Nach neuem Verschwörungssong Mannheim will Auftritt von Xavier Naidoo verhindern

Nun auch seine Heimatstadt: Die Mannheimer Stadtverwaltung möchte verhindern, dass Xavier Naidoo dort ein Konzert gibt. Schon andere Städte sagten Auftritte des Sängers ab.
Da war er noch Juror bei »Deutschland sucht den Superstar«: Mittlerweile wollen viele Kommunen Xavier Naidoo nicht mehr auftreten lassen

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Henning Kaiser / dpa

Er hat die Stadt »das neue Jerusalem« genannt und widmete ihr mit »Meine Stadt« einen Song. Mannheim möchte trotzdem nichts mit Xavier Naidoo zu tun haben.

Vor Jahren schon stellte die Stadt die Zusammenarbeit mit dem Sänger ein, der immer wieder mit homophoben, rechtspopulistischen und rassistischen Meinungsäußerungen und Songs auffällt. Jetzt möchte die Stadtverwaltung am liebsten auch ein für den 9. Oktober geplantes Konzert von ihm verhindern.

Eine ordnungsrechtliche Handhabe gegen das Konzert habe die Stadt zwar nicht, teilt die Pressestelle in einem Statement mit. Das geplante Konzert in der SAP-Arena sei aber nicht im Sinne der Stadt. Der Betreiber möge prüfen, ob er diesem Künstler eine Bühne bieten wolle.

Aktueller Anlass ist Naidoos Teilnahme an einem kürzlich veröffentlichten Anti-Impf-Song mit dem Titel »Ich mach da nicht mit«. Er singt den Refrain mit der Zeile: »Das kann gar nicht sein, wir lassen dieses Gift nicht in unsere Körper rein«, dazu rappt die vierte Liga deutscher Hip-Hopper absurde Corona-Verschwörungstheorien.

Tenor: Die Regierung wolle die Bevölkerung versklaven. An einer Stelle wird symbolisch zu Gewalt gegen Impfzentren aufgerufen. Das Video zum Song wurde kurz nach Erscheinen von YouTube gelöscht, ist aber weiterhin im Netz zu finden.

Monika Enzenbach, die Pressereferentin des Mannheimer Oberbürgermeisters Peter Kurz (SPD), bezeichnet Naidoo in ihrem Statement als »Künstler, der immer weiter ins Abseits driftet und nun mit Antisemiten und Rechtsextremisten Musik macht« und befürchtet, dass er die Bühne der SAP-Arena nicht nur musikalisch nutzen werde.

Auch andere Städte wollen Naidoo nicht

Daniel Hopp, Sohn des SAP-Milliardärs Dietmar Hopp und Betreiber der Halle, sagte auf Anfrage des SWR , er sei nicht Veranstalter des Abends, sondern lediglich Vermieter. Der lokale Konzertveranstalter DeMi Promotion hat nach eigenen Angaben noch nicht mit Naidoos Management über die neuesten Entwicklungen gesprochen.

Mannheim ist nicht die einzige Stadt, die keinen Auftritt von Xavier Naidoo dulden will. Vergangene Woche sprach sich die Bürgerschaft der Stadt Rostock gegen ein für August geplantes Konzert Naidoos aus. Im vergangenen Jahr sagte Hof einen Naidoo-Auftritt ab, Mönchengladbach verschob ein für Juni geplantes Konzert auf das nächste Jahr.

Umstritten ist allerdings, inwieweit die Städte eine rechtliche Handhabe haben. So äußerte die Rostocker Stadtverwaltung starke rechtliche Bedenken gegen die Entscheidung der Bürgerschaft. Öffentliche Einrichtungen wie die Stadthalle seien zur Wahrung des Gleichheitsgrundsatzes verpflichtet. Bei der Vermietung der Einrichtungen dürfe kein Veranstalter oder Künstler ausgeschlossen werden, weil die religiösen oder politischen Ansichten nicht geteilt werden.

kae