Michael Jackson Von Bahrain nach Niendorf

Bahrain, die neue Wahlheimat Michael Jacksons, mag schön und schick sein, gegen Niendorf hat der arabische Inselstaat keine Chance. In dem Hamburger Stadtteil ist man wohlhabend und diskret. Kein Wunder, dass der Prince of Pop hier Freunde hat.

Geldmangel, Stress mit Konzertveranstaltern und Plattenfirmen, Ärger mit "Leihmutter" Debbie: Michael Jackson fühlt sich in den USA vermutlich zurzeit nicht besonders heimisch. Die Einladung von Kronprinz Scheich Salman bin Hamad Al Khalifa Mitte letzten Jahres muss ihm deshalb gerade recht gekommen sein: Das Oberhaupt des Inselstaates im Persischen Golf gewährt dem Prince of Pop "Wellness-Asyl" ("Stern").

Neben fürstlicher Gastfreundschaft soll auch marketingstrategisches Kalkül im Spiel gewesen sein: Der Name Jackson solle das Image des Wüstenlands aufwerten und bei der Investorensuche helfen, hieß es, angeblich verhandelt man mit Jackson zurzeit über einen Beratervertrag.

Ob man so gut beraten war, den durch Skandale und Prozesse gebeutelten Star ins Land zu holen, ist allerdings fraglich: Jackson besticht auch in seiner neuen Heimat mit Exzentrik, tritt in arabischen Frauengewändern auf und lässt sich von seinen Kindern mit handtuchverhüllten Gesichtern begleiten. Einer Umfrage der Zeitung "Gulf News" zufolge waren im November 47 Prozent der Befragten der Ansicht, Jacko solle sich wieder auf seine Fantasy-Ranch Neverland verkrümeln.

In Niendorf, einem gut bürgerlichen Stadtteil Hamburgs, enthält man sich bislang solch harscher Töne. Im Gegenteil: Hier, wo die Hansestadt weniger mondän, dafür aber protestantisch dezent ihren Wohlstand demonstriert, hat sich laut "Bild"-Zeitung Jackson samt Kindern Paris Michael Katherine, 7, Prince Michael Joseph Jr., 8, und Kindermädchen Grace Rwaramba einquartiert. Er besuche einen Freund, den er 1995 bei einer Fernsehsendung in Deutschland kennengelernt habe.

Weil selbst ein Hamburger Patrizierhaus unter diesen Umständen zum teenagerumlagerten Kultobjekt werden kann, haben die Behörden Abstellgitter vor dem Grundstück postiert. Im Inneren des Domizils soll es dafür schrankenlos heiter zugehen, glaubt man der "Bild". Das Blatt zitiert eine Freundin der Familie, die berichtet, bei früheren Besuchen sei man mit den Kindern durchs Haus getobt und habe Verstecken gespielt.

Versteckspielen - was für eine Metapher für das Lebensdrama eines Popgenies, das seit Jahren hinter Gesichtsmasken, Perücken, Schleiern und Sonnenbrillen verschwindet. Die Wahl Hamburgs als Ferienrefugium ist so gesehen vielleicht keine schlechte Wahl: Hier, wo man selbst Popprinzen wie Dieter Bohlen mit kultivierter Gelassenheit verkraftet, wird man auch einen Abaja-gewandeten Jackson tolerieren.

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