Lennon-Editionen Zum Geburtstag viel - aber wenig Glück

Am 9. Oktober hätte John Lennon seinen 70. Geburtstag gefeiert - für die Plattenfirmen Gelegenheit, zahlreiche Boxen mit Altbekanntem auf den Markt zu werfen - garniert mit dem üblichen Wischiwaschi-PR-Quatsch. Immerhin: Manche seiner Alben werden spannender, je weiter sie zurückliegen.

AP

Die Lennon-Industrie ist quicklebendig ist und stellt zu jedem möglichen Jubiläum selbstverständlich allerlei "neue" Tonträger bereit. Wäre John Lennon nicht vor dreißig Jahren erschossen worden, wäre er am 9. Oktober siebzig Jahre alt geworden, und das ist wieder eine schöne Gelegenheit für die Plattenfirma, Wiederauflagen in neuer Verpackung auf den Markt zu bringen.

So wurden bereits acht Lennon-Solo-Alben wie "Imagine" oder "Mind Games" im Lennon-Mix neu abgemischt und restauriert; die Vier-CD-Box "Gimme Some Truth" mit Altbekanntem zusammengestellt, und ein CD/DVD-Doppelpack namens "Power To The People - The Hits" mit Lennon-Dauerbrennern wie "Jealous Guy" komplettiert. Für betuchtere Lennonnisten gibt es als Krönung die "Signature Box" mit den neu gemischten Alben plus zwei Bonus-CDs, Büchlein und Kunstdruck.

Würdevoll gealtertes Werk

Nach dem spektakulären Verkaufserfolg der aufgepimpten Beatles-Werke soll nun also rechtzeitig zu Weihnachten das Solo-Werk von John Lennon in die Läden kommen. Und was die Musik angeht, ist John Lennon auch in diesem Jahrtausend noch interessant, manche seiner Alben werden sogar spannender, je länger sie zurückliegen. So wie das einst unter äußerst turbulenten Verhältnissen mit dem irren Produzenten Phil Spector eingespielte "Rock'n'Roll"-Album voller Coverversionen. Auch "Walls And Bridges" mit dem traumhaften "#9 Dream" ist immer wieder herrlich wiederzuentdecken.

Ja, selbst "Double Fantasy", Lennons letztes zu Lebzeiten veröffentlichtes Werk, ist erfreulich würdevoll gealtert. Dass die Achtziger-Jahre-Produktion dieser finalen Songs unter Fans stets umstritten war, registrierte auch Yoko Ono und beschloss, das Album entschlacken zu lassen. Die "Stripped Down"-Version von "Double Fantasy" ist tatsächlich ein Gewinn und lässt Songs wie "(Just Like) Starting Over" oder "Watching The Wheels" frisch und kraftvoll erstrahlen.

Ärgerlich dagegen ist die Veröffentlichungspolitik. Denn alle diese feinen Lennon-Platten wurden vor gut fünf Jahren schon mal "remastered" unters Volk gebracht. Auch damals wurde damit geworben, dass "Yoko Ono persönlich" die Überarbeitung überwacht habe - was immer das bedeuten mag (Spirituell aus dem Dakota Building heraus? Oder mit strengem Blick neben dem Mischpult?). Ein klanglicher Unterschied zwischen beiden Editionen ist für normale Ohren jedenfalls nicht auszumachen, und die hier beschworenen "John's Original Audio Mixes" sind auch nur ein Wischiwaschi-PR-Quatsch wie die sogenannten "Premium"-Biere. Ein interessanter Unterschied der beiden CD-Editionen besteht allerdings darin, dass die vor einigen Jahren dazuaddierten (und teilweise spannenden) Bonus-Lieder jeder CD für die aktuelle Auflage ersatzlos gestrichen wurden. Gut, diese Edition wird als Digipacks gefertigt, dass die Coverbilder aber teilweise (zum Beispiel "Milk And Honey") ausschauen wie schlechte Farbkopien, sei nur am Rande erwähnt.

Julian Lennon schwurbelt über Johns Einsatz für den "Frieden"

Dünn sind auch die Kaufargumente für die "Signature Box": Das "rare", hier exklusiv beigepackte Doppel-Set enthält auf CD1 fünf "Singles" wie "Instant Karma (We All Shine On)" oder "Happy Xmas (War is Over)", die wohl jeder Interessierte hat, CD2 bietet 13 "Studio Outtakes/Home Recordings", von denen die Hälfte bereits in der letzten Lennon-CD-Box zu haben war. Das beigepackte Büchlein ist nett, aber egal, das Faltblatt mit "Essays" von Yoko und Sean und Julian Lennon reine Papierverschwendung. Insbesondere Julian, der bis vor kurzem noch jammerte, was für ein Rabenvater John Lennon war, schwurbelt nun über dessen Einsatz für "Frieden". Besonders abgeschmackt wird die Box durch den Umstand, dass "Double Fantasy - Stripped Down", die einzig interessante "neue" Platte, nicht beigepackt wurde, sondern extra dazugekauft werden muss.

Jeder Mensch, der über den Kauf der "Signature Box" überhaupt nur nachdenkt, sollte wissen, wie berstend voll die Archive mit unveröffentlichter Lennon-Musik sind. Davon zeugen Unmengen illegaler Tonträger und unzählige Blogs im Internet, was die Veröffentlichungspolitik noch unerfreulicher macht. Egal: Lennons 70. Geburtstag ist sowieso läppisch. Spannend wird es zum 80. Oder spätestens zum 100., zu dem dann wohl die "Super-Definitive-Ultimative-Box" mit neuem "Remastering" droht.



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faustjucken_tk 01.10.2010
1. ...
Ekelhafte Beutelschneiderei. Würde Lennon noch leben, er würde auf die Plattenbosse pissen. Seine Yoko hätte er längst zum Teufel geschickt, um mit Schwedischen Models durch die Gegend zu ziehen. Er hätte sich immer noch nicht mit Paul versöhnt, wäre immer noch wütend. Und vor allem hätte er NIEMALS TV-Werbung für Autos gemacht.
1895olé 01.10.2010
2. 80er Jahre Produktion
Soso, die "Achtziger-Jahre-Produktion" von Double Fantasy war unter "Fans" stets umstritten. Doof nur, dass das eine Achtziger-Jahre-Platte war. Und man kann zur Musik dieser Dekade stehen wie man will, eins ist aber unbestritten; man erkennt Achtziger-Jahre-Musik als solche. Wenn Double Fantasy jetzt entschlackt wird, dann hätte Yoko das auch "Double Fantasy - The Remix Album" nennen können, nur das hätte dann wahrscheinlich kaum einer gekauft. Bei der "Stripped Down" - Version können wir uns aber einbilden, dass jetzt endlich der wahre Kern dieser Lieder zum Vorschein kommt. Suuuper - wo geht es zum nächsten Plattenladen?
schna´sel, 01.10.2010
3. Happy Birthday
Zitat von faustjucken_tkEkelhafte Beutelschneiderei. Würde Lennon noch leben, er würde auf die Plattenbosse pissen. Seine Yoko hätte er längst zum Teufel geschickt, um mit Schwedischen Models durch die Gegend zu ziehen. Er hätte sich immer noch nicht mit Paul versöhnt, wäre immer noch wütend. Und vor allem hätte er NIEMALS TV-Werbung für Autos gemacht.
Genau und auch nicht für die Bildzeitung... Aber die Chance dafür dass es so optimal gelaufen wäre, ist denkbar gering. Dafür spricht die Tatsache, dass es äußerst wenig Popstars gibt, die alt geworden sind und sich nicht haben verbittern lassen und)oder am Ende doch durch das haben einkaufen lassen gegen das sie angetreten sind mit ihrem Anspruch. Happy Birthday trotzdem posthum lieber John
ignazwrobel 01.10.2010
4. Nicht wichtig
Ich war und bin auch Heute kein Fan der Beatles und, oder John Lennon. Daher ist es mir völlig egal welche Songs wie oft schon remastert wurden. John Lennon ist tod. Laßt ihn ruhen.
joswig 01.10.2010
5. Aha.
Zitat von ignazwrobelIch war und bin auch Heute kein Fan der Beatles und, oder John Lennon. Daher ist es mir völlig egal welche Songs wie oft schon remastert wurden. John Lennon ist tod. Laßt ihn ruhen.
Achso. Warum lesen und kommentieren Sie dann einen Artikel über Lennon?
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