"Love And Theft" Bob Dylan und das ominöse Yakuza-Plagiat

Der Folksänger Bob Dylan wird mit einem obskuren Plagiatsvorwurf konfrontiert. Der japanische Autor einer 1989 veröffentlichten Gangster-Biographie behauptet, Dylan habe beim Schreiben der Texte seines letzten Albums "Love And Theft" bei ihm abgekupfert.

Los Angeles/New York - Allein der Song "Floater" enthalte ungefähr acht Zeilen, die scheinbar direkt aus seiner 1989 veröffentlichten Gangster-Biographie "Confessions Of A Yakuza" entnommen worden sind, behauptet der japanische Schriftsteller Junichi Saga laut einem Bericht des "Wall Street Journals". Saga beschuldigt den ehrwürdigen Folk-Barden Bob Dylan, 62, für sein jüngstes Album "Love And Theft" (2001) reichlich bei ihm abgekupfert zu haben. Passagen seines Buchs tauchten auch in vier anderen Songs des Albums auf.

Auf Seiten des Songwriters hält man sich zunächst zurück: "So weit ich weiß, ist Mr. Dylans Werk original", zitiert das "Wall Street Journal" Dylans Manager.

Dem japanischen Autor scheint es jedoch nicht um Schadenersatzforderungen oder gerichtliche Schritte zu gehen. Selbst wenn Dylan sich aus seinem Buch bedient habe, so Saga gegenüber dem "Journal", fühlte er sich eher geschmeichelt, dass der berühmte Sänger sein Buch offenbar gelesen und zu schätzen gewusst habe.

Der ebenfalls 62-jährige Mediziner hatte seine japanische Yakuza-Geschichte aus Erzählungen eines seiner Patienten, einem Gangster im Ruhestand, zusammengetragen und 1989 in Japan veröffentlicht. Das pseudo-biographische Werk verkaufte sich laut US-Magazin "Entertainment Weekly" jedoch sehr schleppend. Laut "Journal" hat Saga mit seinem Buch bis heute lediglich eine Million Yen verdient, ungefähr 8500 Dollar. Die 1991 veröffentlichte amerikanische Übersetzung verkaufte sich mit 25.000 Exemplaren öfter als das japanische Original.

So war auch der Auslöser der ganzen Affäre ein Amerikaner. Der 29-jährige Englischlehrer Chris Johnson, wie Dylan ein Abkömmling des US-Bundesstaats Minnesota, hatte Sagas Buch gelesen und die Parallelen zu Bob Dylans Songtexten entdeckt. Im Mai veröffentlichte er die Liste der von ihm gefundenen Überschneidungen auf seiner Website .

Saga ließ derweil verlauten, er würde sich darüber freuen, auf einer der nächsten Auflagen der CD mit einem Credit versehen zu werden. Die Bescheidenheit des Japaners kommt nicht von ungefähr. Durch die in den Medien verbreiteten Meldungen über Dylans vermeintliches Plagiat schoß sein angestaubtes Buch beim Internet-Buchhändler Amazon in der Bestellrangliste auf Platz 173.

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