Machtkampf um Bayreuth Nike Wagner läutet nächste Runde ein

Der Countdown für die Nachfolge Wolfgang Wagners läuft: Bevor am 1. September über die neue Festspielleitung beraten wird, bekräftigt Nike Wagner nochmals ihre Ambitionen - sie will Cousine Katharina als Chefin des Grünen Hügels verhindern.


Bayreuth - Wer regiert künftig den Grünen Hügel? Wenn es nach Medienpräsenz ginge, säße Katharina schon längst auf dem Thron. Doch jetzt meldet sich Nike Wagner wieder zu Wort: Sie will verhindern, dass ihre Cousine Katharina neue Chefin in Bayreuth wird. Wenige Tage vor der möglichen Entscheidung über die künftige Festspielleitung versucht sie die Ernennung der 30-Jährigen zu verhindern: "Ich weiß, dass die drei anderen Stämme der Wagner-Familie unglücklich sind mit Katharina Wagner", sagte die Leiterin des Weimarer Kunstfestes in einem Interview mit NDR Kultur. "Jetzt ist die Chance, die Sache wirklich noch einmal zu ändern, und ich bemühe mich darum, einen Konsens für eine andere Lösung herbeizuführen."

Nike Wagner: Betont eigene Ansprüche
DPA

Nike Wagner: Betont eigene Ansprüche

Ihren eigenen Anspruch hat die 63-Jährige bekräftigt: "Bayreuth gehört ja sozusagen zu meinem alten Erbe, zu meinem alten Engagement, und ich bleibe dran", sagte sie im NDR.

Wolfgang Wagner wird zum Ende der diesjährigen Bayreuther Festspiele am 28. August, zwei Tage vor seinem 89. Geburtstag, als Festspielleiter verabschiedet. Damit geht eine Ära zu Ende - er herrschte seit 1966 auf dem Grünen Hügel.

Seine Töchter Katharina und Eva Wagner-Pasquier bewerben sich gemeinsam um seine Nachfolge. Der Vater selbst hatte die Doppelspitze als mögliche Nachfolger ins Spiel gebracht.

Am 1. September wird der Stiftungsrat der Festspiele über die künftige Festspielleitung beraten. Der Wagner-Clan hat in dem Gremium vier Stimmen, verteilt auf die Geschwister Wolfgang, Verena, Wieland (gestorben 1966) und Friedelind (gestorben 1991) beziehungsweise deren Nachkommen. Nike ist die Tochter von Wieland Wagner.

Die Konzepte von Katharina und Eva auf der einen und Nike auf der anderen Seite liegen dem Gremium vor. Beide sehen eine behutsame Veränderung der Festspiele vor. Theoretisch können sich noch neue Kandidaten um die Festspielleitung bewerben: Die viermonatige Frist läuft erst am 31. August ab.

Katharina Wagner kümmert sich derweil nicht um Cousine Nike, sondern um andere Familienmitglieder: Sie möchte ihren 61-jährigen Halbbruder Gottfried zum ersten Mal treffen. "Mir geht es um eine Begegnung mit Gottfried, ich würde gerne seine Familie kennenlernen", sagte sie der Zeitschrift "Bunte".

Gottfried Wagner hatte sich mit seinem Vater Wolfgang Wagner überworfen und in seinem Buch "Wer nicht mit dem Wolf heult" mit ihm abgerechnet. Er fordert, die Verstrickung der Festspiele mit dem Nazi-Regime aufzuarbeiten. Dafür sollten laut Gottfried Wagner die Archive im Festspielhaus geöffnet werden, wo er brisante Unterlagen vermutet.

Katharina Wagner hat prinzipiell nichts gegen seine Forderungen. Sie würde sich einer seriösen Aufarbeitung durch unabhängige Historiker nicht in den Weg stellen, wie sie sagte. Um die Bewältigung der Vergangenheit könne man sich nicht drücken. "Ich bin mir bloß nicht sicher, ob diese Akten existieren", sagte sie.

bfr/dpa



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