Led Zeppelin-Reunion Die Legende bebt

Die Zweifel vor Led Zeppelins Bühnen-Comeback waren groß: Sind ja nur drei alte Knacker und ein Glatzkopf. Doch die Band strafte alle Skeptiker Lügen - und beschwor mit einem donnernden Auftritt das goldene Zeitalter des Rock.

Aus London berichtet


Vor der O2-Arena am Stadtrand von London schwebte gestern ein kleiner Gummi-Zeppelin, vor dem sich glückliche Menschen reihenweise mit ihren Handys fotografieren ließen. Überwiegend Männer hatten die Reise aus mehr als 50 Ländern in die Docklands angetreten, alle fühlten sich wie Könige, weil sie überhaupt ein Ticket abbekommen hatten. Es hätte wohl Elvis vom Himmel herabsteigen müssen, um für mehr Wirbel im Pop-Universum zu sorgen, als es dieses Spektakel der britischen Rock-Titanen Led Zeppelin tat.

Seitdem sich die Gerüchte bestätigt hatten, dass die Band nach zwei Jahrzehnten noch mal gemeinsam lärmen würde, überschlugen sich die vorab gemeldeten Superlative: Um die mittels Lotterie unters Volk gebrachten Tickets sollen sich angeblich 20 Millionen Verehrer beworben haben. Kein Wunder, dass der eBay-Kurs der ursprünglich 125 Pfund (rund 175 Euro) teuren Karten bald einige Tausend Euro betrug.

Dazu kamen die Gerüchte: Wie lange würden die betagten Rocker überhaupt auf der Bühne stehen? 20 Minuten oder doch - wie einst zu ihren Glanzzeiten in den Siebzigern - dreieinhalb Stunden? Und wer würde kommen außer sentimentalen, mittelalten Männern mit Haarkranz, Bierbauch und T-Shirt? Angekündigt waren immerhin Madonna, Paul und Stella McCartney und - unvermeidlich - Kate Moss.

Aber die große Frage blieb doch, ob drei ergraute Knaben im Rentenalter und der glatzköpfige Sohn ihres toten Schlagzeugers dem ganzen Bohei gerecht werden konnten. Diese Gang, die auch dafür legendär war, zu ihren Glanzzeiten in den Siebzigern die Puppen tanzen zu lassen wie keine Band vor ihnen und kaum eine danach; die sich angeblich mit Scharen junger Damen vergnügte, Hotelsuiten am laufenden Band zertrümmerte und überhaupt die Mächte der Finsternis anbetete.

Und von denen nun berichtet wurde, dass sie sich mit Pilates frisch halten, ins Sonnenstudio gehen und für ihre Garderoben in der O2-Arena nicht Champagner und Koks sondern Pfefferminztee und Kaffee ohne Koffein geordert haben. Dass sich Jimmy Page, den nicht wenige für einen der besten Gitarristen der Rockmusik überhaupt halten, bei den Proben einen Finger brach, war auch kein gutes Omen.

Magie der ganz großen Wucht

Der Beginn des Abends war eher gruselig. Da spielten Bill Wyman, einst bei den Rolling Stones beschäftigt, und seine Rythm Kings mit allerlei prominenten Gästen wie Paul Rodgers oder Foreigner Bierzelt-Schunkel-Rock der einschläfernden Art. Aber als ziemlich genau um 21 Uhr Led Zeppelin loslegten, kam der Abend doch noch in Fahrt. Genauer gesagt lief erstmal ein Film, der alle Anwesenden daran erinnern sollte, was für legendäre Vögel sie nun bestaunen durften. Als dann die Gentlemen Jimmy Page, Robert Plant, John Paul Jones und Jason Bonham leibhaftig zu den Instrumenten griffen, machten sie ihrer Legende keine Schande.

Majestätisch ließen sie gut zwei Stunden lang die gruselige Mehrzweckhalle erbeben. Spielten all ihre Klassiker wie "Black Dog", "Whole Lotta Love" und natürlich "Stairway To Heaven". Und es war egal, dass Robert Plant die hohen Töne mit den Jahren abhanden gekommen sind und John Bonhams Sohn Jason nicht ganz die brachiale Kraft des Seniors geerbt hat.

Was die alten Knaben noch immer beherrschen, ist die Magie der ganz großen Wucht, eine Kraft, die ihnen manchmal die Melodie ersetzte, aber bis heute zu Recht noch nachgewachsene Generationen beeindruckt. Auch auf die großen Gesten verstehen sie sich noch wie kaum einer ihrer Konkurrenten, damals wie heute. So wirkt es nicht mal peinlich, wenn Jimmy Page bei "Dazed And Confused" entrückt in einer Pyramide aus grünen Laser-Strahlen seine Gitarre virtuos bearbeitet. Es schien durchaus Euphorie auf der Bühne zu herrschen und die größte Kunst der Musiker bestand eben darin, das Spektakel nicht zu einer öden Nostalgie-Show verkommen zu lassen, sondern energisch zu klingen.

Goldenes Zeitalter der Musik

Immerhin: Sie waren hier zusammengekommen, um ihren alten Mentor Ahmet Ertegun zu ehren, einen König der Musikindustrie, der einst die Plattenfirma Atlantic gründete und im vergangenen Jahr starb. Und so verabschiedeten Led Zeppelin in der vergangenen Nacht eben auch ein goldenes Zeitalter der Musik. Die Sechziger und insbesondere die Siebziger, als sie noch keinen Tee tranken, keine Falten hatten und das Internet noch nicht die Umsätze fraß. Warum der Mythos von Led Zeppelin bis ins neue Jahrtausend Bestand hat, wurde gestern nachdrücklich klar. Nach zwei gloriosen Stunden blieb nur die Frage, ob das nun ein Finale oder ein Neuanfang war. Ob sich die Gerüchte einer Welttournee bestätigen, oder nun alles beerdigt ist.

Zumindest Jimmy Page ließ nach der Show verkünden, dass er und sein Finger erstmal einen Urlaub brauchen.



insgesamt 302 Beiträge
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Seite 1
Shlomo 13.09.2007
1.
Nee, kein Interesse. Der Schlagzeuger John Bonham, die geniale Rhythmusstütze der Band, ist tot, da gibt es kein glaubwürdiges Comeback der Gruppe. Vielleicht sollten es die Übriggebliebenen mit einem Musical im Westend versuchen ;-)
altebanane 13.09.2007
2.
Dat wär mir zu teuer. Vor allem weil Robert Plant schon vor ca. 10 Jahren ganz alleine auf dem Bizarre war und die Led Zeppelin Songs dort auch ohne den Rest der Truppe ganz gut hinbekommen hat. Und da haben 3 ganze Tage nur 200 Mack gekostet ;).
vubler, 13.09.2007
3. happige Preise
Was sich derzeit alles reformiert und was für Konzerte alter Haudegen verlangt wird, geht auf keine Kuhhaut! Schon 100 € für Police empfand ich als Frechheit, aber anscheinend lassen sich einige Leute Nostalgie etwas kosten.... Was anderes: Im Spiegel-Bericht steht folgendes: "Für das Konzert zugesagt haben außerdem die Rock-Dinosaurier Pete Townshend von The Who, Bill Wyman von Foreigner sowie der schottische Sänger Paolo Nutini" Bill Wyman war bei Foreigner? So etwas!! Vor, während oder nach den Stones ? ;)
Volker Gretz, 13.09.2007
4.
Zitat von sysopLed Zeppelin vor dem Comeback: Es ist ihr erstes Konzert seit fast 20 Jahren, und Millionen Menschen wollen hin. Was denken Sie über die Reunion der legendären Band? Würden Sie wie in England umgerechnet 183 Euro Eintritt für Jimmy Page &/ Co. bezahlen?
Grundsätzliche ja. Allerdings dürfte es nichts mit dem grasierenden "Eventtourismus" zu tun haben - es müßte schon in der Nähe meine Wohnorts stattfinden. Eigentlich erstaunlich preiswert, wenn man in Betracht zieht das die Vollplayback-Madonna ähnliche Preise nimmt. Obwohl es immer ein Risiko ist, so ein Dinosaurierkonzert zu besuchen. Man kann sich selbst viele Illusionen und Legenden zerstören. Was wohl die Deutschland sucht den Super- / Pop- / Ultimativstar-Industrie auf diesen Erfolg reagiert? Noch etwas mehr Tanzausbildung? :-)))
kutowski, 13.09.2007
5.
Zitat von sysopLed Zeppelin vor dem Comeback: Es ist ihr erstes Konzert seit fast 20 Jahren, und Millionen Menschen wollen hin. Was denken Sie über die Reunion der legendären Band? Würden Sie wie in England umgerechnet 183 Euro Eintritt für Jimmy Page &/ Co. bezahlen?
nö, würde ich nicht. ich kann mir auch kaum vorstellen, dass plant mit fast 60 jahren die stimme hat. die zeit geht ja bekanntlich an niemandem vorbei ;-) ich behalte led lieber so in erinnerung, wie sie waren.
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