John Lennons Todestag Ein Geschenk von Yoko Ono

Heute vor 25 Jahren fiel John Lennon einem Attentat zum Opfer. Pünktlich zum traurigen Jubiläum macht Yoko Ono eine Trost spendende Geste: Sie gibt die Bearbeitungsrechte für sämtliche Solotitel ihres Mannes frei.


Die Nachricht aus New York lief vor 25 Jahren wie eine Schockwelle um den Globus. John Lennon war tot, erschossen von einem Attentäter. Mit dem Tod des ehemaligen Beatle verlor die Welt nicht nur einen ihrer populärsten Musiker, sondern auch eine Ikone der Friedensbewegung. Der Schmerz über die Tat ist bei vielen nie ganz abgeklungen - besonders bei den Baby-Boomern, die mit Lennon-Liedern aufwuchsen. Am Jahrestag des Attentats werden zu den Klängen seiner Friedenshymne "Imagine" erneut die Tränen fließen.

Yoko Ono, 72, hat sich anlässlich des traurigen Jubiläums zu einer nicht nur Trost, sondern auch Geld spendenden Geste entschieden: Wie die "tageszeitung" berichtet, stellt die Lennon-Witwe erstmals die Bearbeitungsrechte sämtlicher Solostücke ihres Mannes zur Verfügung.

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John Lennon: Tod eines Idols

Ono unterstützt damit das globale Musikprojekt "Make Some Noise" der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, das zum Tag der Menschenrechte am 10. Dezember beginnt. "Wir sind sehr stolz darauf, dass uns Yoko Ono bei diesem außergewöhnlichen Projekt unterstützt", erklärte Saria Rees-Roberts von Amnesty International in London der "taz".

Die ersten bisher unveröffentlichten Coverversionen von John Lennon Songs werden am 10. Dezember exklusiv zum Download auf www.amnesty.de/noise angeboten. Dazu gehören unter anderem "Power to the People", interpretiert von der Pop-Combo The Black Eyed Peas und "Love", gespielt von The Cure. Die Erlöse gehen der "taz" zufolge zu 100 Prozent an Amnesty International.

Der Tod am Werk

Lennons 25. Todestag wirft seit Monaten seine Schatten voraus. Neue Bücher über den Musiker und die Beatles sind erschienen, ebenso eine neue "Best Of"-CD mit dem Titel "Working Class Hero" und Neuauflagen zweier seiner Alben. Am Broadway wurde ein Musical über Lennon aufgeführt und in Paris eine Ausstellung über sein Leben und Werk eröffnet.

Am Todestag selbst werden die "Strawberry Fields" - die nach einem der berühmtesten Lennon-Songs benannte Gedenkstätte im New Yorker Central Park - zum weltweiten Zentrum der Trauer um den Popstar werden.

Der US-Sender NBC beging den Jahrestag bereits auf seine Art, indem er dem Attentäter zu Wort kommen ließ: Er habe "unter totalem Zwang" gehandelt, sagte der bis heute im Gefängnis einsitzende Mark Chapman in den erstmals gesendeten Tonbandaufzeichnungen eines Interviews von 1991/92. "Nichts hätte mich aufhalten können." Durch den Mord habe er geglaubt, vielleicht die eigene "Identität" finden zu können, so Chapman. Lennons empörte Witwe Yoko ließ mitteilen, sie halte die Ausstrahlung des Interviews für "ungeheuerlich".

Chapman hatte sich noch am Nachmittag des 8. Dezember 1980 von Lennon vor dessen Aufnahmestudio ein Autogramm geben lassen. Später lauerte der geistig verwirrte Fan seinem Idol am Dakota-Gebäude am Central Park auf, wo der 40-jährige Musiker ein Apartment bewohnte. Nachdem Lennon mit Yoko Ono kurz vor elf Uhr abends aus seiner Limousine stieg, feuerte Chapman fünf Schüsse auf den Sänger ab. Lennon wurde in den Rücken getroffen. Als die Polizei eintraf, wartete Chapman vor dem Gebäude, in J.D. Salingers Roman "Der Fänger im Roggen" lesend. Tausende von Trauernden versammelten sich noch in derselben Nacht vor dem Dakota Building.

Peace, Love und Quälgeister

Gespenstisch nehmen sich in der Rückschau Lennons Witzeleien über seinen Tod aus: "Ich werde wohl von irgendeinem Bekloppten weggeknipst." Die flapsige Bemerkung passte allerdings zur düsteren Seite des Stars, der neben seinem fröhlichen Co-Komponisten Paul McCartney bei den Beatles oft die melancholischeren Töne anschlug. Hinter dem sanften Botschafter von "Peace and Love" gab es noch einen anderen Lennon, der mit persönlichen Quälgeistern zu kämpfen hatte: den Traumata seiner Kindheit, seiner jahrelangen Drogensucht oder seinen Verfehlungen gegenüber der eigenen Familie.

Schmerzliche Kindheitserfahrungen hatten bleibende Spuren hinterlassen: Der Vater verließ die Familie, als Lennon gerade fünf war, die Mutter starb bei einem Autounfall kurz nach Lennons Volljährigkeit. Später vernachlässigte der Sänger selbst seinen Sohn Julian; dessen Mutter, seine erste Frau, verließ er für Yoko Ono. Cynthia Lennons lakonischer Kommentar in ihrem Lennon-Buch: "Er war hysterisch, er war historisch."

Die Welt wird sich an Lennon weiterhin als den Schöpfer von Pop-Standards erinnern - und als den Pazifisten, der "Sleep-ins" zelebrierte und sich auf einem "Rolling Stone"-Cover nackt an Yoko Ono schmiegte.



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