Jonathan Meese über Bayreuth "Verlogen und zynisch"

"Strippenzieher und Marionetten": Skandalkünstler Jonathan Meese reagiert im SPIEGEL mit harten Worten auf seine Entlassung durch die Leitung der Bayreuther Festspiele. Es habe Versuche gegeben, ihn einzuschüchtern.
Jonathan Meese (Archiv): "Die Kunst hat in Bayreuth kein Zuhause mehr"

Jonathan Meese (Archiv): "Die Kunst hat in Bayreuth kein Zuhause mehr"

Foto: Michael Sohn/ ASSOCIATED PRESS

Hamburg - Als "verlogen und zynisch" hat der Künstler Jonathan Meese die Leitung der Bayreuther Festspiele bezeichnet. Im SPIEGEL reagierte er damit auf seine Entlassung. In seiner Erklärung heißt es: "Die Strippenzieher in Bayreuth stehen nicht auf der Bühne, sondern dahinter. Die sichtbaren Personen sind nur Marionetten und nicht entscheidungsfähig." Und: "Es geht in Bayreuth schon lange nicht mehr um Kunst. Es geht um Selbsterhalt, Macht und den Kampf gegen die sinkende Relevanz."

Meese war 2012 von Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier, den Urenkelinnen des Festspielgründers, engagiert worden, um im Sommer 2016 seine Neuinszenierung von Richard Wagners "Parsifal" zu präsentieren. Der Berliner Künstler gilt wegen seiner provokanten Bilder, auf denen Eiserne Kreuze vorkommen, und Performances, in denen er den Hitler-Gruß persifliert hat, als Enfant terrible. Dass als Grund der Kündigung eine drohende Überziehung des Kostenbudgets für Bühnenbild und Kostüme genannt wurde, bezeichnet er als "vorgeschoben".

Aus dem Umfeld des Künstlers heißt es, dass Meese vielmehr von einer Unterschreitung des Etats ausgegangen sei und notfalls sogar bereit gewesen wäre, für die Mehrkosten selbst aufzukommen. In seiner Erklärung spricht er von Versuchen der Einschüchterung und einer "Kultur von Befehl und Gehorsam". Er sagt auch: "Künstler scheitern an Bayreuth, weil die Kunst dort kein Zuhause mehr hat. Meese ist nicht an Wagner gescheitert, sondern Bayreuth an Meese. Alle anderen Gründe sind vorgeschoben."

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