Pop! Das Madonna-Leck

Wer hat die neuen Platten von Madonna und Björk vorab ins Netz gestellt? War das nur ein PR-Coup? Warum verhöhnt Neil Young Vinyl-Käufer? Und warum klingt digitale Musik doch am besten?

AP

Auf Diebestour

Es ist schon erstaunlich, dass zwei der meist erwarteten Alben dieses Jahres vorab von skrupellosen Gestalten ins Internet eingespeist wurden: Erst erwischte es Madonna, deren neues Werk "Rebel Heart" eigentlich erst im Frühsommer erscheinen sollte, aber bereits um die Weihnachtszeit herum ins Netz einsickerte. Vor einigen Wochen war dann auch Björk dran, als ihr aktuelles Album "Vulnicura" früher als geplant durch Blogs und Tauschbörsen geisterte. Während Madge tobte und über "künstlerische Vergewaltigung" lamentierte, nahm ihre isländische Kollegin den Vorfall sportlich und schob den illegalen Links flugs eine legale Version nach. Wobei es Madonna wohl härter traf, weil ihr Album, im Gegensatz zu Björks "Vulnicura", eben noch nicht fertig produziert war.

Trotzdem werfen beide Vorfälle ähnliche Fragen auf: Wie "lecken" eigentlich einst in analogen Vorzeiten so gut gehütete Geheimnisse wie gewichtige neue Tonträger ins Netz? Und wer sind die zwielichtigen Existenzen, die dafür verantwortlich sind? Und schadet das nun den Umsätzen oder ist es letztlich doch nur tolle Werbung? Ein Autor des britischen "Fact"-Blogs hat sich die Mühe gemacht und mit einigen Experten aus der Musikbranche über solch gewichtige Fragen gesprochen und einen kurzweiligen Text dazu verfasst. Die einen verdächtigen Journalisten, andere glauben an Löcher im Vertrieb. Und wieder andere glauben, dass Profis dahinter stecken, denen es um Anzeigenerlöse auf den Plattformen geht, auf denen die geklauten Alben stehen.

Mode-Irrtum?

Bei den letzten aufrechten Musikliebhabern, die tatsächlich noch Geld in Tonträger investieren, hat die Vinylplatte ein erstaunliches Comeback hingelegt. Ein Phänomen, das der verlässlich streitbare Veteran Neil Young nun als hohles "Fashion Statement" abtut. Das Problem mit vielen, neuen Schallplatten sei doch, dass sie nur "in Vinyl gepresste CDs" sind, weil ihr Ursprung nun mal digitale Aufnahmen sind, wetterte der Rocker jüngst in einem Radio-Interview. Was er wohl meinte, ist, dass die meisten Menschen solche akustischen Nuancen eh nicht raushören. Vermutlich hat er aber auch einfach nur finstere Laune, weil das von ihm entwickelte neue Musikabspielgerät namens "Pono" den Markt bislang noch nicht aufgerollt hat.

Vielleicht ist aber auch der leidenschaftlich ausgetragene Zank, ob Musik nun digital oder analog besser klingt, letztlich Zeitverschwendung. Wer demnächst mal in einem Plattenladen oder beim HiFi-Fachhändler einen Streit vom Zaun brechen will, dürfte Freude an diesem Text über die Vorzüge Digitaler Musik haben. Da weisen einige ausgewiesene Experten darauf hin, dass das menschliche Ohr viele Nuancen gar nicht mehr wahrnimmt und dass es letztlich nur eine Frage des Geschmacks sei, welche Aufnahmetechnik jemand bevorzugt: "Manche Menschen mögen Marmelade, andere Senf." Guten Appetit!

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insgesamt 14 Beiträge
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spon-453-7coi 13.02.2015
1. Da hat der gute alte
Neil Young nicht ganz unrecht, siehe die Beatles Stereo- und Mono Boxen. Ansonsten ist der Artikel wieder einmal extrem flach, SPON-like eben.
knarfo 13.02.2015
2. Neil Young meint etwas anderes
"Was er wohl meinte, ist, dass die meisten Menschen solche akustischen Nuancen eh nicht raushören." Nein, das ist sicherlich nicht das, was er meinte. Der Qualitätsverlust von digitalen Aufnahmen passiert beim Wandeln - da werden je nach Quantisierung und Abtastrate die Klänge bildlich gesehen in ein ganz feines "Raster" gepresst. Und damit kommt es zu minimalen Abweichungen vom tatsächlichen Klang. Da heute quasi fast ausschließlich digital aufgenommen wird - passiert die Wandlung quasi schon in einem ganz frühen Stadium der Produktion. Ein späteres Pressen dieser Aufnahmen auf Vinyl ändert nichts daran, dass minimale Digitalisierungsfehler dann auch dort drin sind. Ob man die Unterschiede nun zu hören vermag oder nicht, ist eine ganz andere Geschichte. Klugscheiß Ende...
Kappi 13.02.2015
3. Neil Young hat recht.
In der guten alten Zeit wurde die analoge Übertragungskette nie verlassen. Wenn also jemand ins Mikro sang ging das zwar durch unzählige Transistoren, wurde komprimiert, equalisiert, etc, landete dann aber beim Mastering ohne digitale Wandlung auf der Vinylmutter und wurde damit vervielfacht. Das war einmal. Wenige moderne Acts wie zB. Daft-Punk, Jack White gehen den heutzutage unbequemen und teuren Weg der ununterbrochenen Analogkette. Selbst bei den ''Foo Fighters'' die ja die Fahne fürs Analoge hochhalten, wird nach dem Aufnehmen erstmal digital abgetastet. Was Herr Young meint, ist das eine digitale Aufnahme durch pressen in Vinyl nicht verbessert wird, genauso wie Instagram aus einem iPhone keine alte Filmkamera macht. Also Illusion. Der Autor sollte sich mal eine echte Platte aus den frühen Achtzigern reinziehen bevor das digitale Unheil um sich griff. Diesen Unterschied hört auch Otto Normal, obwohl ihm das vielleicht egal ist. Studien an amerikanischen Universitäten haben ergeben das junge Konsumenten bei echten Hifiaufnahmen das digitale Klirren vermissen. Die Welt ist im Wandel. Der Sachverstand von Kolumnisten auch.
hellsfoul 13.02.2015
4. Naja
Im Studio wird doch mit 192kbits 32bit o.ä. aufgenommen. Eine CD hat nur 44,1kbits 16bit. Da steckt also bei der Umwandlung von digital auf eine analoge Schallplatte durchaus noch einiges an Potential. Mir ist aber klar, das man diese Unterschiede nicht zwangsweise hört. Der heutige Klangkiller heißt nämlich Dynamikkompression. Alle Instrumente und der Gesang werden auf ein durchgehend gleiches Lautstärkeniveau gebracht und damit gehen alle Nuancen verloren. Das ist einfach ein graus. Man hört nicht, wenn der Sänger einatmet, wie eine Gitarrenseite gezupft wird. Das geht alles unter. Vermutlich auch weil Instrumente oft nur noch aus dem PC kommen. Einziger Lichtblick sind hier wirklich nur manche Live-Aufnahmen auf Dvd oder Bluray. Mein Vorzeigebeispiel sind hier the Corrs. Aber das ist halt das mit dem Massenmarkt. Auch auf der biligsten Anlage soll man noch was hören, wenn auch nicht viel. Quantität statt Qualität
moritz040 13.02.2015
5. Es geht nicht nur um den Klang
Platten haben schöne, große Cover. Platten machen sich gut im Regal. Platten sind für die Ewigkeit, wenn man sie gut behandelt. All das kann man über digitale Medien nicht sagen. Die sind dafür praktisch. Also kauft Platten und Streamingflatrates und MP3 und CDs und Bücher und Magazine und DVDs und E-Reader und Tablets! BTW: Das beste sind Platten mit Downloadcodes!
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