Meister des schwarzen Humors Kabarett-Legende Georg Kreisler ist tot

Er sang böse Lieder voll ätzender Zeitkritik und zarte Chansons: Der österreichische Kabarettist Georg Kreisler ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Mit Liedern wie "Tauben vergiften im Park" und "Das gibt es nur bei uns in Gelsenkirchen" wurde er berühmt - und provozierte Boykottaufrufe.
Georg Kreisler vor einem Auftritt im Mai 2001 in der Maske der "Comödie" in Fürth

Georg Kreisler vor einem Auftritt im Mai 2001 in der Maske der "Comödie" in Fürth

Foto: Daniel Karmann/ dpa

Wien/Salzburg - Der österreichische Kabarettist Georg Kreisler ist am Dienstag in einem Krankenhaus in Salzburg gestorben. Seine Frau Barbara Peters teilte mit: "Ich war die ganze Nacht bei ihm. Am Morgen ist er gestorben." Kreisler starb im Alter von 89 Jahren an einer schweren Infektion.

Der Kabarettist war noch in den vergangenen Monaten mit seiner Frau auf Lesereise und begeisterte sein Publikum mit Spontaneität, scharfer Beobachtung und bissigem Witz. Zu seinen bekanntesten Stücken gehören die Lieder "Geh'n ma Tauben vergiften im Park" und "Wie schön wäre Wien ohne Wiener".

Kreisler wurde am 18. Juli 1922 in Wien geboren. Nach dem von den Nationalsozialisten vorgenommenen "Anschluss" Österreichs an Deutschland musste er als Jude 1938 aus seiner Heimat fliehen. Die Familie emigrierte in die USA. Fünf Jahre später erhielt Kreisler die amerikanische Staatsbürgerschaft. Im Exil arbeitete Kreisler als Arrangeur, Pianist und Dirigent beim Film und bei Musicals, für Soldaten schrieb er als Truppenbetreuer Shows und Revueprogramme.

1955 kehrte er nach Wien zurück und startete in der legendären "Marietta-Bar" seine Karriere als Musiker und Kabarettist. Er verfasste Gedichte und Lieder, schrieb Hörspiele, Kabarettstücke, Theatertexte und Musicals wie die Komödie "Heut Abend: Lola Blau".

Mit seinem zynisch-provokanten Humor Wiener Prägung begeisterte Kreisler die Kritiker, wurde aber auch oft boykottiert und zensiert. Als seine Texte Ende der sechziger Jahre zunehmend politisch wurden, verlor seine Kabarett-Serie "Die heiße Viertelstunde" den festen Sendeplatz im Fernsehen, und auch im Radio wurde er nur noch selten gespielt.

Zu seiner Geburtsstadt hatte Kreisler ein schwieriges Verhältnis. "Diese Stadt hat nie einen Finger für mich gerührt", sagte er einmal. "Ich bin mehr weggebissen worden als zugelassen." Trotzdem hat sich Kreisler Österreich verbunden gefühlt: "Heimat bleibt eben Heimat, auch wenn man mit ihr geschlagen ist."

1975 zog Kreisler nach Berlin, wo er mit seiner neuen Lebensgefährtin Barbara Peters bis 1991 im Theater "Die Wühlmäuse" auftrat und dort ein treues Publikum hatte. Mit Peters, die seine vierte Frau wurde, zog der selbsternannte "Heimatlose" 1992 nach Basel um, wo er sich unter anderem für eine eigenständige Schweiz und gegen deren EU-Beitritt engagierte.

Seinen ab 1998 mehrfach angekündigten Abschied von der Bühne nahm Kreisler immer wieder zurück und ging stattdessen noch einmal mit seinen "alten bösen Liedern" auf Tournee. Als er im März 2010 von der Stadt Bad Homburg mit dem Friedrich-Hölderlin-Preis für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde, lobte die Jury, Kreislers "wissender Spott, sein scharfer Blick auf die Zeit, sein satirisches Vermögen" seien bemerkenswert.

lgr/dpa/dapd/AFP
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