"Live 8" Sponsorengeiz blamiert Berlin

Für das "Live 8"-Konzert in Berlin haben sich nach Angaben des Veranstalters keine deutschen Sponsoren gefunden. Weder das Land noch der Bund hätten "einen Finger krumm gemacht", sagte Marek Lieberberg der "Süddeutschen Zeitung". Die Kritisierten wiesen die Vorwürfe heute zurück.


"Live 8"-Initiator Bob Geldof: Probleme made in Germany
REUTERS

"Live 8"-Initiator Bob Geldof: Probleme made in Germany

Frankfurt - Deutschland werde am 2. Juli als einziger Teilnehmerstaat der "Live8"-Konzertreihe ohne die Unterstützung inländischer Firmen auskommen müssen, kritisierte Veranstalter Marek Lieberberg. "Man ist dabei sich furchtbar zu blamieren", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Einzig die ARD, die die Auftritte im Fernsehen und im Radio überträgt, habe sich finanziell und logistisch sehr engagiert.

In den USA und England herrsche seitens der Politik und der Großkonzerne "eine unglaubliche Hilfsbereitschaft, was diese Sache angeht", sagte er der "Süddeutschen Zeitung" ("SZ"). Als Deutscher könne man sich da vor den Organisatoren anderer Länder "leider nur schämen". Wirtschaft und Politik würden durch "Geiz, Ignoranz und wilhelminischen Absurd-Bürokratismus" glänzen.

Nicht unschuldig an der drohenden Blamage für die Hauptstadt seien auch die Stadt Berlin und der Bund, so Lieberberg: Weder der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit noch der Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (beide SPD) hätten "wirklich einen Finger krumm gemacht. Seit Beginn unserer Bemühungen für das deutsche Konzert zappeln wir in einem Netz aus Geiz, Desinteresse und einer behördlichen Hin- und Herschieberei in Berlin; das ist ein Netz, das es so in keiner anderen Metropole gibt".

Der Bundestag und das Land Berlin haben die Vorwürfe heute zurückgewiesen. Wolfgang Thierse habe zu keinem Zeitpunkt einen Antrag von Marek Lieberberg erhalten, sagte heute ein Sprecher des Bundestagspräsidenten. Auch der Berliner Senat reagierte mit Unverständnis auf die Kritik. Berlin habe sich sehr engagiert, damit das Benefiz-Festival an der Siegessäule organisiert werden könne.

Die Veranstaltung in Berlin soll am 2. Juli zeitgleich mit Konzerten in London, Philadelphia, Paris, Rom, Tokio und Ottawa stattfinden. Lieberberg, der seit den siebziger Jahren Konzerte organisiert und als führender Veranstalter in Deutschland gilt, wurde der "SZ" zufolge vor fünf Wochen von seinem langjährigen Freund Bob Geldof gebeten, die Organisation für den Berliner Teil der Veranstaltung zu übernehmen.

Durch "Live 8" soll der Druck auf die Regierungen der G8-Staaten erhöht werden, die Entwicklungshilfe in Afrika zu verbessern und Handelsbeschränkungen sowie Schuldenerlasse vorzunehmen. Sämtliche Musiker - darunter Green Day, Herbert Grönemeyer und Brian Wilson - wie auch die Veranstalter arbeiten für die "Live8"-Konzerte unentgeltlich. Die Erlöse gehen direkt in Geldofs Entwicklungshilfefonds www.makepovertyhistory.com.

Geschmälert werden die Gewinne, etwa aus dem Verkauf von CD-Rechten, durch die Kosten für Bühnenbauten oder die Sicherheit. Rund eine Million Euro sollen auf der Ausgabenseite zusammen kommen.



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