Nach "Echo"-Nominierung Rapper Kollegah arbeitet sich an "Bild" und RTL ab

Nachdem Kollegah und Farid Bang für den Echo nominiert wurden, beschwerten sich Auschwitzüberlebende über strittige Textpassagen. Nun ruft Kollegah zum Kampf gegen große Medienhäuser auf.
Kollegah

Kollegah

Foto: Rolf Vennenbernd/ picture alliance / Rolf Vennenbernd/dpa

Bis Ende dieser Woche soll der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) vom Ethik-Beirat prüfen lassen, ob der Song "0815" von Kollegah und Farid Bang, der sich auf einer Bonus-Edition des Albums "Jung, brutal, gutaussehend 3" befindet, die Grenze "zwischen künstlerischer Freiheit und gesellschaftlich nicht hinnehmbaren Äußerungen überschritten wurde".

In der vergangenen Woche hatte die "Bild"-Zeitung über strittige und möglicherweise antisemitische  Textpassagen der Rapper Kollegah und Farid Bang berichtet - nachdem "Jung, brutal, gutaussehend 3" in den Kategorien "HipHop/Urban National" und "Album des Jahres" für den diesjährigen Echo nominiert wurde, der am 12. April in Berlin verliehen wird.

Zudem fragte die "Bild" bei Echo-Geschäftsführerin Rebecca Heinz nach, warum Musiker mit "diesen Hass-Liedern" überhaupt nominiert würden. Heinz antwortete, dass "die Sprache des Battle-Rap hart und verbale Provokationen ein typisches Stilmittel" seien: "Die Kunst- und Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, angesichts der Textzeilen in '0815' haben wir aber tatsächlich den Ethik-Beirat gebeten, sich mit dem Produkt zu beschäftigen."

"Ansage an Bild, RTL und co."

Derweil haben sich Auschwitzüberlebende ebenfalls  in der "Bild"-Zeitung zu Wort gemeldet und zeigen sich über Textzeilen wie "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen" entsetzt. Farid Bang hat sich in einem Facebook-Post von "jeglicher Form des Antisemitismus oder Hass gegen Minderheiten" distanziert und entschuldigt sich bei der Auschwitzüberlebenden Esther Bejarano, die im "Bild-"Artikel namentlich genannt wurde.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Facebook, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Kollegah rechnet hingegen in einem YouTube-Video mit der "Meinungsmache" der deutschen "Mainstream-Medien ab" und verkündet, das Volk habe es satt, "sich verarschen zu lassen" - von "Bild" und dem Sender RTL.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von YouTube, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Er betont, dass die Hip-Hop-Kultur "so weit von Rassismus entfernt wie keine andere Kultur auf der Welt" sei. Was die "Bild"-Zeitung betreibe, sei versuchte Zensur und vergleichbar mit der Situation in "totalitären Staaten". Mehrfach ruft Kollegah andere Künstler und seine Fans auf, sich zu wehren: "Eigentlich muss jeder Künstler da draußen sich mit uns solidarisieren!"

Und weiter: "Die Leute sind heute wach. In Zeiten von Streaming und YouTube macht sich jeder sein eigenes Bild. Sei ein Teil von '#AlphakellerBanger gegen Mainstream Medien'. "

Auch auf Instagram hat sich Kollegah zu Wort gemeldet:

Verbreitung antisemitischer Stereotype

Der Vorwurf des Antisemitismus ist nicht neu für Felix Blume, wie Kollegah im wirklichen Leben heißt: Bereits im Februar 2017 hatten der Zentralrat der Juden und weitere jüdische Verbände dem Musiker vorgeworfen, in den Texten antisemitische Stereotype zu verbreiten. Damals war der Anlass eine geplante Rap-Nacht beim Hessentag im Juni. Die Rap-Nacht wurde abgesagt, obwohl Kollegah damals mit einem offenen Brief auf Facebook reagierte und die Vorwürfe von sich wies: Die zitierten Zeilen seien "alt und teilweise nicht von ihm“. Das stimmte: Die vom Zentralrat zitierte Zeile "Ich leih dir Geld, doch nie ohne 'nen jüdischen Zinssatz mit Zündsatz" stammt nicht von Kollegah selbst, sondern von dem Rapper Favorite ("Sanduhr", 2014).

Der Ethikbeirat, der nun entscheiden soll, ob Kollegah und Farid Bang nominiert werden dürfen oder nicht, wurde im Jahr 2013 ins Leben gerufen. Damals hatte es Debatten um die Nominierung der Südtiroler Rockband Frei.Wild gegeben, der "rechte Tendenzen" vorgeworfen wurden. Quasi in letzter Minute war die Band von den Veranstaltern ausgeladen worden - jedoch erst, nachdem Künstler wie Kraftklub und Mia ihr Kommen aus Protest abgesagt hatten. Im Jahr 2016 bekamen Frei.Wild, die offensivem Patriotismus und Heimatliebe frönen, dann doch noch einen Echo, in der Sparte Rock/Alternative National.

Am Ende seines "Ansage"-Videos lädt Kollegah die "Bild"-Redaktion übrigens noch zu einem Schlagabtausch "von Angesicht zu Angesicht" ein. Jeder Redakteur sei zu einem Gespräch willkommen. "Ich film das, ungeschnitten wird's hochgeladen bei Facebook", sagt er, "eure aus dem Kontext gerissene Scheiße braucht kein Mensch. Liebe "Bild", ich weiß doch, was eure nächsten Moves sind! Macht weiter, wir durchschauen euch."

bsc
Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.