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"LuxAeterna"-Konzerte: Die Elbphilharmonie lässt es leuchten

Foto: Louis Fernandez

"LuxAeterna"-Konzerte Endlich Harmonie an der Elbe

Finale Vorfreude macht sich in Hamburg breit, denn die Elbphilharmonie-Eröffnung hat nun einen festen Termin. Derweil rührt die Intendanz des Konzerthauses die Sympathietrommel mit vielen Konzerten. Die "LuxAeterna"-Reihe sticht dabei heraus.

Durchaus mehr als ein Licht am Ende des Elbphilharmonie-Tunnels entzündete jetzt Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz: Bei einer Baustellen-Pressekonferenz verkündete der Parteistratege pünktlich vor der kommenden Bürgerschaftswahl Mitte Februar 2015 den endgültigen Termin für das Eröffnungskonzert im einst umstrittenen Konzertsaal der HafenCity: Ab dem 11. Januar 2017 spielt dort die Musik! Man muss es wohl glauben, denn der Realpolitiker Scholz würde sich die Blöße einer weiteren Verschiebung kaum geben wollen. Der Kultur-Leuchtturm "Elphi", wie der Wellenbau auf dem alten Kaispeicher hier und da genannt wird, beginnt vorsichtig zu strahlen.

Musik unter dem Siegel der neuen Philharmonie gibt es hingegen schon seit Jahren, auf dem Kunst-Bufett zur Einstimmung wird stets üppig nachgelegt. Da passt der leicht übergeigte Titel "LuxAeterna" ("Ewiges Licht") der kommenden Februar-Konzertreihe zumindest als Beschwörungsformel, mit welcher der Elbphilharmonie-Intendant Christoph Lieben-Seutter am positiven Profil der teuren Konzertstätte meißelt. Wenn auch manchmal Musik-Events, die es sowieso gegeben hätte, einfach unter einen Themen-Hut gebracht werden, so wirkt das doch als klassischer Festival-Kniff: Die einzelnen Teile bekommen mehr Aufmerksamkeit als ohne diese Klammer. Im vergangenen Jahr bereits verbuchten die ersten "LuxAeterna"-Konzerte regen Zuspruch. Sanfte Reizworte wie Seele, Erkenntnis, Meditation und Einkehr mit einem Hauch von Erlösung harmonieren bestens mit klassischer Form und Weltmusik. Kunst und Marketing, das passt zur Kaufmannsstadt Hamburg.

Klangschalen und Kunstmarketing

In diesem Jahr - vom 3. Februar bis zum 2. März - wird also wieder ein sanft köchelnder Kessel Buntes angerichtet, den der chinesische Komponist Tan Dun mit seinem kristallklaren Opus "Water Passion" (2000 in Stuttgart uraufgeführt; danach u.a. in Rom, New York und Tokio zu hören) in der Katharinenkirche eröffnen wird. Klangschalen, Percussion und asiatische Spiritualität gepaart mit Einflüssen von Johann Sebastian Bach. Ein perfekter Start für die Erleuchtung per Kultur.

Am selben Ort präsentiert der Alte-Musik-Spezialist und Gambist Jordi Savall wenige Tage später sein philosophisch-historisches Programm rund um den Humanismus-Denker Erasmus von Rotterdam (1466-1536), zu dem der Katalane Anfang 2013 ein opulentes und vielseitiges Album veröffentlichte.

Dazu sollte man mal wirklich in die Kirche gehen: Savalls Konzerte mit seinem Spezialisten-Ensemble vereinen technische Perfektion und filigrane Klangarchitektur, wie sie sich vor allem in sakraler Akustik optimal entfaltet. Bereits am 5. Februar gibt Jordi Savall im Hamburger Michel ein Konzert zum Thema "Krieg und Frieden", bei dem Werke aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges interpretiert werden. Zehn Sänger und Sängerinnen umfasst sein Ensemble "Hespèrion XXI", dazu vier Instrumental-Solisten neben dem Chef an der Viola da Gamba.

Der wilde Tanz ums Opfer

Aber auch eine alternative Spielstätte in Gestalt der populären Kampnagelfabrik wird einbezogen. Die Botschaft der Elbphilharmoniker ist klar: Wir sind Hamburg! Mit Kampnagel geht es gegen den alten Vorwurf, nur ein teurer und elitärer Ort zu sein: Das ist nett gedacht, aber durchsichtig. Immerhin bieten dort die vier Auftritte der wilden Ballett-Company des Londoner Choreografen Akram Khan vom 12. bis 15. Februar aufregendes Tanztheater auf der Höhe der Zeit. Elf Tänzerinnen und Tänzer variieren das Thema "Opfer" - natürlich mit Igor Strawinskys "Sacre du Printemps", ergänzt durch die biblische Geschichte von Abraham und Sohn. Unter dem Titel "iTMOi" ("In the Mind of Igor") firmieren die Kompositionen von Nitin Sawhney, Jocelyn Pook und Ben Frost, die der Company die Basis zu packenden Tanz-Eruptionen liefern.

Elektronik und Multimedia

Im Medienbunker an der Feldstraße - noch so ein Gegenpol zum Elite-Image - tritt der Libanese Radwan Ghazi Moumneh mit seinem Projekt "Jerusalem in my Heart" auf (9. Februar). Er betrachtet arabische Musik durch den elektronischen Trance-Filter, angereichert mit Multimedia-Elementen.

Auch die Hamburger Avantgarde-Truppe Ensemble Resonanz - verstärkt durch Burgschauspielerin Birgit Minichmayr - ist dabei, der großartige NDR-Chor, natürlich Thomas Hengelbrock mit seinem NDR-Orchester, dazu das "Gurdjieff Folk Instruments Ensemble", der Elektronik-Pionier Hans-Joachim Roedelius und einige mehr. Dass diese bunte Patchwork-Kultur dann 2017 in der Elbphilharmonie ihre Fortsetzung findet, kann man nur hoffen. Im Moment zumindest sorgt sie für gute Unterhaltung.


"LuxAeterna". Hamburg, 3.2.-2.3. an verschiedenen Spielorten. Weitere Termine sind auf der Website der Reihe  zu finden.