Renovierte Lennon-Songs Unendlich lässig

John Lennons Werke haben ein langes Haltbarkeitsdatum. Dass sie die Jahrzehnte äußerst gut überstanden haben, belegen eine neue Vinyl-Box und ein Jazz-Album mit Coverversionen.

Universal Music

John Lennon oder Paul McCartney? Ringo Starr oder George Harrison? Welcher von ihnen war der Erfolgreichste?

Ringo Starr schon mal nicht, er war schon zu Zeiten der Beatles keine zentrale Figur der Band. Allerdings punktete er nach dem Ende der Fabulous Four überraschend als Solokünstler. Eine Best-of-Zusammenstellung aus seinen ersten Platten ist ein großes Vergnügen, was Songs wie "Back off Boogaloo", "It Don't Come Easy" oder "Photograph" unterstreichen.

George Harrison konnte mit Lennon und McCartney ebenfalls nicht ganz mithalten, war aber auch ein toller Songwriter. Immerhin steht sein "Something" auf Platz 2 der am häufigsten nachgespielten Beatles-Songs. Auch sein Soloalbum "All Things Must Pass" war großartig, obwohl er sich für den Hit "My Sweet Lord" wohl fremdinspirieren ließ und nach einem langen Gerichtsprozess kräftig zahlen musste.

McCartney war immer der Ambitionierteste, auch als Solist. Leider waren die Wings nie so gut, wie er dachte, und auf tolle Songs wie "Maybe I'm Amazed" kamen zuverlässig nicht so tolle, wenn auch erfolgreiche Nummern wie "Ebony and Ivory".

Besseres Altern am Beispiel Lennon

Lennon ging seine Solowerke deutlich lässiger an. Neben herausforderndem Kunst-Klimbim mit Yoko Ono schrieb er Hits wie "Imagine". Seine Songs haben ein sehr langes Haltbarkeitsdatum, das beweist auch eine neue Box, die seine Solowerke auf Vinyl und frisch renoviert versammelt.

Eine Wiederentdeckung wert ist zum Beispiel das etwas rumpelige "Rock 'n' Roll"-Album, auf dem Lennon sich unter Regie des größenwahnsinnigen Produzenten Phil Spector über Klassiker wie "Stand by Me" und "Peggy Sue" hermachte. Auch "Double Fantasy", sein letztes zu Lebzeiten veröffentlichtes und anfangs verhöhntes Album mit Gattin Ono, ist erstaunlich gut gealtert.

Wer die ganzen alten Originale von Lennon nicht mehr hören kann, aber die Songs schätzt, freut sich über Coverversionen. Wobei meistens jene zu vernachlässigen sind, die sich sklavisch an die Vorlagen halten; da ist man mit Lennon selbst eben doch besser bedient. Eine erfreuliche Ausnahme bietet nun der finnische Jazz-Pianist Iiro Rantala. Auf seinem Album "My Working Class Hero" gelingen ihm frische Versionen von einem Dutzend Lennon-Songs. Inspiriert habe ihn die "Ehrlichkeit" der Songs, so der Finne selbst.

Sein Album ist einerseits ein Vergnügen, weil er nicht nur auf Gassenhauer wie "Imagine" oder "Working Class Hero" setzt, sondern auch weniger naheliegende Nummern wie "Oh My Love" oder "Just Because" im Programm hat. Vor allem funktioniert seine Interpretation aber, weil Rantala den vertrauten Songs einen neuen Rahmen gibt. Lässig dehnt er die Melodien, verspielt wirbelt er mit den Akkorden, aber findet dann doch immer zu Lennons Vorlage zurück.

Als nächstes sollte Rantala ein McCartney-Album einspielen.

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insgesamt 12 Beiträge
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Rockaxe 31.07.2015
1. Nein, nein
und nochmals nein Herr Dallach. Was Sie schreiben und versuchen als Fakt darzustellen ist unter dem Strich nichts anderes als Ihre persönliche Meinung - die ich Ihnen auch nicht streitig machen will. Aber Aussagen wie ",,,Leider waren die Wings nie so gut, wie er dachte, und auf tolle Songs wie "Maybe I'm Amazed" kamen zuverlässig nicht so tolle, wenn auch erfolgreiche Nummern wie "Ebony and Ivory"...." zeugen einfach nicht von dem nötigen Hintergrundwissen. Paul McCartney als Solist - eine Sache, Paul McCartney & Wings -aka nur Wings- eine andere Sache. Aber z. B. ist der obige Vergleich in soweit "neben der Spur" da Maybe I'm Amazed" sowie "Ebony And Ivory" (welches in meinen Ohren grausam klingt) da beide Songs auf Platten erschienen sind, die als Solowerke von Paul McCartney auf den Markt kamen. Maybe I'm Amazed auf McCartney von 1970 und Ebony and Ivory auf Tug Of War von 1981. Nix mit Wings, aber wenn Sie sich mal die Mühe machen und die Chartplatzierungen der Songs anschauen die unter dem Bandnamen Wings erschienen werden Sie merken, dass auch dort Perlen vorhanden sind. Vor allem bis zur LP "at the Speed of Sound". Dass John Lennon ebenfalls ein guter Songschreiber war ist bestimmt nicht strittig, nur eben auf einer anderen Schiene als die anderen der ehemaligen Beatles. Lennon war gut - keine Frage - aber er wird oft verklärt auf Grund seines Sarkasmus.
meier_03 31.07.2015
2. Und nochmal nein
Kann "Rockaxe" da nur zustimmen. Die Frage, wer von den beiden Ausnahmetalenten schlußendlich erfolgreicher war/ist, ist sowas von theoretisch und überflüssig. Das ist so eine Fragestellung von Statistikern, die Musik verwalten, statt sie zu hören. Für mich persönlich ist die Platte "Band On The Run", mit Abstand die beste, je von einem Ex-Beatle aufgenommenen wurde. Wenn McCartney die Wings wirklich so toll fand, wie Herr Dallach behauptet zu wissen, dann vollkommen zurecht.
alpenradler 31.07.2015
3.
Am Besten sind - m.M.n. - immer noch die Lieder der Beatles, weil sich die beiden Genies Lennon und McCartney ergänzt haben. Selbst wenn manche Stücke auch zu Beatles-Zeiten hauptsächlich nur von einem der Beiden geschrieben wurden, so hat die Anwesenheit des anderen dafür gesorgt, dass Lennon zB nicht ins total Verrückte und McCartney nicht ins Seichte abgedriftet ist. Trotzdem sind für mich die Beatleslieder, die auf Lennon zurückgehen, die besseren. Denn Lennon legt immer seinen ganzen Herz- und Seelenschmerz hinein - Girl, In my Life, Nowhere Man, Norwegian Wood zB. Da kommt McCartney nicht ganz ran, obwohl er der bessere Musiker war.
ichwillmeinennamenwieder 31.07.2015
4. Sie sind und waren die Größsten
Zitat von alpenradler Da kommt McCartney nicht ganz ran, obwohl er der bessere Musiker war. Zum Glück nicht war, sondern noch ist und ich möchte gar nicht dran denken, wenn er mal nicht mehr ist. Ich werde lange weinen. Die Musik der Beatles steht über den Dingen und erst bei der Betrachtung der Einzelwerke von Lennon und McCartney merkt man, dass es doch tatsächlich Menschen sind. Beide sind so überordentlich herausragend auf ihre Art und haben dermaßen Großes geschaffen, da ist es wirklich vollkommen egal, wer erfolgreicher ist/war. Man kann von beiden nicht genug bekommen.
smoothgroove 31.07.2015
5. Von Lennon UND McCartney ...
... ist für mich der größte Song der Beatles komponiert: A day in the life. Meines Wissens nach haben die beiden nach der Sgt. Pepper's Schlussnummer keinen Beatlessong mehr zusammen komponiert.
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