Musiklegende Komponist Karlheinz Stockhausen ist tot

Er gilt als einer der bedeutendsten Komponisten unserer Zeit: Nun ist Karlheinz Stockhausen im Alter von 79 Jahren gestorben. Für kontroverse Diskussionen sorgte er zuletzt mit seinen Aussagen zu den Qaida-Anschlägen 2001 - die er als das "größte Kunstwerk Luzifers" bezeichnete.


Köln - Der weltbekannte Musiker starb am Mittwoch in Kürten-Kettenberg bei Köln, teilte die Stockhausen-Stiftung für Musik am Freitag mit. Der 79-Jährige galt als einer der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts.

Stockhausen wurde am 22. August 1928 in Mödrath bei Köln geboren und war ab 1945 Vollwaise. Nach dem Abitur studierte er an der Musikhochschule Köln sowie Musikwissenschaft, Philosophie und Germanistik an der Uni Köln. Um 1950 herum begann er schließlich zu komponieren.

Während seine frühen Kompositionen eher konventionell waren, wendete sich Stockhausen bald der seriellen Musik zu, einer Strömung der Neuen Musik, die die Zwölfton-Technik von Arnold Schönberg entscheidend weiterentwickelte. Stockhausen erwarb sich so den Ruf, einer der überragenden Komponisten und zugleich führenden Musiktheoretiker des 20. Jahrhunderts zu sein.

Von 1963 bis 1969 leitete Stockhausen die Kölner Kurse für Neue Musik, 1971 berief ihn dann die Hochschule für Musik in Köln auf einen Lehrstuhl für Komposition. Seit den Siebzigern war Stockhausen auch vermehrt als Dozent international tätig. Seine Konzerte für die Weltausstellung 1970 in Osaka verhalfen ihm zum internationalen Durchbruch - und sollten seine Arbeit nachhaltig prägen.

Seine Begegnung mit Asien, insbesondere mit Japan und dem Zen-Buddhismus, verstärkten Stockhausens Neigung zum Meditativ-Mystischen noch, die sich spätestens 1968 mit seinem Werk "Stimmung" erstmals deutlich in seiner Arbeit manifestiert hatte. Seine spirituelle Wende führte letztlich auch dazu, dass sich die politische Linke von Stockhausen zusehends distanzierte.

"Papa der Techno-Generation"

Über vier Jahrzehnte lang arbeitete Stockhausen mit dem Westdeutschen Rundfunk und dessen Studio für elektronische Musik zusammen - ein Engagement, das ihn zu einem Pionier der elektronischen Musik machte und ihm den Beinamen "Papa der Techno-Generation" einbrachte. Als sein Lebenswerk gilt der siebenteilige "Licht"-Zyklus, den er 2003 vollendete und der 1981 mit einer Aufführung in der Mailänder Scala seinen Anfang genommen hatte. Zumindest was den Umfang dieses Werkes angeht, übertraf Stockhausen sogar Richard Wagners "Ring"-Zyklus. Die einzelnen Teile entstanden zwar autonom, fügten sich jedoch unter Stockhausens Gesamtkonzeption.

Insgesamt schrieb er mehr als 280 Werke, unter anderem 32 Orchesterwerke, dirigierte fast alle seine Uraufführungen selbst oder inszenierte sie als Klangregisseur. Nach eigener Aussage arbeitete Stockhausen, der zurückgezogen in einer Villa im bergischen Kürten lebte, stets 16 Stunden am Tag.

Zuletzt sorgte seine Einschätzung der Terroranschläge vom 11. September 2001 für kontroverse Diskussionen. Stockhausen hatte bei einem Pressegespräch im Rahmen des Hamburger Musikfestes die Anschläge als das "größte Kunstwerk Luzifers" bezeichnet. Obwohl Stockhausen seine Wortwahl im Nachhinein öffentlich bedauerte, führte der Lapsus zu Konsequenzen: Die damalige Hamburger Kultursenatorin Christina Weiss setzte alle vier Stockhausen-Konzerte im Rahmen des Musikfestes ab und Feuilletons weltweit ereiferten sich über seinen sprachlichen Missgriff.

tdo/dpa



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