"Live 8"-Konzert Pink Floyd versöhnen sich mit Roger Waters

Wiedervereinigung für den guten Zweck: Pink Floyd, Supergruppe der siebziger Jahre, wird bei Bob Geldofs Benefiz-Konzert "Live 8" erstmals wieder gemeinsam mit Roger Waters auftreten. Angesichts der Armut in der Dritten Welt halten die Briten ihre Streitigkeiten für nichtig.

London - Pink Floyd gelten als Prototypen des psychedelischen Bombast-Rocks. Die Band, wiewohl bereits in den späten Sechzigern gegründet, erlangte erst Anfang der siebziger Jahre nach der Trennung von ihrem genialischen Bandleader Syd Barrett Weltruhm. Der geistig labile Barrett wurde ersetzt durch den Gitarristen Dave Gilmour; kurz darauf feierte das träumerische, elektronisch-verspielte Album "Dark Side Of The Moon" (1973) vor allem in den USA Erfolge. Noch heute gilt es als das Rock-Album mit der längsten Ausdauer in den Billboard-Charts. Die Alben "Wish You Were Here" (1975) und das Konzeptwerk "The Wall" (1979) untermauerten den Supergroup-Status Pink Floyds endgültig.

Doch das Glück währte nicht lange. Bereits Anfang der Achtziger waren die Bandmitglieder - Roger Waters (Bass), Nick Mason (Drums), Rick Wright (Keyboards) und Dave Gilmour (Gitarre) - restlos zerstritten. Vor allem Waters sorgte für Unruhe, weil er die künstlerische Kontrolle über Musik und Songtexte an sich reißen wollte. Das erste Album unter Waters' alleiniger Ägide, "The Final Cut" (1983 erschienen), konnte jedoch nicht überzeugen. Die Band löste sich auf, und die beiden Fraktionen - Waters auf der einen, Gilmour, Mason und Wright auf der anderen - verstrickten sich in langwierige Streitereien um Songrechte und den Namen Pink Floyd. Der letzte gemeinsame Auftritt der Band fand 1981 im Londoner Earl's Court statt.

Am Ende unterlag Waters vor Gericht und musste mitansehen, wie seine früheren Bandkollegen als Pink Floyd mit dem Album "Momentary Lapse Of Reason" (1987) Erfolge feierten, während er selbst ohne große Resonanz an einer Solo-Karriere bastelte. Einziger Höhepunkt in Waters' Post-Floyd-Laufbahn war die Inszenierung des Live-Spektakels "The Wall" an der Ruine der Berliner Mauer (1990). Doch auch der Rest der Band konnte nie wieder an frühere Glanzzeiten anknüpfen. Das Album "The Division Bell" (1994), das bisher letzte Album der Band, eroberte zwar die Charts, brachte der Rockmusik aber kaum neue Impulse.

In den letzten Jahren sind die Wunden offenbar etwas verheilt. Zumindest für einen guten Zweck wollen Waters und Pink Floyd wieder gemeinsam auf die Bühne: "Wenn unser Zusammenkommen die Aufmerksamkeit für die Not in Afrika verstärken kann, ist das gut", zitierte die Zeitung "Daily Mirror" Dave Gilmour. "Alle Streitereien der Vergangenheit, die Roger mit der Band gehabt haben mag, sind demgegenüber so unbedeutend." Auch Bassist Roger Waters freute sich, mit der Wiedervereinigung der Band das Medieninteresse "auf Themen wie Verschuldung und Armut in der Dritten Welt" lenken zu können.

Außer Pink Floyd werden im Londoner Hyde Park unter anderem Bono, Paul McCartney, Elton John, Coldplay, Madonna und Robbie Williams auftreten. Die Veranstalter rechnen mit 150.000 Besuchern. Vier Tage später veranstaltet Geldof zusammen mit Midge Ure in Edinburgh (Schottland) ein weiteres Konzert, gleichzeitig mit dem Gipfeltreffen der Regierungschefs der sieben reichsten Industrienationen und Russland (G8) im nahe gelegenen Gleneagles. Für das Konzert im Rugby-Stadion Murrayfields werden über 80.000 Besucher erwartet.

Geldof, der einst im Pink-Floyd-Kinofilm "The Wall" mitspielte, hatte bereits vor 20 Jahren das weltweit übertragene "Live Aid"-Konzert zur Bekämpfung des Hungers in Afrika organisiert. Die jetzigen Veranstaltungen sollen Druck auf die Politik ausüben und zu Beschlüssen über eine Verdoppelung der Entwicklungshilfe sowie gerechteren Handelsbedingungen für die armen Länder führen.

Doch nicht nur in England soll für die gute Sache musiziert werden. Geldof plant das "größte Popkonzert" aller Zeiten und veranstaltet parallel zum Hyde-Park-Spektakel Konzerte in Paris, Rom, Philadelphia, Ottawa, Tokio und Berlin. Vor dem Brandenburger Tor sollen am 2. Juli unter anderen Green Day, Brian Wilson, Wir sind Helden und die Toten Hosen auftreten.

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