Neues Album von LaBrassBanda Das ist ein Überschall!

Heijeijeijeijeijeijeijeijei. Wooooop. Mit ihrer überschallartigen Ska-Funk-Bucovina-Blasmusik bringt LaBrassBanda Massen zum Kochen. Jetzt ist das neue Album der Oberbayern erschienen. "Europa" glänzt mit Perfektion in Rekordtempo.

Gerald von Foris

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Sie rasten aus. Werfen ihre Beine in die Höhe, schütteln die Arme im Takt, hüpfen mit den Körpern gegeneinander. Abfahrt. Die Menschen, die zu LaBrassBanda kommen, verlassen die Konzerte meist völlig fertig, verschwitzt, euphorisiert. Benebelt von den überschallartig über sie hereinbrechenden Liedern. Verwirrt von den schnellen Rhythmen. Überrascht von der eigenen Ekstase, die bayerische Blasmusik in ihnen auslöst. Manche werden am nächsten Tag die Muskeln spüren, blaue Flecke finden.

Vor knapp sechs Jahren haben die fünf Jungs zu LaBrassBanda zusammengefunden: Trompeter Stefan Dettl, Posaunist Manuel Winbeck, Tubist Andreas Hofmeir, Schlagzeuger Manuel da Coll und Bassist Oliver Wrage. Auf großen Bühnen und kleinen Clubs, an Straßenzügen und in Bierzelten spielte die lederbehoste, barfüßige Band schon. In der Münchner Olympiahalle wollten sie 10.000 Fans sehen. Zwei Alben haben die Chiemgauer bislang veröffentlicht. Jetzt beginnt eine neue Zeit für die professionell ausgebildeten Musiker: An diesem Freitag erscheint ihr neues Album "Europa". Es ist etwas melancholischer als "Habediehre" und "Übersee". Aber es hat mehr Biss, mehr Kraft, mehr Feuer, mehr Elektro, mehr Vielseitigkeit.

Ein neuer Bassist ist mit an Bord, weil Oliver Wrage vor einer Woche Vater geworden ist und die rund 50 Auftritte in den nächsten Monaten nicht schaffen würde. Ein neuer Percussionist und zwei neue Trompeter sind außerdem mit dabei. Sie sollen den Auftritten noch mehr Wumms geben.

Mehr Spuren auf der Bühne

Vor dem Tourstart spielt LaBrassBanda im Studio des Südwestrundfunks. Pressetermin. Draußen ist es heiß, keine Wolke am Himmel, seit drei Tagen schönes Wetter in Süddeutschland. Ins Foyer kommen Posaunist Winbeck und Tubist Hofmeir, der sich einen warmen Kakao bestellt. "Wir nähern uns bei den Auftritten immer mehr dem Klang der CD an", sagt er. Es ist mehrspurig aufgenommen und die zusätzlichen Trompeten sollen diese Mehrspurigkeit auf die Bühne bringen.

Das erste Lied auf der Platte "Tecno" weist nach vorn, es bebt, es lodert, es spricht zum Hörer. Jetzt geht's los. Aufi. Pack ma's. Trompeter Dettl spielt einen harten, klaren, technisch einwandfreien Ton - schnell und scharf. Wenn die Band ein Auto wäre, dann dürfte niemals eine Geschwindigkeitsbegrenzung eingeführt werden.

Mit "Nackert" wollten die Musiker Deutschland auf dem Eurovision Song Contest in Malmö vertreten. Lange haben sie darüber diskutiert, ob sie überhaupt teilnehmen sollten, weil jeder Interpret mit Halbplayback auftreten sollte. Doch Playback verhält sich zu LaBrassBanda wie Borussia Dortmund zu Bayern München. Als ihnen die Organisatoren schließlich erlaubten live zu spielen, machten sie mit. Dann belegten sie hinter Cascada den zweiten Platz. Sängerin Natalie Horler scheiterte in Malmö. Und LaBrassBanda hatte sich an einem Wettbewerb versucht, der so gar nicht zum ländlich-herzlichen Image der besonnenen Bauersbuam passt. Vielleicht sind sie mit diesem Schritt ein bisschen bekannter in Deutschland geworden. Doch nötig hätten sie es nicht gehabt.

Im vergangenen Jahr haben sich die Musiker voneinander frei genommen, durchgeschnauft, Soloprojekte realisiert. Abwechslung sei wichtig, sagt Hofmeir. "Man will ja nicht jeden Tag Rinderbraten essen, auch wenn er lecker ist." Diese Rastlosigkeit und Suche und Vielfalt ist dem Album anzumerken.

Mit "Russland" reisen die Hörer in die Weite, in die Steppe. Das Lied klingt nach "Spiel mir das Lied vom Tod". Nach Prärie, Einsamkeit, nach Wildem Westen. Dettl hat es schon vor vielen Monaten geschrieben und stellte sich vor, wie das einstige Zarenreich wohl klingen mag. Dettls Russland ist nachdenklich, traurig, aber auch hoffnungsvoll, aufatmend.

Loopings mit doppelten Rittbergern

Es setzt einen starken Kontrast zu "Holland", das sehr quengelig daherkommt, nörgelnd und eher an den Balkan erinnert. "Heijeijeijeijeijeijeijeijei, wooooow" singt Dettl hier. Sein Gesang - das sind Loopings mit doppelten Rittbergern, Auerbacher mit 360-Flips auf einmal performt. Wann holt der Junge Luft? Was singt er da eigentlich? Nichts ist zu verstehen. Aber eigentlich muss man bei dem raubeinigen Krawall auch gar nichts verstehen, so perfekt ist er einstudiert.

"Europa" ist ein Interrail-Ticket mit spontaner Zug- und Platzwahl. Es hält sich nicht an Vorgaben, folgt keinem Muster. Interpretiert nicht nur Länder, sondern mit "Opa" und "Jacqueline" auch Gefühlszustände. "Wir müssen erst noch sehen, bei welchem Lied die Leute abgehen werden", sagt Hofmeir. Der Tubist setzt seine Spielsteine auf "Z'spat dro". Die Töne jagen den Text oder andersherum, Ska bricht durch, drängt, fordert, stößt nach vorn, hob hob hob, der Nachschlag ist sauber gespielt - so wie schon bei "Autobahn".

Vielleicht wird "Z'spat dro" das nächste große Lied, das die Fans wieder und wieder einfordern werden. Ein Lied, bei dem sie die Beine in die Höhe werfen werden, die Arme im Takt schütteln und mit ihren Körpern gegeneinander hüpfen. Abfahrt.



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schreibwerk 14.06.2013
1. Überschall Burschn
Starke Band. Hat mir mein Sohn zum Anhören empfohlen und... richtig gute Musiker! Wer sich in Musik auskennt, besonders Bläser ( speziell tuning) bemerkt sofort wie "sicher" die Jungs ihr Instrument spielen. Hauts nei! Viel Erfolg!
pepsington 14.06.2013
2. Die Tatsache,
dass die Jungs trotz hoher Beliebtheit beim abstimmenden Publikum nur auf dem zweiten Platz landeten, hatten Sie unfähigen, von Glamour und Mainstream verbl...endeten Jurymitgliedern zu verdanken. Waren ja allesamt Experten im engstirnigen Sinne.
desertking 14.06.2013
3. @ Pepsington - Unwahr!
Ein von vorne bis hinten falscher Post. Einfach sachlich falsch. Das abstimmende Publikum (der TED) setzte das Lied auf Platz 2, während ein manipulierbares, fehlerhaftes und von LaBrassbanda Fans gekapertes Radiovoting, das gar kein Radiovoting gewesen ist, da nicht alle Sender alle Songs je spielten, nicht wirklich als repräsentativ angesehen werden kann. Jeder konnte mit beliebig vielen Email-Adressen beliebig oft abstimmen. Dass die Jury das von vorne bis hinten falschgesungene und falsch-geblasene Lied mit nur einem Punkt bedachte, spielt da kaum eine Rolle, da stets das TED Ergebnis Vorentscheidungen entscheidet und selten manipulierte "Radioabstimmungen", die gar keine sind. Diese Mär von den ach-wie betrogenen Märtyrern wird zwar von Medien wie engstirnigen LaBrassbanda Fans weiter verbreitet, ist deswegen aber trotzdem falsch. Außerdem ist es neben all diesen Sachverhalten ziemlich schäbig, erst bei einem Wettbewerb mitzumachen, dann nach den gültigen Regeln zu verlieren und sich dann über die Regeln zu beschweren. Wobei ja alles mit richtigen Dingen zuging. Was nicht ging, waren jedoch die wildgewordenen LaBrassbanda-Fans, die Jurymitglieder beschimpften, bis es zur Anzeige kommen musste. Wie gesagt - die Jury hat mit dem 2. Platz recht wenig zu tun, denn dadurch dass die TED-Abstimmung von Cascada gewonnen wurde, hätten LaBrassbanda selbst ohne die Jury nicht gewonnen. Schade, dass sich Teile der deutschen Presse (zumeist der bayerischen) dazu hinreissen lassen, unfundierte Infos weiter zu verbreiten, die faltisch einfach nicht stimmen. Dank ihrer absolut unterirdischen Fans habe ich jedoch von dieser Band ohnehin genug. Sollten sie auch noch so toll blasen...
hansulrich47 14.06.2013
4. Und nicht nur engstirnig,
Zitat von pepsingtondass die Jungs trotz hoher Beliebtheit beim abstimmenden Publikum nur auf dem zweiten Platz landeten, hatten Sie unfähigen, von Glamour und Mainstream verbl...endeten Jurymitgliedern zu verdanken. Waren ja allesamt Experten im engstirnigen Sinne.
sondern fast alle Jurymitglieder sind bei der gleichen Plattenfirma wie Cascada unter Vertrag, hört man. Reiner Zufall, natürlich!!!
leprimeur111 14.06.2013
5. Frusthread
Da hat sich wohl jemand den Frust über die Cascadastrophe von der Seele geschrieben :-). Bleib mal locker, Fans sind Fans, wie beim Fussball. Wichtig ist, was auf dem Platz passiert. Beim ESC Vorentscheid gewann ein glattgebügeltes, mutmaßlich ergebnisoptimiertes Industrieprodukt gegen authentischen handwerklichen Individualismus. und das ist gut so. Schlimm genug, wie hierbei die Bedeutung der "Fach"jury überbewertet wurde. Was du vergisst: LBB hat das Ergebnis und die Ergebniswerdung nie kritisiert. Naive Scheinentschuldigungen wie "lief halt nicht besser, weil wir Bayern sind", gab es im Tenor nie. Fast skandalös: Sie haben das nie als Niederlage kommuniziert und wohl auch nie so empfunden! Diese souveräne Lässigkeit kombiniert mit der professionellen Vielfalt des neuen Albums mag als die Arroganz des "Mia san Mia" des FC Bayern empfunden werden, aber das Ergebnis ist klar: Die Jungs sind gut, find mal jemanden der so ein musikalisches Spektrum abdeckt! Ob man sie mag oder nicht, ist Geschmackssache und so soll es sein. Ist ja Kunst und kein Schachturnier.
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