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Roskilde-Festival 2016: Zweimal James und einmal Neil, bitte!

Foto: Roskilde Festival

+++ Roskilde-Festival +++ Macklemore & Ryan Lewis, Stormzy und Highasakite im Livestream

Wir streamen live vom Roskilde Open Air! An Tag drei u.a. mit Young Thug, Tenacious D und Biffy Clyro. Unser Autor fährt schon seit Jahren auf das legendäre dänische Festival. Hier erklärt er, warum.
Von Eberhard Spohd

Der Überblick für Freitag:

Channel 1

07:05 pm - Macklemore & Ryan Lewis (Encore)

08:35 pm - Mac DeMarco

09:50 pm - Biffy Clyro

10:10 pm - Stormzy

11:10 pm - Tal National

00:25 am - Highasakite

01:50 am - Young Thugh

Channel 2

07:15 pm - Tenacious D (Encore)

08:35 pm - Jacob Bellens

09:50 pm - Calypso Rose

11:05 pm - BadBadNotGood

00:05 am - Young Thug

01:05 am - Blaue Blume

02:20 am - Stormzy (Encore)

Alle Zeitangaben nach mitteleuropäischer Sommerzeit.


Wenn man morgens über das Gelände geht, freut man sich über die Ruhe. Ein paar Freiwillige räumen den Müll der Nacht weg. Schwer vorstellbar, dass wir und Zehntausende andere noch wenige Stunden zuvor genau hier allen Arten von populärer Musik gelauscht haben.

Aber um halb neun Uhr morgens wirken die Zeltreihen für die rund 110.000 Besucher unbelebt, und auch am eigens angelegten Teich haben sich nur ein paar Angler versammelt.

Seit 1971 pilgern jeden Sommer die Fans in die Stadt 35 Kilometer westlich von Kopenhagen, um mindestens vier Tage lang Livemusik zu hören. Das verdreifacht schlankweg die Einwohnerzahl und macht das Roskilde Festival wahrscheinlich zum am längsten bestehenden Open-Air-Event der Welt. Auch wenn damals der Begriff Event für solche Veranstaltungen noch nicht Usus war und Kommerz noch nicht im Mittelpunkt stand.

Wenigstens das hat sich bis heute nicht geändert: Nirgendwo sieht man die üblichen riesigen Werbetafeln für Koffeinbrause, kein Turnschuh-Megastore buhlt auf dem Gelände um Kundschaft, dafür bekommt der Hungrige die fettesten Schweinebratensandwiches, zubereitet von den Mitgliedern eines ortsansässigen Sportvereins. Nur Tuborg darf dezent damit werben, dass sie ganz schön viele Menschen mit ganz schön viel Bier versorgen.

Die besondere Roskilde-Atmosphäre

Bier ist übrigens ein Grund, warum ich diese Art von Festivals eigentlich nicht ausstehen kann. Zu viele Klischees, zu wenig Originalität. Zu viele klischeemäßig Betrunkene. Zu wenige gute Bands, zu viele zweitklassige Musiker, die in irgendwelche Timeslots gepresst werden, damit wenigstens immer Lärm herrscht. Das ist reiz- und herzlos, dafür muss ich mir dieses Massencamping mit Aggressionspotenzial wirklich nicht antun. Denn wenn quasi über Nacht eine kleine Großstadt entsteht, deren Bevölkerungsdichte 50.000 Menschen pro Quadratkilometer, also etwa dem Doppelten von Kalkutta, entspricht, ist das immer abschreckend.

Aber in Roskilde machen sie irgendwas anders. Sind entspannter. Dänischer wahrscheinlich. Das ist zwar genauso ein Klischee, aber natürlich ein viel sympathischeres. Aber es ist schon erstaunlich, wie friedlich, freundlich und hilfsbereit es hier zugeht. Das liegt unter anderem an den vielen Freiwilligen.

Denn was immer wieder in Vergessenheit gerät: Die Einnahmen des Festivals werden komplett an gemeinnützige und kulturelle Institutionen gespendet. Bis zum heutigen Tag wurden umgerechnet gut 35 Millionen Euro unter einer Vielzahl engagierter Menschen wie den Ärzten ohne Grenzen, Amnesty International, dem Flüchtlingsrat Schleswig Holstein oder - wie in diesem Jahr - für den Wiederaufbau des Golden Pudel Club in Hamburg verteilt.

Mit dabei: Red Hot Chili Peppers, Neil Young, PJ Harvey

Das ermöglichen die gut 30.000 Volunteers, die für ein Freiticket alle Arbeiten erledigen. Täglich werden viele Tonnen Müll und Exkremente bewegt und Dinge auf-, um- und abgebaut, angeliefert, verarbeitet und weggebracht. An den Eingangstoren auf das Gelände erwarten einen keine hünenhaften Anzuggorillas mit Knopf im Ohr, sondern lächeln einen freundlich junge Frauen an, während sie die Zugangsberechtigung prüfen.

Sogar der Stage Manager der Orange Stage, der größten Bühne, vor der 90.000 Menschen Platz finden, der Mann also, der alles und jeden Star im Griff haben muss, kommt jedes Jahr wieder und arbeitet kostenlos für das Vergnügen, Bruce Springsteen, Elvis Costello, Prince, Radiohead oder Slayer hautnah bei der Arbeit beobachtet zu haben. Auch das macht die besondere Atmosphäre aus.

Und natürlich die Kleinigkeit mit der Musik. Rund 180 Acts treten hier auf. Darunter sind große Nummern wie dieses Jahr zum Beispiel die Red Hot Chili Peppers, Neil Young oder PJ Harvey oder Damon Albarn, der zusammen mit dem Syrian National Orchestra for Arabic Music auftritt. Die nimmt man gerne mit und schaut sich ihre Shows an. Und wenn die dann einfach nichts taugen - ich sage nur The Cure! Grauenhaft und langweilig, ehrlich! -, dann geht man einfach weg und findet auf einer anderen Bühne bessere Sounds.

Denn das Roskilde Festival bietet mir die großartige Möglichkeit, einen Haufen mir komplett unbekannter Musiker aus der ganzen Welt kennen und schätzen zu lernen und ein paar, die ich mag, wiederzusehen.

Hier haben wirklich alle mal gespielt

Beim Frühstück am nächsten Tag erklärt man dann Fremden und Freunden, dass The Cure wirklich schlecht waren, dann wird einem vorgeworfen, dass der zweite Konzertteil, den habe man ja leider verpasst habe, viel besser gewesen sei, und dann geht es weiter mit Musik.

Erinnerungen häufen sich im Lauf der Jahre an, Töne werden mit flirrender Hitze und strömendem Regen und vertrauten Menschen und seltsamen Erlebnissen verbunden, kinästhetische Erfahrungen ohne Drogeneinsatz. Ein populärmusikalischer Schirm spannt sich auf, denn hier haben wirklich alle mal gespielt. Hier hört man schwere Beats und Bratzgitarrren und Weltmusik und Elektroexperimente und Folkgeklampfe und Soulröhren und unglaublich seltsame Töne, und über die Jahre vermischt sich dieser Klang zur eigenen Musikgeschichte.

Und wenn einem alles zu viel und laut wird, macht man einen Spaziergang. Roskilde ist ein wirklich entzückendes und typisch dänisches Städtchen. Imposant erhebt sich der Dom über dem Roskilde-Fjord. Die wuchtige Kirche mit ihren unzähligen dänischen Königsgräbern wurde 1995 zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt. Ihr Antwerpener Schnitzaltar ist ebenso sehenswert wie das Wikingermuseum und der dazugehörige Museumshafen mit seinen nachgebauten Wikingerschiffen an den Ufern des Fjords. Hier weht meist eine leichte Brise und die Luft ist etwas frischer als auf dem Festivalgelände.

Wir werden aufs Wasser schauen, über Pölser zum Mittagessen nachdenken - aus dem selbst gefangenen Fisch wird erwartungsgemäß nie was - und bereiten uns innerlich auf die abendlichen Auftritte von Wiz Khalifa oder Cattle Decapitation. vor. Wir sind ja schließlich zu unserem Vergnügen hier.

Falls Sie an diesem Wochenende keine Zeit für einen Kurztrip nach Dänemark haben: In Kooperation mit Red Bull TV streamt SPIEGEL ONLINE an dieser Stelle bis zum 1. Juli jeden Abend ausgewählte Auftritte vom Festival.

Eberhard Spohd erlebte seine Festival-Taufe 1988 beim Werner-Rennen in Hartenholm, seitdem fährt er nicht immer, aber regelmäßig nach Roskilde. Der Hobby-Imker liebt seinen Garten und lebt als freier Journalist in Berlin.

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