Live Earth Klima-Konzert in Rio vor Absage

Nach Istanbul muss nun auch Rio de Janeiro um sein "Live Earth"-Konzert fürchten. Die Polizei ließ das für Samstag geplante Spektakel per Einstweiliger Verfügung verbieten: Für die Sicherheit der rund 700.000 erwarteten Besucher könne nicht garantiert werden.


Rio de Janeiro - Die Polizei hatte erklärt, sie habe nicht genügend Beamte, um die Sicherheit der Konzertbesucher zu garantieren. Ein Gericht erließ daraufhin eine einstweilige Verfügung gegen das Konzert.

"Live Earth"-Vorbereitungen an der Copacabana: 700.000 werden erwartet
REUTERS

"Live Earth"-Vorbereitungen an der Copacabana: 700.000 werden erwartet

Die Organisatoren des kostenlosen Spektakels an der Copacabana, zu dem rund 700.000 Gäste erwartet werden, erklärten, sie versuchten, das Verbot noch abzuwenden, damit Lateinamerika an der Veranstaltung beteiligt bleibe. Am kommenden Samstag wollen mehr als 150 der größten Rock- und Popstars zur Rettung des Weltklimas auftreten. Für Rio waren unter anderem Auftritte von Lenny Kravitz, Macy Gray, Pharrell Williams, MV Bill und Jorge Ben angekündigt.

Doch die brasilianische Metropole leidet seit Wochen unter Gewaltausbrüchen. Erst gestern kam es auf offener Straße erneut zu einem heftigen Schusswechsel zwischen Drogenhändlern und der brasilianischen Polizei, bei dem ein Beamter und ein unbeteiligter Passant verwundet wurden. Vergangene Woche tötete die Polizei bei einer Großrazzia in den Favelas etwa 20 Menschen. Erschwerend für die Behörden kommt hinzu, dass in Rio am 13 Juli die Panamerica-Spiele beginnen, an denen 5500 Sportler aus Nord- und Südamerika teilnehmen. 800.000 Touristen werden allein deshalb in Rio erwartet. Die Polizei habe schon jetzt alle Hände voll zu tun, erklärte die Staatsanwaltschaft laut Reuters. Für Live Earth könnten nicht auch noch Beamte abgestellt werden. Die Veranstalter beteuern hingegen, für die nötige Sicherheit gesorgt zu haben.

Nach dem Willen der Organisatoren soll mit dem 24-stündigen Spektakel in New York, London, Johannesburg, Schanghai, Sydney, Hamburg und Rio de Janeiro "eine globale Bewegung zur Lösung der Klimakrise" ausgelöst werden. In der Antarktis will eine Wissenschaftlerband spielen, um das Festival auf allen Kontinenten stattfinden zu lassen.

Hinter "Live Earth" stehen der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore und der Konzertproduzent Kevin Wall, der bereits beim letztjährigen "Live 8" für Afrika mit dabei war. Das geplante "Live Earth"-Konzert in Istanbul wurde Ende Juni kurzfristig abgesagt. Als Grund gaben die Organisatoren einen Mangel an Sponsoren und Unterstützung seitens der Regierung an.

bor/AP/Reuters



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