Rapper Mero im Konzert Eine Aufsteigergeschichte

Auf seiner ersten Tour spielt Rapper Mero in der ausverkauften Sporthalle Hamburg. Während der Performance hängen alle im Publikum an ihren Handys. Logisch, denn das Smartphone ist das Kernstück der Mero-Erzählung.

imago images/ STAR-MEDIA

Von Volkan Ağar


Auf einmal war Mero da. Am Freitag auf der Bühne in der Sporthalle Hamburg. Aber auch ganz grundsätzlich. Im November hat er seine erste Single "Baller los" veröffentlicht, im Frühling das erste Album "Ya Hero Ya Mero", vergangene Woche schon sein zweites Album "Unikat". Bei Streamingdiensten und in den Charts hat Mero Rekorde gebrochen. Und alles ging so schnell. Deshalb können Mero und seine Fans das alles irgendwie nicht fassen. Auch Freitagabend nicht.

Während des gesamten Konzerts schweben über der Menge Smartphones. Als wollten sie den Beweis festhalten, dass das alles gerade auch wirklich passiert. Die Sporthalle, ein einziges Meer aus weißem Handylicht. Wer mit seinem Gerät nicht filmt, der wedelt damit in der Luft, so wie Menschen früher bei Konzerten mit Feuerzeugen herumgewedelt haben, bis das Reibrad so heiß wurde, dass man sich verbrannt hat.

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Mero live in Hamburg: Mit den Smartphone nach oben

Das Smartphone spielt an diesem Abend eine weit wichtigere Rolle. Es ist sozusagen das Kernstück der Mero-Erzählung.

In der Sporthalle spuckt Mero Feuer, wenn er rappt. Kräftige Stimme, hohe Geschwindigkeit, dennoch präzise. Aber statt sich zur Musik zu bewegen, stehen viele Fans hochkonzentriert da, bemüht um wackelfreie Handyaufnahmen. Das Bühnenbild: riesige Smartphone-Bildschirme, die während der Performance mit Apps unterhalten, die thematisch irgendwie zu laufenden Tracks passen, oder auch nicht.

Als Mero "Malediven" anstimmt, öffnet Google Maps die Karte von Rüsselsheim, Meros hessischer Heimat, dann gibt jemand den Inselstaat als Ziel ein. Immer wieder laufen die alten Handyvideos von Mero auf den Displays. Die Show beginnt sogar mit der iphone-Spracherkennungssoftware Siri: "Sagten Sie Mero?" Gekreische. "Ich kann Sie nicht verstehen." Noch mehr Gekreische. "Ok, welchen Song von Mero soll ich spielen?". Gekreische wird unaushaltbar. "Baller los von Mero wird abgespielt." Eskalation.

Smartphones überall, weil: ohne Smartphone kein Mero

Mero ist der 19-jährige junge Mann, der vor seiner Rapkarriere noch eine Ausbildung gemacht und Fußball gespielt hat, dann irgendwann Videos auf Youtube und Instagram hochgeladen hat. Der Junge, der dann Rap-Geschäftsmann Xatar aufgefallen ist und der vor seiner ersten Veröffentlichung intensiv in den sozialen Medien vermarktet wurde. Der dann dermaßen durchgestartet ist, dass manche aus Ungläubigkeit über gekaufte Klicks mutmaßen.

Wenn man an diesem Abend die Fans fragt, was ihnen an Mero gefällt, dann fällt es manchen von ihnen schwer, ihre Faszination in Worte zu fassen. Andere, die das ansatzweise schaffen, antworten:

"Die meisten können entweder singen oder rappen. Er kann beides." (Vanessa, 18 Jahre)

oder

"Er rappt auf seine ganz eigene Art." (Serkan, 19 Jahre)

Aber viele antworten auch so:

"Er ist ganz schnell ganz groß geworden." (Daniel, 21 Jahre)

oder

"Dass er auf einmal da war." (Jonas, 17 Jahre)

oder

"Dass er in dem Alter so schnell so berühmt geworden ist." (Lava, 20 Jahre)

Ein universelles Hip-Hop-Motiv

Meros Geschichte ist eine ziemlich unrealistische Aufsteigergeschichte. Die Geschichte eines zwar ersehnten, aber doch unerwarteten Aufstiegs. "Wer von euch kennt noch meine Handyvideos?", fragt Mero seine Fans irgendwann zwischen zwei Liedern. "Ich habe mit Handyvideos angefangen, nicht mal vor einem Jahr."

Was er eigentlich sagt: Jeder hat ein Smartphone, jeder kann Videos machen, jeder kann sie auf Youtube hochladen. Kurz: Jeder kann es schaffen. "Vom Bordstein zur Skyline", hieß dieses eigentlich universelle Hip-Hop-Motiv zu Bushidos Zeiten noch. Mero aktualisiert die Erzählung jetzt; entsprechend der gegenwärtigen digitalen Realität. Das Smartphone ist die allgegenwärtige Möglichkeit des plötzlichen Aufstiegs. Man trägt diese Möglichkeit in der Hosentasche immer mit sich.

insgesamt 5 Beiträge
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al.schmidt 05.10.2019
1. gekaufte Klicks
ich empfehle auf YouTube "Der Rap Hack: Kauf dich in die Charts" Mero muss dafür nichtmal was können. er würde denken es wäre real. der zug kam über das Management ins Rollen und rollt nun halt. und dass die Masse das gut findet was oben ist und einem präsentiert wird sollte klar sein
Hans Dümpel 05.10.2019
2.
der Mero ist nicht so begabt wie es scheint: - er gehört zur Generation Autotune - singen als Fähigkeit fällt wohl raus - seine Texte ergeben null sinn und sind so geschrieben, dass sie schnell rapbar sind. https://youtu.be/CtZ7tDBzZVQ (oder einfach bei YTUBE nach Mero wird "Hops" genommen suchen - die Klicks sind mit hoher Sicherheit gekauft ( das Internet Meme beruht auf dieser Doku mit dem Hacker Kai) pS: Zu punkt zwei, dass jeder rappen kann einfach Mal "mein Leben von Tanzverbot" suchen, da sieht man anschaulich wie einfach man belangloses schnell hintereinander sprechen kann
mwroer 05.10.2019
3.
'Zu Bushidos Zeiten ... ' ? Man das ist so alt das man es Jahre vor Bushido schon von Eminem gehört hat und davor schon Jahre von den farbigen Rappern ... Es ist der universelle Traum jedes Musikers, in jedem Genre ... entdeckt zu werden und von nichts nach alles zu gehen.
Lucid_2_Win 05.10.2019
4. Warum
sollte man Mero gut finden, wenn der nur des Geldes wegen inhaltslose Songs produziert und Klicks kauft? Es gibt echt sehr wenige schlechtere MCs.
meresi 09.10.2019
5. The Undisputed Truth
Ball Of Confusion...1970 oder so. Rap, Wurzeln irgendwo in West Africa, vor vielen vielen Jahren...mit dieser Art des Vortrages wurden Geschichten weitergegeben. Inhalt, Rhythm and Art des Vortrages oder wie Gil Scott Heron sagte: the way of delivery, that's that
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