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Gestorben Lee "Scratch" Perry, 85

aus DER SPIEGEL 36/2021
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C. Brandon / Redferns / Getty Images

Keith Richards nannte ihn einmal den »Salvador Dalí der Musik«, die ganze Welt sei sein Instrument. Es gab zuletzt kaum einen lebenden Künstler, dem so viele Spielarten moderner Popmusik, von Postpunk über Hip-Hop bis zu elektronischen Tanzmusik, so viel zu verdanken hatten wie Lee »Scratch« Pery. In ärmliche Verhältnissen als Rainford Hugh Perry geboren, erarbeitete er sich mit Hits wie »Chicken Scratch« früh eine führende Rolle in der Ska- und Reggae-Szene auf Jamaika. In den Siebzigerjahren entwickelte er sich zu einem gefragten Produzenten, der in seinem Studio in Kingston tagsüber Stücke von Künstlern wie Bob Marley, Max Romeo oder Augustus Pablo produzierte – und nachts in rauschaften Séancen und mit den einfachsten Mitteln die Musik in neue Universen auffaltete. Um dem Klang höhere Weihen zu verleihen, pustete Perry Marihuana auf Tonbänder, nahm das Rauschen der Palmen auf oder das Singen der Zikaden. Er probte die Kunst des Sampling und führte den Raum ein in die Popmusik und mit dem Raum das Echo, wodurch er die Stilrichtung Dub erfand. Robert Palmer, The Clash oder Paul McCartney nahmen seine Dienste in Anspruch. Weil er überzeugt war, es sei von Dämonen besessen, setzte er 1979 sein Black-Ark-Studio in Brand. Danach arbeitete er mit The Orb oder den Beastie Boys, züchtete sehr starkes Marihuana auf dem Dach seines Hauses in Jamaika, veröffentlichte in rascher Folge unermüdlich weiter Platten, bis zuletzt. Denn »ohne Musik«, sagte er einmal, »sind wir alle schon tot«. Lee »Scratch« Perry starb am 29. August in Lucca auf Jamaika.

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