Musik im Netz Runterladen von der Rock-Insel

Täglich frisch, umsonst - und total legal! Eine amerikanische Webseite bietet exklusive Lieder von Indie-Rock-Stars wie Fleet Foxes oder Death Cab For Cutie zum Download. Manche der Musiker lesen sogar Gedichte und Märchen vor.

Gut versteckt in der Einöde der Vereinigten Staaten von Amerika, zwischen Omaha und Chicago, liegt am Mississippi ein Kaff namens Rock Island. Und eben dort findet man tatsächlich eine Insel für Rockmusik: ein Aufnahmestudio, das die aufregende Internetseite Daytrotter.com  bestückt.

Sie bietet eine erstaunliche Auswahl an exklusiven, im Daytrotter-Studio aufgenommenen Songs von Indie-Rock-Meistern wie Death Cab For Cutie, Will Oldham, Bon Iver, Aimee Mann, Spoon, The Ting Tings, Glasvegas den Fleet Foxes und sehr, sehr vielen mehr. Jeden Tag wird eine frische Session hinzugefügt, was pro Woche 28 neue Songs macht. Oft umwerfend schöne Musik, die - unglaublich aber wahr - kostenlos und vollkommen legal zum Runterladen auf die heimischen Festplatten verfügbar ist.

Gestartet wurde das Unternehmen vor drei Jahren von dem Journalisten Sean Moeller und ein paar Kumpanen. Moeller dachte sich: Ist doch ein Vorteil, dass sein Heimatort und das Aufnahmestudio, das er dort mitbetreibt, an der Interstate 80 liegt, einer Straße, die viele Musiker auf dem Weg zu Konzerten in großen Städten nutzen. "Wir boten ihnen an, für ein, vielleicht zwei Stunden Rast zu machen, und wenn es ihnen gefällt, ein paar Lieder bei uns im Studio aufzuführen", sagt Moeller.

Sowohl Frischlinge als auch etablierte Größen können seitdem bei ihren Zwischenstopps frei über das Studio verfügen, inklusive der Instrumente und versierter Techniker. Die Atmosphäre scheint entspannt zu sein, und die Tontechniker halten das sehr gekonnt fest. Denn im Gegensatz zu einem Großteil der Lieder, die illegal durchs Internet geistern, klingen die Daytrotter-Sessions phantastisch.

Vergnügt probieren Musiker sich am Nachspielen fremder Lieder oder präsentieren ganz neue, bislang unveröffentlichte eigene Werke. Andere lesen unter der feinen Rubrik "Bookery" auch mal Kurzgeschichten, Gedichte und Märchen vor - so wie Jarvis Cocker, Weezers Rivers Cuomo oder die Fiercy Furnaces. Eingebettet wird das Ganze in überwiegend interessante Texte und Rezensionen.

Selbst die Optik der Seite ist ein Coup! Denn was fast alle Online-Auftritte verbindet, ist ihre spektakuläre Hässlichkeit. Daytrotter dagegen sieht einzigartig und toll aus. Dafür sorgt ein Team von Künstlern, das öde Pressefotos durch inspirierte Illustrationen ersetzt.

Bleibt die magische Frage, wie sich dieses fast unheimlich geglückte Umsonst-Indie-Rock-Biotop überhaupt finanziert.

Offensichtlich wird mit dem Aufnahmestudio genug verdient, denn Pläne, die einzigartigen Sessions auf Tonträgern zu vermarkten, weist Mr. Moeller weit von sich. Wer dem Laden etwas Gutes tun will, kann sich aber in der Merchandising-Ecke ein paar schnieke T-Shirts oder Poster bestellen. Wie lange die Betreiber damit durchkommen, bleibt abzuwarten.

Hoffentlich sehr lange!