Songwriter zahlreicher Motown-Klassiker Lamont Dozier ist tot

»You Keep Me Hangin' On«, »Stop! In the Name of Love«, »You Can't Hurry Love«: An vielen Soul-Hits wirkte Lamont Dozier als Komponist und Arrangeur mit. Nun ist der selbst ernannte »Black Bach« mit 81 Jahren gestorben.
Inspirierter Songwriter: Lamont Dozier

Inspirierter Songwriter: Lamont Dozier

Foto: Michael Ochs Archives / Getty Images

Sein Name ist als Mitte eines Dreiklangs in die Popgeschichte eingegangen: Holland-Dozier-Holland, dieses Songwritingteam war in den Sechzigerjahren Teil des Erfolgsrezepts, mit dem das Detroiter Plattenlabel Motown Records Hit auf Hit landete. Zusammen mit den Brüdern Eddie und Brian Holland war Lamont Dozier an zwölf Nummer-eins-Hits in den US-Singlecharts beteiligt, gesungen von den Supremes und den Four Tops.

Motown war seinerzeit bekannt für sein quasi-industrielles Fertigungssystem von populären Songs, zu dem sich Labelchef Berry Gordy inspirieren ließ von den Fließbändern der Automobilfirmen, die in Detroit produzierten. Doch innerhalb des Systems mit seinen Instanzen zur Qualitätskontrolle bekamen die Kreativen große Freiheiten, wie Dozier einmal erzählte: »Wenn uns etwas einfiel, konnten wir jederzeit ins Studio gehen und machen, was wir wollten.«

Lamont Dozier, 1941 in Detroit geboren, hatte sich anfangs selbst als Interpret versucht, unter dem Namen Lamont Anthony und auch als Teil einer Gesangsgruppe namens Romeos. Doch Gordy sah Dozier eher in einem Kreis von Songschreibern und Produzenten, den er um sein frisches Label versammelte. Auch die Holland-Brüder hatten nicht das Charisma, um vorne auf der Bühne zu stehen, und so entwickelte sich 1962 das Songwritingteam Holland-Dozier-Holland, Motown-intern »HDH« genannt.

Die ersten Hits schrieben HDH für die Sängerin Martha Reeves und ihre Vandellas; »Heat Wave« war 1963 der erste Nummer-eins-Hit in den R&B-Charts. Doch Motown hatte den Anspruch, die Grenzen des damals noch stark segregierten US-Radiomarktes zu überwinden und auch das überwiegend weiße Pop-Publikum zu erreichen.

Holland-Dozier-Holland gelang das vor allem mit Songs, die sie für das von Diana Ross angeführte Gesangstrio The Supremes schrieben: »Where Did Our Love Go« war 1964 die erste Pop-Nummer-eins für die Supremes und Motown, denen noch neun weitere HDH-Supremes-Songs folgten, darunter bis heute populäre Klassiker wie »Baby Love«, »Stop! In the Name of Love«, »You Can't Hurry Love« oder »You Keep Me Hangin' On«.

Holland-Dozier-Holland mit den Supremes vor dem Motown-Hauptquartier in Detroit

Holland-Dozier-Holland mit den Supremes vor dem Motown-Hauptquartier in Detroit

Foto: Hugh Grannum / ZUMA Wire / IMAGO

Doch im Motown-System waren Songwriter nicht exklusiv einzelnen Acts zugeordnet. Für die männliche Gesangsgruppe The Four Tops schrieben Holland-Dozier-Holland eine Reihe von emotional dramatischen Songs, darunter »I Can't Help Myself (Sugar Pie, Honey Bunch)«, »It's the Same Old Song« oder »Reach Out, I'll Be There«. Weitere Beispiele für klassische HDH-Hits aus der Motown-Hochphase sind »Nowhere to Run« (Martha & the Vandellas) und »This Old Heart of Mine (Is Weak for You)« (The Isley Brothers).

Ende der Sechzigerjahre forderten Holland-Dozier-Holland eine stärkere finanzielle Beteiligung an den Motown-Erfolgen. Labelchef Berry Gordy, der mit Umzugsplänen nach Los Angeles befasst war, bekam die Risse im System zu spät mit und es kam zu Gerichtsverfahren. Während diese anhängig waren, veröffentlichen HDH ihre Kompositionen zeitweise unter einem Pseudonym, »Edyth Wayne«. Zu den Hits auf ihrem eigenen Label Invictus zählten »Give Me Just a Little More Time« von Chairmen of the Board oder »Band of Gold« von Freda Payne.

Laurent Dozier mit den Holland-Brüdern, 2015

Laurent Dozier mit den Holland-Brüdern, 2015

Foto: Michael Nelson / picture alliance / dpa

1973 verließ Lamont Dozier das Team mit den Holland-Brüdern und strebte nun doch eine Solokarriere als Künstler an. Seine Songs erreichten allerdings, wenn überhaupt, nur niedrige Hitparadenplätze. Kritiker störten sich an Doziers eher dünner Gesangsstimme. An Selbstbewusstsein mangelte es Lamont Dozier aber jedenfalls nicht – eines seiner Soloalben trägt den Titel »Black Bach«.

Nachdem in den Achtzigerjahren Phil Collins mit einer Coverversion des alten HDH-Hits »You Can't Hurry Love« großen Erfolg hatte, komponierte Collins für den Soundtrack zum Film »Buster« mit Lamont Dozier zusammen die Songs »Two Hearts« und »Loco in Acapulco«. Auch die britische Sängerin Alison Moyet gab für den Start ihrer Solokarriere einen Song bei Dozier in Auftrag, »Invisible«. 1990 wurde Dozier zusammen mit den Holland-Brüdern in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.

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