Musik-Doku Wie wilde Mönche den Metal erfanden

Sie entstammten den nebligeren Gefilden des Pop-Kosmos und entwickelten einen Stil, der sie zu Pionieren von Punk, Heavy Metal und sogar Techno machte: die Monks. Eine großartige Dokumentation über die legendäre Rock'n'Roll-Band erscheint jetzt endlich auf DVD.


Zu Beginn der DVD ist der Bildschirm schwarz, es knistert. Dann erscheint "Beat-Club"-Liebchen Uschi Nerke, die einen "ungewöhnlichen, überraschenden Sound" ankündigt: Vorhang auf für die Monks-Dokumentation "The Transatlantic Feedback". Das Rock'n'Roll-Quintett aus den nebligeren Gefilden der Popgeschichte entwickelte einen Stil, der heute als bahnbrechend gilt, aber damals, Mitte der sechziger Jahre, nur ein sehr überschaubares Publikum fand, so dass die Band nach knapp zwei durchgelärmten Jahren frustriert das Handtuch warf.

Geschichten von Musikern, die zu wenig beachtet wurden, gibt es wie Sand am Meer, die Legende der Monks aber ist tatsächlich so außergewöhnlich, dass die zwei Filmemacher Dietmar Post und Lucia Palacios daraus einen grandiosen und zu Recht mit Lob überhäuften Film zaubern konnten, der nun erstmals auf DVD veröffentlicht wird. Sie setzen darin der Band und ihrer Ära ein beeindruckendes Denkmal.

Mit Liebe für Details, aber auch für die ganz großen Bilder wird die märchenhafte Geschichte von den fünf zu Beginn der Sechziger in Westdeutschland gestrandeten US-Soldaten aufbereitet, die den Rock'n'Roll für sich entdeckten.

In Fahrt kommt ihre Suche erst nach dem Ende ihrer Militärzeit, als zwei ambitionierte und gewitzte Kunst- und Werbe-Studenten aus Deutschland sich der Jungs annehmen und ihnen einen neuen Bandnamen, ein anderes Image und einen frischen Sound verpassen. Nun, als Gruppe namens Monks, trugen sie Mönchskutten, Haarkränze und Kordeln um den Hals. Ebenso drastisch klangen sie: Aus nachgespieltem Rock'n'Roll wurde ein wuchtiger, dynamischer, düsterer, repetitiver eigener Stil. Eher dezent bei den Melodien, aber massiv an Wirkung.

Als Anti-Beatles sollten die Monks antreten und gelten bis heute bei Spezialisten als Pioniere von Punk, Heavy Metal und sogar Techno. Auf der Bühne war das damals ein Ereignis, aber weil keiner ihr Debüt-Album "Black Monk Time" kaufen wollte, war schon 1967 wieder Schluss.

Aufwendig, teils anrührend leuchten die Filmemacher die Lebenswege der einzelnen Monks aus, die alle irgendwie desillusioniert in die ihnen fremd gewordene USA zurückkehrten. Ihre Rock'n'Roll-Abenteuer in der BRD behielten sie so lange beschämt für sich, bis sie eines Tages irritiert realisierten, dass sie Kult geworden waren. Nachgewachsene Verehrer wie Rick Rubin, Henry Rollins, Mark E. Smith, Jello Biafra oder Julian Cope sangen plötzlich Loblieder auf die Mönche.

So fanden sich die alten erstaunten Knaben vor einigen Jahren in ultra-hippen Plattenläden bei Autogrammstunden wieder und absolvierten einige Comeback-Shows vor entfesselten Fans.

Was alles in "The Transatlantic Feedback" wunderbar festgehalten ist.

Neben dem Film gibt es nun zahlreiche CD- und Vinyl-Wiederveröffentlichungen wie "Black Monk Time", sowie eine CD mit Demos und ein Tribut-Album "Silver Monk Time" mit Beiträgen von John Spencer, The Gossip, Mouse on Mars und vielen anderen.

Zwei der Monks sind inzwischen schon gestorben. Die Geschichte der Band ist endgültig vorbei. Amen!


Monks: "Transatlantic Feedback" (Play Loud/SPV - DVD); "Black Monk Time" (Universal - CD).



insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Preston, 17.04.2009
1. keine Punker, sondern "Heavy Hillbillys"...
So genial (und zu recht unvergessen) die Monks waren, sie machten weder "Heavy Metal" (wie im Film an einer Stelle behauptet), noch waren sie die erste "Punkband" (dazu ist der Unterschied zwischen den Monks und einer "echten" frühen Punkband wie Suicide oder auch den Sonics zu extrem); der Gesangsstil weist da schon eher auf die Wurzeln hin: das "Blue Yodeling" der Hillbillys. Dazu das Banjo und die herben, wenn nicht sogar "staubtrockenen" Texte (die nicht nur im Blues, sondern auch in der weißen Countrymusik zu finden waren) - die "Anti-Beatles" griffen nicht nur auf Rock'n Roll, sondern auf noch ältere Traditionen zurück (und verstärkten und verzerrten diese Einflüsse). Und wer meint, das sei zu hoch gegriffen (oder würde die Monks "entweihen"), der höre sich Bob Dylans Radioshow an; selbst er, der Meister, ist ein Fan von Jimmie Rodgers http://www.bobdylanroots.com/rodgers.html
Kunstbanause 20.04.2009
2. Nun ja...
Ich denke, du misinterpretierst da ein wenig etwas. Ich habe mir das Album nun zugelegt und kann durchaus nachvollziehen, in wie fern der Bezug zu Metal, Punk und Techno zu verstehen ist. Dieses Wummernde, Monotone, das in manchen Stücken zu hören ist (bumm, bumm, bumm, bububumm bumm bumm) kennt man auch später vom Techno (der natürlich aus der EBM entspringt), die Simplizität der Songs und der anarchische Faktor hat sehr viel vom Punk, und das Grenzenüberschreitende, der Hang zum "Krach" usw. ist so auch im Metal zu finden. Aber es stimmt natürlich, dass diese Exklusivität bezüglich der Monks nie so herrschte, wie es im Artikel tendenziell dargestellt wird.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.