Jennifer Lopez werde demnach auftreten.

Offenbar wollen sich sogar die New Radicals 22 Jahre nach ihrem letzten Auftritt virtuell zusammenfinden, um »You Get What You Give« zu performen, zu dem das Siegerduo der Demokraten laut Musikmagazin »Rolling Stone«  eine besondere Geschichte zu haben scheint: Harris' Ehemann Doug Emhoff nutzte den Song bei seinen Wahlauftritten, Biden hingegen erinnere er an seinen verstorbenen Sohn Beau.

Nach der Vereidigung folgt eine stargespickte TV-Sondersendung mit dem Namen »Celebrating America«. Moderiert von Schauspieler Tom Hanks sind Auftritte von Demi Lovato, Jon Bon Jovi, John Legend und Justin Timberlake geplant. »Das Programm wird die Stärke unserer Demokratie hervorheben ebenso wie unsere Fähigkeit, in schwierigen Zeiten zusammenzukommen und stärker denn je aus ihnen hervorzugehen«, hieß es in der Ankündigung. Schon am Samstag und Sonntag wurde der Countdown zur Amtseinführung mit Auftritten von Ben Harper, Barbra Streisand, Will.i.am und Fall Out Boy eingeläutet. Am heutigen Martin Luther King Day dreht sich alles um den berühmten Bürgerrechtler.

Für die Momente zwischen den Partys wurde am Wochenende die »Biden+Harris 2021 Inauguration Playlist« veröffentlicht. Die übergeordnete Botschaft ist klar: Die 46 Songs stehen für die Diversität der Nation und für die heilende Kraft der Musik.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Natürlich sind Rockmusiker wie Bruce Springsteen, Steely Dan und Led Zeppelin dabei. Bestimmt aber wird die Liste von Funk, Soul (sogar Reggae) – und von Hip-Hop: Beyoncé, Jill Scott und Mary J. Blige, A Tribe Called Quest, Kendrick Lamar, N.E.R.D und der unlängst verstorbene  MF DOOM sind darauf zu finden. Auch der Neunziger-Hit »Whatta Man« von Salt'n'Pepa und En Vogue ist dabei. (Wie schön wäre es, wenn Barack und Michelle Obama als Erfinder der präsidialen Playlist im Refrain aus dem Hintergrund einstimmten: »Yes he is«).

Nun muss man wissen, dass sich Biden und Harris wohl nicht selbst hingesetzt und ihre Plattensammlungen durchgesehen haben. Das haben andere für sie getan, in diesem Fall der Rapper und DJ D-Nice  und die nach eigenen Angaben  aufs Geschichtenerzählen durch Musik spezialisierte Firma The Raedio. Aber die Intention ist eindeutig.

Wie der Sport hat sich auch die Kultur in besonderem Maße mit der Black-Lives-Matter-Bewegung auseinandergesetzt. Es sind jene Bereiche der US-Gesellschaft, die People of Color in der Regel die größten Bühnen bieten, um auf strukturellen Rassismus und soziale Ungleichheit aufmerksam zu machen. Und so haben sich auch Protagonisten aus dem Hip-Hop gemeldet. Nicht erst, aber besonders laut im vergangenen Jahr. In Reimen wie auf Rallys. Killer Mike, Rapper von Run The Jewels und offensiver Bernie-Sanders-Wahlkämpfer, ist wohl das bekannteste Beispiel.

Dass nun auch das Team um Biden und Harris auf Hip-Hop setzt, ist daher naheliegend. Tatsächlich warben die Demokraten vor der Wahl bereits mit einem Battlerap-Video von Charlie Clips und DNA  um Stimmen der afroamerikanischen Gemeinschaft. Nun, da die Wahl gewonnen ist, soll diese Playlist zeigen: Euer Kampf bleibt unser Kampf. Biden und Harris haben den Hip-Hop zum Soundtrack ihrer Amtszeit gemacht.

sak
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.
Merkliste
Speichern Sie Ihre Lieblingsartikel in der persönlichen Merkliste, um sie später zu lesen und einfach wiederzufinden.
Jetzt anmelden
Sie haben noch kein SPIEGEL-Konto? Jetzt registrieren