Kampf der Musik-Mikroben Küblböck, Küblböck, Küblböck!

Daniel Küblböck, jetzt irgendwie doch ein bisschen Superstar, droht zum Schumi der Charts zu werden. Er war auf eins, er ist auf eins, und da will er auch bleiben: Klar vor dem auserkorenen Sieger Alexander platziert. Gibt es noch Hoffnung?

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Ein unwahrscheinlicher Star: Daniel Küblböck, von Beruf Idol
DDP

Ein unwahrscheinlicher Star: Daniel Küblböck, von Beruf Idol

"You drive me crazy", krakeelt und quietscht er, und das stimmt tatsächlich. Ganz viele Menschen treibt er sogar dermaßen in den Wahnsinn, dass sie in die Plattenläden strömen, um sein erstes Single-Machwerk käuflich zu erwerben: 500.000 Mal ging der Silberling über die Ladentheke, und damit hat sich Küblböcks Daniel fest auf der Pole-Position der Verkaufshitparade etabliert. Alexander, der stets wohlfrisierte, zum Superstar gehypte Sonnenbankverkäufer-Darsteller, schmachtet hingegen nun auf unteren Rängen.

Stets grinsender Sieger im Hintergrund ist da nur Dieter Bohlen, der an beiden Retortengeschöpfen verdient und seinen funkelnagelneuen Nimbus als Wohltäter und Förderer des deutschen Nachwuchses genießt. Demnächst nehmen er und Freundin Estefania den Daniel sogar mit in den Urlaub. Ja, haben denn die Eltern Küblböck vergessen, dass der Mann vor kurzem noch nächtens und fast nackt mit einem Gewehr in der Hand durch den Wald rannte?

    "I never never give you up
    Oh be my little lady
    come and let us try a start
    No one can love you
    baby better then I do
    Oh I know, I really know
    what I feel for you!"

Was solls, darauf kommt es ja nicht an. Mein Sohn (9 Jahre) weiß viele komplizierte Dinge im Leben gar trefflich und einfach zu deuten: "Geil" sei der Küblböck, "weil der so Scheiße ist".

Aha.
Jetzt weiß ich Bescheid, und mein Sohn auch: So spricht man nicht.

Ist ja Waaahnsinn: Dieter Bohlen freut sich über den rollenden Rubel
AP

Ist ja Waaahnsinn: Dieter Bohlen freut sich über den rollenden Rubel

Immerhin reden wir hier einmal mehr über eines dieser "Spaßgesellschaft"-Phänomene. Dass Küblböck und Co selbstvermarktungswillige Industrieklone seien, wurde tausendmal geschrieben. Dieter Bohlen, der den Daniel ja nun wirklich kennt, bringt das wie gewohnt auf den Punkt: Er könne sich den Küblböck in den verschiedensten Formen vorstellen.

Hat ER so gesagt.

Gemeint hat er aber nicht die nachträgliche Verformung des bereits hinreichend biegsamen Siebzehnjährigen, auch nicht die genmanipulierte Klonung des so schon Ungewöhnlichen, sondern seine Vermarktung in den verschiedensten Formen: In "lustigen Filmen wie Mike Krüger", als Moderator oder Musiker.

Das verheißt zunächst Konkurrenz für Bulli und Beckmann und Grauen ohne Ende, doch zumindest scheint sich Bohlen also bewusst darüber zu sein, dass Küblböck das alles noch nicht ist. Noch gibt es also Hoffnung.

    "You drive me crazy
    Oh tonight my love Oh tell me
    there's no maybe
    I love you"

Nur scheinbar ein Schumacher: Alexander Superstar, geborener Klaws
AP

Nur scheinbar ein Schumacher: Alexander Superstar, geborener Klaws

Das glaubt auch Bohlen: "Daniel ist für mich die schillerndste Persönlichkeit, die ich in diesem Business je kennen gelernt habe". Das kann zwar so ziemlich alles von "find ich genial" bis "völlig meschugge" heißen, ist aber zumindest in einer Hinsicht ein klares Statement: Bohlen hat Küblböck zum Hoffnungsträger erkoren. Schon produziert er eine ganze CD voller Lieder, die der Daniel dann beküblböcken soll.

Damit wird nun einer zum Superstarchen durch die Hintertür, so zu sagen, während der eigentlich zum Sieger per definitionem auserkorene Alexander droht, als Sternschnuppe zu verglühen. Wahrscheinlich wäre das vertragswidrig.

Wie auch immer: Das unbegreifliche Phänomen Küblböck hüpft in seinem hautfarbenen Tanga unaufhaltsam gen Starhimmel und hat scheinbar auch vor, sich dort als Schumi der Charts zu halten. Eine halbe Million Deutsche, denen die Funktionsweise einer P2P-Börse offenkundig nicht bekannt ist, griffen tief in die Tasche, um im zuletzt doch arg geküblböckten Plattenhandel endlich wieder für Umsatz zu sorgen. Unter dem Strich sind das gute Nachrichten, irgendwie.



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