Kammersängerin und TV-Star Anneliese Rothenberger ist tot

Ihre Sopranstimme erklang in den großen Opernhäusern der Welt, mit ihrem Liederabend tourte sie durch vier Kontinente. Doch frei von Elitedünkel wandte sie sich auch mit TV-Shows an ein großes Publikum. Jetzt ist die Kammersängerin Anneliese Rothenberger mit 83 Jahren gestorben.
"Die einzig wirklich populäre Fernsehfrau": Anneliese Rothenberger im Mai 2009

"Die einzig wirklich populäre Fernsehfrau": Anneliese Rothenberger im Mai 2009

Foto: Patrick Seeger/ picture alliance / dpa

Anneliese Rothenberger gehörte zu den erfolgreichsten deutschen Sängerinnen der Nachkriegszeit. Ihre TV-Sendungen wie "Anneliese Rothenberger gibt sich die Ehre" erreichten ein Millionenpublikum. Nun ist die Kammersängerin tot. Das teilte die Grafenfamilie Bernadotte, die eng mit der Künstlerin befreundet war, am Dienstag in Konstanz mit. Die Sopranistin sei am Montagabend im Kantonsspital Münsterlingen in der Schweiz im Alter von 83 Jahren nach kurzer Krankheit gestorben, teilte ein Sprecher mit.

Berühmt geworden ist die am 19. Juni 1926 in Mannheim geborene Sopranistin Rothenberger vor allem als Mozart- und Richard-Strauss-Interpretin. Jahrzehntelang war sie in allen großen Opernhäusern der Welt zu Hause. Einem breiteren Publikum wurde sie seit den siebziger Jahren mit ihren Musiksendungen im Fernsehen bekannt, in denen sie mit prominenten Fachkollegen plauderte oder Nachwuchskünstler präsentierte.

Ihre Karriere begann 1948 an der Hamburger Staatsoper, wo sie bis 1956 dem Ensemble angehörte. Nach einem Jahr in Düsseldorf wechselte sie nach Wien. Schnell wurde sie auch international bekannt, nachdem sie 1952 erstmals beim Edinburgh-Festival auftrat. Es folgten Gastspiele an der Mailänder Scala und bei den Salzburger Festspielen. 1960 debütierte sie an der New Yorker Metropolitan Opera. Tourneen führten sie durch Südamerika, die USA und die damalige Sowjetunion. 1967 sang sie in Hamburg, Montreal und New York die "Lulu" in Alban Bergs Zwölfton-Oper, der Kritiker der "New York Times" nannte sie ein "Luder mit Engelsgesicht". Doch auch zur leichten Muse hatte Rothenberger keine Berührungsängste: Für die ARD-Fernsehlotterie sang sie die Udo-Jürgens-Komposition "Wie schön ist diese Welt".

1970 startet sie ihre zweite Karriere als TV-Star in Sendungen wie "Anneliese Rothenberger gibt sich die Ehre" oder "Traumland Operette" mit Millionen Zuschauern. DER SPIEGEL nannte sie 1977 "die einzige wirklich populäre Fernsehfrau"; die "Frankfurter Rundschau" schrieb, sie habe einer Frauengeneration vorgemacht, "wie Eleganz sich erfolgreich konservieren lässt." Einige Kritiker rügen ihren Wechsel zur TV-Unterhaltung mit Millionenpublikum. "Ach, das waren ein paar Blaustrümpfe, die mir das übelnahmen, aber das war kleinkariert gedacht", entgegnete sie ihnen 2003 in einem Interview.

1989 zog sie sich aufgrund einer Krebserkrankung von Bühne und Show-Geschäft zurück und verbrachte die letzten Jahre in der kleinen Gemeinde Salenstein am schweizerischen Bodenseeufer. Ihr Hobby war die Malerei. Ihre Blumenbilder zeigte sie vor allem auf Ausstellungen in der näheren Umgebung, beispielsweise auf der Mainau. In der Künstlerszene schon fast Seltenheitswert hatte ihre 44 Jahre dauernde Ehe mit dem Journalisten Gerd W. Dieberitz, der auch ihr Manager war. Er starb 1999 an Krebs.

feb/dpa