Nach sexuellen Übergriffen Mumford & Sons wollen schwedisches Festival boykottieren

Fünf Vergewaltigungen waren auf dem Bråvalla-Festival angezeigt worden. Als Headliner spielten Mumford & Sons. Die Briten wollen erst wieder dort auftreten, wenn etwas gegen die sexuelle Gewalt getan werde.

Polizistin auf dem Bråvalla-Festivalgelände
DPA

Polizistin auf dem Bråvalla-Festivalgelände


Musikfestivals seien ein Ort, "sich gehen zu lassen und sich dabei sicher zu fühlen", haben die Mitglieder der britischen Folkband Mumford & Sons in einem Statement zu den sexuellen Übergriffen beim Bråvalla-Festival im schwedischen Norrköping geschrieben. Dort wurden am Wochenende fünf Vergewaltigungen angezeigt.

Für Mumford & Sons, die bei dem seit 2013 ausgetragenen Festival in diesem Jahr eine der Headlinerbands waren, können diese Fälle von sexueller Gewalt nicht ohne Konsequenzen bleiben. In ihrem Statement kündigt die Band an, nicht mehr bei dem größten schwedischen Festival auftreten zu wollen - "bis wir Zusicherungen von der Polizei und den Organisatoren haben, dass sie etwas unternehmen", um die offenbar gewordene "widerlich hohe" Zahl an Übergriffen zu bekämpfen.

Neben Mumford & Sons äußerte sich auch die schwedische Popsängerin Zara Larsson zu den Vorfällen. Sie hatte erfahren, dass einer der Vorfälle sich während ihres Auftritts beim Bråvalla ereignet habe. Auf Twitter schrieb sie, die Vergewaltiger verdienten es, in der Hölle zu schmoren. Außerdem schrieb sie: "Ich hasse Jungs", weil sie daran schuld seien, dass sich Mädchen unsicher auf Festivals fühlten. Vorwürfe, sie generalisiere unzulässig, wehrte sie wütend ab: "Wo sind denn die ganzen 'netten Jungs', wenn ein Mädchen vergewaltigt wird?"

Da es zudem auch bei dem Festival Putte i Parken in Karlstad zu zahlreichen Fällen von sexuellen Übergriffen gekommen ist, kündigte der schwedische Ministerpräsident Stefan Löfven an, die Gesetze zur sexuellen Gewalt überprüfen zu wollen. Außerdem werde man sich kümmern, dass Polizei und Strafverfolgungsbehörden "besser darin werden, solche Verbrechen zu untersuchen, damit wir die Schuldigen auch tatsächlich überführen können", so Löfven im schwedischen Fernsehen.

Beim Roskilde-Festival in Dänemark mit 130.000 Zuschauern wurden nach Polizeiangaben fünf Fälle von Vergewaltigung oder sexueller Belästigung gemeldet. Polizeisprecher Carsten Andersen nannte dies "nicht ungewöhnlich für ein so großes Ereignis". Und schob hinterher: Natürlich sei jeder Fall einer zu viel.

feb/AP/Reuters



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