Kritik aus Afrika "Geldof macht alles nur noch schlimmer"

Kontinentale Unterschiede: Bob Geldofs "Live 8"-Konzerte rufen recht gegensätzliche Reaktionen hervor. Während ein norwegischer Abgeordneter den irischen Rockmusiker kurzerhand für den Friedensnobelpreis nominierte, wirft ihm ein südafrikanischer Diplomat falsch verstandenes Gutmenschentum vor.


Benefiz-Initiator Geldof: "Niemand bezweifelt Deine guten Absichten"
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Benefiz-Initiator Geldof: "Niemand bezweifelt Deine guten Absichten"

Johannesburg/Oslo - In einem Offenen Brief mit dem Titel "Lieber Bob ..." wirft Moeletsi Mbeki, der Bruder von Südafrikas Präsident Thabo Mbeki, Geldof vor, die Situation auf dem Kontinent durch sein "weiches Herz" zu verschlimmern. In einem in der Zeitung "The Star" veröffentlichten Schreiben des stellvertretenden Leiters von Südafrikas Institut für internationale Angelegenheiten heißt es: "Niemand bezweifelt Deine guten Absichten bei der Organisierung von 'Live 8'; Deine Leidenschaft für die Lösung unserer diversen Übel verdient Applaus. Aber ... es besteht echte Gefahr, dass Du die Dinge schlimmer machst."

Geldof verstehe Afrikas Kernproblem nicht und bekämpfe die Symptome an Stelle der Krankheit, meint Mbeki. "Und diese Krankheit, Sir Bob, ist der schockierende Mangel an Rechenschaft, den afrikanische Regenten gegenüber ihren Bürgern ablegen. Die Staatschefs seien "eine Elite aus Politikern, Offiziellen und Generälen, von denen viele korrupt und inkompetent sind". Im Westen hätten nur wenige Politiker "den systematischen Diebstahl des Reichtums eines ganzen Kontinents durch seine eigenen Politiker" kritisch hinterfragt. Sie fürchteten, sich Rassismus- oder Neokolonialismus-Vorwürfen gegenüber zu sehen.

Hunger und Krankheit seien gute Gründe für Spenden, so Mbeki. "Aber für jede Spende, die einen leeren Teller mit Essen füllen soll, wird ein anderer von der gierigen afrikanischen Elite geleert oder schlicht verschwendet". Nur wenn Afrikas Regierungen zur Rechenschaft gegenüber ihrer Bevölkerung gezogen würden, bestehe Hoffnung auf Änderung, meinte Mbeki.

In der westlichen Welt geht man weniger kritisch mit Geldofs Engagement um. Der Rockmusiker wurde heute von einem norwegischen Parlamentsabgeordneten für den Friedensnobelpreis 2006 nominiert. "Geldof hat im Juli 2005 die Initiative zu einer Konzertreihe ergriffen, um auf die Probleme armer Länder aufmerksam zu machen und die führenden Politiker der Welt zu Maßnahmen gegen die Armut zu drängen", erklärte Jan Simonsen. Als Abgeordneter eines nationalen Parlaments ist der Norweger berechtigt, dem Nobelkomitee Kandidaten für den Preis vorzuschlagen. Simonsen nominierte Geldof für die Auswahl im kommenden Jahr, da die Vorschlagsfrist für 2005 im Februar abgelaufen ist.

Mit seinen "Live 8"-Konzerten vor dem am Mittwoch begonnenen Gipfeltreffen der sieben führenden Industriestaaten und Russlands (G-8) hatte der irische Musiker viel Aufsehen erregt. Nach eigener Aussage wollte Geldof die Staats- und Regierungschefs dazu drängen, die Hilfe für Afrika zu erhöhen, Schulden zu erlassen und Handelshindernisse aufzuheben.

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