John-Lennon-Forschung FBI erlaubt Zugang zu Geheimdokumenten

Echte Bedrohung oder bürokratische Farce? 25 Jahre lang hielt das FBI angeblich hochbrisante Überwachungs-Dokumente über John Lennon geheim. Begründung: Deren Inhalt könnte diplomatische und militärische Krisen auslösen. Jetzt durfte ein Lennon-Biograph die Papiere sichten – und ist enttäuscht.

Los Angeles - Die Begründungen für die 25-jährige Geheimhaltung der Lennon-Files lasen sich, als ginge es mindestens um die Weltverschwörung der Hippies. Eine Herausgabe der Dokumente könne die nationale Sicherheit gefährden und zu einem militärischen Vergeltungsschlag gegen die Vereinigten Staaten sowie zu diplomatischen und ökonomischen Krisen führen, hieß es beim FBI.

Gestern machte der Geheimdienst die letzten zehn unveröffentlichten Dokumente publik, die Ergebnisse der Überwachung von Ex-Beatle John Lennon beinhalten. Doch Musikforscher und Lennon-Biograph Jon Wiener von der University of California in Los Angeles, der 25 Jahre um die Freigabe kämpfte, ist enttäuscht: Die Papiere, die jetzt im Internet zugänglich sind,  enthalten wenig brisante Information.

Zwar gibt es neue Details über Lennons Beziehungen zu Linken und Antikriegsgruppen in London Anfang der siebziger Jahre. Nichts jedoch deute darauf hin, dass Lennon als Gefahr betrachtet worden sei, sagte Wiener der Online-Ausgabe der "Los Angeles Times".

Zu den neuen Dokumenten gehört ein Überwachungsbericht, wonach damals zwei prominente britische Linke auf Lennon zugegangen sind, damit er einen linken Buchladen und Leseraum finanziere, was Lennon allerdings nicht tat. "Ich bezweifele, dass die Regierung von Tony Blair wegen der Veröffentlichung dieser Dokumente einen militärischen Vergeltungsschlag gegen die USA führt", sagte Wiener. "Heute sehen wir, dass die Sicherheitsargumente, die das FBI 25 Jahre vorbrachte, von Anfang an absurd waren."

Wiener beantragte die Unterlagen erstmals 1981, als er mit der Recherche für sein Buch "Gimme some Truth: the John Lennon FBI Files" begann. Einige Dokumente erhielt er schon damals, andere wurden unter Hinweis auf die mögliche Gefährdung der nationalen Sicherheit zurückgehalten. 2004 entschied ein Bundesgericht, das auch die letzten Seiten freigegeben werden müssen.

sto/ap

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