Musik der Zehnerjahre Das sind die einflussreichsten Popstars

Mainstream-Königinnen, irre Rapper und rothaarige Barden - unsere Redaktion hat entschieden: Diese zehn Musikstars prägten die letzte Dekade.
Taylor Swift, Helene Fischer und Kanye West setzten Maßstäbe

Taylor Swift, Helene Fischer und Kanye West setzten Maßstäbe

Foto: Johannes Eisele/ AFP

Taylor Swift: Die Normale

Taylor Swift: Repräsentantin eines Mainstreams, den es vielleicht nicht mehr gibt

Taylor Swift: Repräsentantin eines Mainstreams, den es vielleicht nicht mehr gibt

Foto: VALERIE MACON / AFP

Taylor Swift ist der größte und gleichzeitig der unwahrscheinlichste Popstar der Zehnerjahre. Denn eigentlich war es eine Dekade des Auseinanderdriftens, des Streits, der gesellschaftlichen Brüche. Ob es der Populismus war oder die Geschlechterverhältnisse: Die Fragen der Identität wurden immer als Fragen der sozialen Spaltung diskutiert. Und dann ist da Taylor Swift. Der Superstar ohne Tätowierung, ohne Drogenskandal, ohne kontroverse Interviews, ohne Sexvideo. Die Frau, die einfach nur gute Songs schreibt. Die, wenn es um Politik geht, lieber vage bleibt. Die Freundinnen hat und feministisch ist, aber auch keine Riesensache daraus macht. Die Jungs hinterherschaut und eine beeindruckende Liste von Ex-Freunden mit sich herumträgt. Aber nun, mit Ende Zwanzig, fragt sie sich, ob es das wirklich gewesen ist mit den Männern und wann sie eigentlich den einen trifft, mit dem sie eine Familie gründen will. Taylor Swift ist vollkommen normal - um es in einem Wort zu sagen. Sie repräsentiert einen Mainstream, den es vielleicht auch nur noch als Sehnsucht gibt, nicht mehr als Realität in den auseinanderstrebenden Gesellschaften der westlichen Welt. Aber eine muss es machen. Und Taylor Swift macht es einfach ziemlich gut. Tobias Rapp

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Beyoncé und Solange: Die Göttinnen

Beyoncé Knowles: Nicht umsonst wird sie "Queen Bey" genannt

Beyoncé Knowles: Nicht umsonst wird sie "Queen Bey" genannt

Foto:

Andrew Harnik/ AP

Als Taylor Swift, siehe oben, unlängst bei den American Music Awards den Titel "Artist of the Decade" verliehen bekam, dürfte das viele überrascht haben. Wer, wenn nicht Beyoncé Knowles hat dieses Musik- und Popkultur-Jahrzehnt definiert?

Aber die Musikindustrie, zumal die US-amerikanische, ist trotz Hip-Hop-Mainstream noch immer eine weiße Industrie, in der afroamerikanische Künstler um Selbstbestimmung kämpfen müssen. Wie das geht, hat Beyoncé gleich mehrfach gezeigt: 2013 erfand sie die inzwischen notorische Album-Veröffentlichung aus heiterem Himmel, ohne Promo oder Medienunterstützung. "Beyoncé" schoss an die Spitze der Charts - und machte die Sängerin zur ersten US-Künstlerin mit fünf Nummer-eins-Alben in Folge. Sie demonstrierte eindrucksvoll, dass sich die tradierten Gatekeeper-Regeln der Kulturindustrie mit treuer Fanbase, YouTube- und Instagram-Accounts umgehen lassen. 2016, im wohl politischsten Jahr dieser Dekade, veröffentlichte sie mit "Lemonade" ihr bis heute strahlendes audiovisuelles Allround-Statement, in das Themen wie #BlackLivesMatter, Feminismus, afroamerikanische Kultur- und Herkunftspflege - und letztlich auch ihre zu jener Zeit zerrüttete Ehe mit Rap-Mogul Jay-Z einflossen.

Solange Knowles: Intellektuellerer und kunstvollerer Pop-Ansatz

Solange Knowles: Intellektuellerer und kunstvollerer Pop-Ansatz

Foto: Carlo Allegri/ REUTERS

Mit einem provokanten Auftritt beim Superbowl und später, triumphal, beim Coachella-Festival 2018, festigte sie ihren Status als autonomer, glamouröser und inhärent politischer Popstar, der sich mit mittlerweile 38 immer wieder auch nahbar, traditionsbewusst und familienzentriert gibt. Die nachhaltige Emanzipation afroamerikanischer Popkultur in der zweiten Hälfte der Dekade wäre ohne ihre Vermittlungen in den weißen Mainstream hinein wohl weitaus weniger durchschlagend gewesen. Die einzige, die ihr diese Position in absehbarer Zeit streitig machen könnte, ist ihre jüngere Schwester Solange mit ihrem kunstvolleren und intellektuelleren Pop-Ansatz. Sie legte 2016 mit"A Seat At The Table" ihre eigene Vision einer selbstbewusst afrozentristischen Kultur vor - und veröffentlichte mit "When I Get Home" eines der Pop-Alben, die 2019 definierten. Sisters are doing it. Nicht nur für sich selbst. Andreas Borcholte

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Helene Fischer: Die Entfesselte

Helene Fischer: Die deutsche Schlager-Beyoncé?

Helene Fischer: Die deutsche Schlager-Beyoncé?

Foto: ODD ANDERSEN/ AFP

Ist Helene Fischer die deutsche Beyoncé? Keine andere baute hierzulande die Showtreppe weiter in den Himmel, keine andere führte die weibliche Selbstbehauptung als größeres athletisches Spektakel auf. Wie Beyoncé mit Jay-Z probte Helene über die Zehnerjahre hinweg mit Florian Silbereisen einen Ritt in den Pop-Olymp, nach dessen Vollendung die mächtigen Männer nur noch wie Steigbügelhalter für ihre davonrauschenden Überfrauen wirkten. Doch bei aller Ähnlichkeit zum US-Vorbild: Soul ist nicht das Wort für Fischers Musik, die ist immer noch durch und durch Schlager. Allerdings unterzog sie diese urdeutsche Liedform zwischen ihren Alben "Farbenspiel" (2013) und "Helene Fischer" (2017) einer Entfesselung; sie sprengte den über die Nullerjahre immer technoideren Teutonenpop aus dem Vier-Viertel-Stahlkorsett des Disco-Fox und die weibliche Lust aus den Ketten monogamer Schunkelglückseligkeit. Dass sie dabei immer mal wieder weit hinter die eigenen Modernisierungserfolge zurückfiel, verzeihen wir ihr. Dass sie zuletzt meinte, einen neuen Karriereabschnitt einfallslos als englisch fanfarierende Powerballadensoldatin einleiten zu müssen, hingegen nicht. Ein bisschen bange fragen wir uns nun, ob Helene Fischer vielleicht doch nur die deutsche Céline Dion ist. Christian Buß

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Kendrick Lamar: Der Poet

Kendrick Lamar: Die Zerrissenheit afroamerikanischer Lebenswirklichkeit

Kendrick Lamar: Die Zerrissenheit afroamerikanischer Lebenswirklichkeit

Foto: Getty Images for NARAS

In einer Zeit, in der Hip-Hop-Lifestyle zum Mainstream geworden ist und es zum guten Ton unter den erfolgreichsten Musikern des Genres gehört, Streamingdienste und Modemarken zu gründen, erinnert Kendrick Lamar stärker als viele seiner Kollegen daran, dass Hip-Hop nicht nur Bling-Bling und Pose ist, sondern auch Poesie und Politik. Der 32-Jährige, eine Stimme der #BlackLivesMatter-Bewegung, gewann in den vergangenen Jahren 13 Grammys und 2018, als erster Rapper überhaupt, den Pulitzerpreis. Mit "To Pimp a Butterfly" gelang ihm (neben Kanye Wests "My Beautiful Dark Twisted Fantasy") das innovativste Rap-Album der Dekade: Der Zerrissenheit afroamerikanischer Lebenswirklichkeit zwischen Stolz und Schmerz, Selbstliebe und Selbsthass gab Kendrick Lamar einen zeitgemäßen Sound, der auf den Traditionen schwarzer Musik fußt: Jazz, Soul und Funk. Jurek Skrobala

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Drake: Der Formenwandler

Rap-Erneuerer Drake: Scheut weder Emotionen noch Gesang

Rap-Erneuerer Drake: Scheut weder Emotionen noch Gesang

Foto: Ross Gilmore/ Getty Images

Der Bart war irgendwann mal länger, ansonsten hat sich am Äußeren von Aubrey Graham im Verlauf der letzten zehn Jahre kaum etwas verändert. Dass er im selben Zeitraum zum meistgestreamten Künstler der Welt aufstieg, hat indes viel mit seinem inneren Wandel zu tun: Drake/Drizzy/Champagne Papi ist der große Formenwandler des Pop. Angefangen als schmachtender Frauenversteher ("Hold On, We're Going Home") häutete sich Graham zum Hip-Hop-Erneuerer, der Gesang nicht scheute ("Hotline Bling") und Dancehall-Sounds in den Mainstream holte ("One Dance"). Anschließend zeigte der Kanadier seine Arschgeigen-Seite mit dem Meek-Mill-Diss "Charged Up" und schloss das Jahrzehnt dann wieder als feministischer Verbündeter mit "Nice for What" ab. Das Erstaunlichste an Drakes Karriere ist allerdings, wie organisch sie sich bei allem Wandel ausnimmt. Rappen mögen andere besser können, den Karriere-Flow aber hat allein er. Hannah Pilarczyk

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Ariana Grande: Die Verfeinerte

Ariana Grande: Pferdeschwanz und Feminismus

Ariana Grande: Pferdeschwanz und Feminismus

Foto: Kevin Mazur/ AFP

"Thank you, next/ I'm so fucking greatful for my ex", sang Ariana Grande 2019 auf dem Titeltrack ihres Albums "thank u, next". Zickige Wegwerf-Attitüde im einen Moment, ungehobelte emotionale Reife im nächsten: Von solchen Gratwanderungen ist Grandes Karriere geprägt . Wo andere weibliche Popstars ihres Kalibers ihre Images im Jahrestakt wechselten, sich mit Cowboyhut Americana aneigneten (Lady Gaga) oder ihre Woke-Erweckung hatten (Katy Perry), verfeinerte und komplizierte Grande ihres einfach nur: Zu ellenlangem Pferdeschwanz und kniehohen Stiefeln kamen Feminismus, Ironie und politisches Engagement on top. Parallel dazu wandelte sich ihr Sound nicht grundlegend, sondern graduell zu smartem Pop mit echter emotionaler Wucht. Fünf Grammy-Nominierungen weisen den Weg: 2020 wird Grandes Aufstieg nur noch weiter gehen. Hannah Pilarczyk

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BTS: Die Herausforderer

K-Pop-Stars BTS: Grenzüberschreitung der heterosexuellen Boy-Band-Norm

K-Pop-Stars BTS: Grenzüberschreitung der heterosexuellen Boy-Band-Norm

Foto: MARIO ANZUONI/ REUTERS

Was Girl- und Boy-Bands für die Neunziger waren, ist die siebenköpfige koreanische Gruppe BTS für die Nullerjahre: Weltweit ausverkaufte Stadien und die erste Band aus Korea, die es 2018 mit einem Album direkt auf Platz eins der US-Billboard-Charts schaffte. Die Mitglieder von BTS wurden sorgfältig ausgewählt, um die generisch-synthetische Idol-Kultur in Korea herauszufordern. Sie agieren mit einer anderen Authentizität, als bisher im K-Pop-Markt vorstellbar war. Und sie schreiben zum großen Teil ihre eigenen Songs. Die Texte spiegeln das komplexe Leben von Teenagern in Korea wider. BTS sprechen offen über ihre Ängste und Kämpfe, sie tanzen, als ob Janet Jackson es ihnen persönlich beigebracht hätte. Und sie spielen mit einer homoerotischen Anziehung untereinander, die als eine Grenzüberschreitung der heterosexuellen Norm gelesen werden kann. Enrico Ippolito

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Ed Sheeran: Der Allgegenwärtige

Ed Sheeran: Selbst seine Haarfarbe wurde zum Trendgespräch

Ed Sheeran: Selbst seine Haarfarbe wurde zum Trendgespräch

Foto: Antonio Calanni/ AP

Außer Frage steht, dass Ed Sheeran einer der kommerziell erfolgreichsten Popstars der Zehnerjahre war. Von seinen drei mit Rechenzeichen betitelten Alben "+", "x" und "÷" wurden weltweit jeweils mehrere Millionen Exemplare verkauft. Als britischer Star des Jahrzehnts konkurriert höchstens Adele mit ihm - doch deren Talent ist so offensichtlich herausragend, dass sie in jedem Jahrzehnt zum Star geworden wäre. Sheeran hingegen? Passt einfach immer überall irgendwie rein. Zu normal? "Normcore" wurde in den Zehnerjahren zum Trendbegriff. Und selbst über rote Haare wurde in der ausgehenden Dekade viel diskutiert. Als seine Karriere begann, konnte man Sheeran noch als Ausläufer des Folk-Revivals verstehen, doch über Kollaborationen mit Beyoncé, Eminem, Justin Bieber und wem nicht noch alles, positionierte er sich so universalistisch, wie wir in Zeiten von Spotify Musik hören: mal ein Hip-Hop-Track, mal ein Soul-Album, mal die Pop-Playlist... auf der dann so gut wie immer auch Ed Sheeran zu hören war. Felix Bayer

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Frank Ocean: Der Radikale

Frank Ocean: Geschichtenerzähler, der Genres sprengt

Frank Ocean: Geschichtenerzähler, der Genres sprengt

Foto: © Norsk Telegrambyra AS / Reute/ REUTERS

In seiner Stimme steckt so viel Wahrheit, Unschuld und Begehren! Frank Ocean hat eine neue Emotionalität im R&B und Rap des letzten Jahrzehnts eingeführt. Der inzwischen 32 Jahre alte Geschichtenerzähler brachte 2012 sein Debütalbum "Channel Orange" heraus und verhandelte die großen Themen: Einsamkeit, Liebe, Sterblichkeit, Lust, Religion. Seine doppeldeutig-poetischen Texte paaren sich mit einem idiosynkratrischen Sound. Die Kunst von Ocean besteht vor allem darin, beides symbiotisch zueinanderfinden zu lassen. Was Ocean auch so erfolgreich macht? Wie kaum ein anderer spielt er mit den Erwartungen seiner Fans. Vier Jahre mussten sie auf sein zweites Album warten ("Endless") - und nur 48 Stunden später veröffentlichte er das Meisterwerk "Blonde". Ocean sprengt alle Grenzen und öffnet sich zu einer radikalen Queerness - privat und musikalisch. Enrico Ippolito

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Kanye West: Das Genie

Kanye West: Genial, aber auch ein bisschen irre

Kanye West: Genial, aber auch ein bisschen irre

Foto: DANNY MOLOSHOK/ REUTERS

Dieses turbulente Jahrzehnt hat viele radikalisiert, auch einige Popstars. Betrachtet man die Zehnerjahre von Kanye West ausschließlich aus der Perspektive seiner Irrungen und Wirrungen der jüngsten Zeit - Trump-Sympathie und Gott-Komplex -, fällt es sicher schwer, den heute 42-jährigen Rapper und Produzenten als genial zu verklären. Aber wie enervierend verpeilt und verquer, wie neurotisch und narzisstisch sich West auch immer wieder gebaren mag, die Ankunft afroamerikanischer Hip-Hop-Kultur im Pop-Mainstream der Zehnerjahre verdankt die Musikwelt zum größten Teil seinen Visionen von Sound und Anspruch. Schon 2008 legte er mit den Roland-TR-808-Synthetiksounds und dem moduliertem Autotune-Gesang seines Balladen-Albums "808 & Heartbreak" die definierenden Klangspuren für die gesamte folgende Dekade. Wer den heute populären Trap- und Cloudrap auch deutscher Charts-Künstler wie Capital Bra hört, findet die Blaupause bei Wests idiosynkratischer Pionierarbeit. Mit seinem alle Genres erobernden Album "My Beautiful Dark Twisted Fantasy" schuf er dann im Herbst 2010 eines der definierenden Pop-Kunstwerke der Dekade. Drei Jahre später nahm West mit dem schroffen "Yeezus" die Repolitisierung der afroamerikanischen Musik vorweg, die 2016 unter anderem in Beyoncés "Lemonade" und Kendrick Lamars "To Pimp A Butterfly" oder D'Angelos "Black Messiah" gipfelte. Dass sein danach folgendes Werk oft erratisch, unkonzentriert und verblasen wirkte, verzeiht man "Yeezy" gerne, ebenso wie die Seifenoper seines Privatlebens mit Ehefrau Kim Kardashian oder seinen Größenwahn. Selbst wenn man seine musikalischen Errungenschaften missachtet: Ohne Kanye West wären die Zehnerjahre des Pop um einiges trister und langweiliger gewesen. Andreas Borcholte

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