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John Lennons letztes Interview: "Ich will kein toter Held sein"

Foto: AP/Rolling Stone

John Lennons letztes Interview "Es ist noch viel Zeit, oder?"

Er war tatendurstig, gut gelaunt und sprach von einer "Wiedergeburt" als Rocker: Drei Tage vor seinem Tod gab John Lennon dem "Rolling Stone" sein letztes Print-Interview. Das US-Magazin hat die Bänder wiederentdeckt - und veröffentlicht jetzt das vollständige Gespräch.

"Sie wollen tote Helden, wie Sid Vicious und James Dean", amüsiert sich John Lennon über das Pop-Biz des Jahres 1980. "Aber ich habe kein Interesse daran, ein verfickter toter Held zu sein." Der Ex-Beatle sitzt in seiner New Yorker Wohnung, ist aufgeräumter Stimmung und gibt dem "Rolling Stone"-Journalisten Jonathan Cott ein Interview. Es ist der 5. Dezember 1980. Drei Tage später ist Lennon tot - ermordet von einem psychisch gestörten Fan.

Von dem mehrstündigen Gespräch kannte man bislang nur Auszüge - veröffentlicht kurz nach dem Attentat auf Lennon. Die vollständige Version war bis dato unbekannt. Doch Anfang des Jahres 2010 entrümpelte Musikjournalist Cott die Schränke und Kisten, in denen er seine alten Tapes aufbewahrt - und stieß auf die beiden Kassetten mit der Aufschrift "John Lennon". "Ich legte sie ein - und plötzlich hörte ich diese unglaublich lebendige, gutgelaunte Stimme", so Cott. Als er die Bänder durchgehört hatte, war ihm klar, dass in seiner Rumpelkammer eine Preziose geschlummert hatte. Ursprünglich hatte Cott das Interview für eine Titelgeschichte über Lennons und Onos gemeinsames Album "Double Fantasy" gemacht.

30 Jahre nach Lennons Tod erscheint am Freitag in der US-Ausgabe des Musikmagazins "Rolling Stone" nun die komplette Mitschrift des Gesprächs. Lennon spricht darin unter anderem über seine Zukunftspläne. Er wolle auf die Bühne zurückkehren: "Aber ohne Bühnennebel, Lippenstift und Stroboskop", so der Ex-Beatle. "Wir wollen es gemütlich, und wir wollen Spaß haben." Der Musikkritik wirft er vor, sie erschaffe sich ein Bild eines Popstars, um dieses dann anzubeten. "Sie mögen Leute nur, wenn sie sich auf dem Weg nach oben befinden", urteilt er über die Journalisten. Er aber könne diesen Weg nicht wieder beschreiten.

Lennon gibt auch Einblicke in sein Privatleben. Er versuche, ein guter Vater zu sein und eine Beziehung zu seinem Sohn Sean aufzubauen, auch wenn er kein guter Spielkamerad sei, so der Ex-Beatle. Auch über seine Beziehung zu seiner Frau Yoko Ono spricht er. "Ich habe mir zwei Menschen ausgesucht, mit denen ich zusammenarbeite: Paul McCartney und Yoko Ono. Das ist keine schlechte Auswahl." Der 40-Jährige gibt sich optimistisch und voller Tatendrang. "Wir sind wiedergeborene Rocker, wir fangen nochmal an - und wir haben eine Menge Zeit, oder?"

twi/reu/dapd
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