Manfred Krug über Udo Jürgens "Er konnte gegen die Schmusewut der Damen nicht ankämpfen"

Die Frauen liebten ihn, die Fans verehrten ihn, die Kollegen ließen sich von ihm inspirieren. Für SPIEGEL ONLINE erinnern sich Manfred Krug und Annett Louisan an ihre Udo-Jürgens-Momente.
Manfred Krug bei einer Lesung in Berlin: "Er hatte etwas Feines"

Manfred Krug bei einer Lesung in Berlin: "Er hatte etwas Feines"

Foto: imago

Udo und Manfred? Da muss doch was gehen. Jürgens und Krug waren und sind die einzigen großen Unterhaltungskünstler, die auf deutsch sangen und singen, es aber in Sachen Eleganz, Swing und Witz locker mit internationalen Stars aufnehmen konnten und können. Man beobachtete sich aus der Distanz - und war doch voller Respekt.

"Ich habe nicht eine einzige Schallplatte von Udo Jürgens, weil ich einen ganz anderen Kram gesungen und mich darauf konzentriert habe", so Manfred Krug, 77, zu SPIEGEL ONLINE. "Meine Frau hingegen hörte ihn lieber als mich. Aber viele Udo-Jürgens-Lieder konnte ich auswendig, die habe ich beim Spazieren vor mich hingeträllert. So ist das. Nichts ist lebenslang gegenwärtiger als ein Schlager, der einst in aller Munde war."

Und weiter schwärmt Krug: "Ich fand: Udo Jürgens hatte was Feines, auch in der Körperhaltung. Das hat den Damen gefallen. Er konnte gegen ihre Schmusewut nicht ankämpfen. Er hatte eine schöne Sprache, ein bisschen Österreich hing ihm halt an, er gab in Interviews intelligente Antworten. Ungefähr so freundlich werde ich noch lange an ihn denken."

Udo Jürgens und Annett Louisan beim ZDF: "Er sah die Menschen"

Udo Jürgens und Annett Louisan beim ZDF: "Er sah die Menschen"

Foto: Getty Images

Und was sagen Kolleginnen zu dem verstorbenen Sänger? Schmusewut, wie Krug der Damenwelt unterstellt, ist es nicht, mit der sich Annett Louisan, 37, erinnert - aber doch eine gehörige Portion Schwärmerei.

"'Hallo, Udo Jürgens am Apparat', höre ich nur, mache einen großen Satz von meinem Trampolin und lande an jenem Tag mit einem Sprung direkt in meiner Kindheit. Ich antwortete gleich im Namen meiner Großmutter, Mutter, Deutschlehrerin und aller Menschen, die mich sozial geprägt haben." So soll es gewesen sein, als der Altstar den Nachwuchsstar anrief. Die beiden zeichneten im September die Show "Mitten im Leben" auf, die das ZDF zum 80. Geburtstag von Udo Jürgens ausstrahlte.

Und weiter: "'Sie sind es ja höchstpersönlich, man hört es sofort. Ihre Stimme ist unverkennbar', entgegnete Udo auf meine anfängliche Anspannung, wickelte mich damit natürlich umgehend um den Finger und bot mir zusätzlich auch noch das Du an. Das darauf folgende Telefonat, die persönlichen Treffen und die musikalische Zusammenarbeit mit Udo Jürgens verstärkten nur meine vorhandene Sympathie und Hochachtung. Darüber bin ich verdammt froh, weil das Gefälle zwischen der öffentlichen Person und dem Menschen dahinter nicht selten sehr groß ist. Und gleichzeitig bestärkt es etwas, woran ich gern glauben möchte: Ohne Liebe und Empathie kann man so ein großes Lebenswerk nicht erschaffen."

Und was bleibt? Was nimmt die junge Künstlerin vom alten Helden mit? "Das Beeindruckendste an Udo Jürgens für mich persönlich war seine Beobachtungsgabe. Viele Künstler sehen vor allem sich selbst, doch er sah die Menschen. Und Menschen sehnen sich danach, gesehen zu werden. Er hat mich sofort erkannt und genau das von mir gewollt, was ich am besten kann. Mehr geht nicht. Es gibt Begegnungen, die sind bedeutungsvoll. Die mit Udo Jürgens war so eine für mich."

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